Gilchinger Glatze Neue Heimat für 1700 Menschen

Die innerörtliche Freifläche in Gilching zwischen dem Starnberger Weg, der Karolingerstraße und Bahnlinie soll endlich bebaut werden. Auf dem Areal sind zudem eine Parkanlage und ein Wasserlauf geplant.

(Foto: Google Earth)

Mitten im Ort soll ein neues Wohnquartier entstehen. Zwölf Jahre nach einem Ideenwettbewerb stellt der Planer aus Stuttgart einen Entwurf vor. Auch ein Hotel soll demnach errichtet werden

Von Christian Deussing, Gilching

Es ist eines der größten Wohnbauprojekte in der Region und soll etwa 1700 Menschen auf 15 Hektar in parkähnlicher Anlage eine neue Heimat bieten. Zwölf Jahre nach seinem Gewinn beim Ideenwettbewerb für die "Gilchinger Glatze", präsentierte der Stadtplaner und Architekt Marcus Rommel aus Stuttgart am Dienstag dem Gemeinderat den Bebauungsplanentwurf. Demnach sollen zwischen dem Starnberger Weg und der Karolingerstraße etwa 490 Wohnungen gebaut werden. Den Entwurf, der auch eine Liegewiese und Promenade mit Wasserlauf vorsieht, haben die Gemeinderäte einstimmig gebilligt.

Allerdings kritisierte Christian Bauer (CSU), dass die Landschaftssenke unter der Bahnstrecke als südliche Verbindung zur Landsberger Straße in dem Entwurf nicht mehr auftauche. Er befürchte, dass Gilching ohne diese Senke keine Chance mehr habe, die "kleine Landesgartenschau zu bekommen". Seine Fraktionskollegin Dorothea Heutelbach merkte an, dass es für das Stuttgarter Architekturbüro ohne die Landschaftssenke "nicht den ersten Preis gegeben hätte". Planer Rommel beschwichtigte und betonte, dass die Senke ein "Herzstück" des Projektes bleibe und keineswegs gestrichen sei. Aber das Verfahren könne beschleunigt werden. Das erklärte auch Bauamtsleiter Max Huber und verwies auf mögliche "Unwägbarkeiten", weil die Senke mit Unterführung Bahnflächen berühre.

Sorgen bereitet den Lokalpolitikern der künftige Verkehr im Bereich der "Glatze", wenn die bisher freie Fläche erst bebaut ist. Verkehrplaner Hansjörg Lang sagte dazu, dass Tiefgaragen am Starnberger Weg den "privaten Verkehr abfangen" würden und das Areal der "Glatze" praktisch eine autofreie Zone sein werde. Aber natürlich müsse bei dem Konzept der vorgesehene Kreisel an der Ecke Starnberger Weg und Sonnenstraße "funktionieren". Das hofft nicht nur Matthias Helwig (SPD), der von den morgendlichen Staus auf dem Starnberger Weg berichtete. Dass die Bebauung der "Glatze" mehr Verkehr erzeuge und der Knotenpunkt an der nahen Landsberger Straße verbessert werden müsse, stellte Experte Lang nicht außer Frage. Er sei aber der Ansicht, dass man die künftige Verkehrssituation "nicht so düster sehen" müsse.

Für die Grünen-Fraktion erklärte Peter Unger, dass mit diesem Vorhaben zwar wieder eine große Fläche versiegelt werde, jedoch neben Wohnraum auch eine "hohe Aufenthaltsqualität" geschaffen werde. Profitieren könnten davon sogar Gäste eines Hotels, das am Rande eines neuen Stadtgartens gebaut werden soll. Das geplante, 18 Meter hohe Gebäude empfand Christan Winklmeier (SPD) als zu wuchtig im Vergleich zu den etwa zehn Metern hohen Wohnhäusern. Parteifreund Fritz Wauthier monierte die seiner Meinung nach "etwas sterile Anordnung" der zwei- bis dreistöckigen Reihenhäuser.

Doch insgesamt zeigte sich der Gemeinderat mit dem Baukonzept zufrieden, das mit "Wohnhöfen am Wasserband" und einer Kindertagesstätte Anregungen aus dem Bürgerdialog aufgegriffen hat. Der Rahmenplan zu dem Projekt, bei dem etwa 6,5 Hektar der Fläche bebaut werden, war bereits im Jahr 2009 von der Gemeinde abgesegnet worden. Doch die Verhandlungen mit den fast 50 Eigentümern der Flächen erwiesen sich als sehr schwierig.