Einzug im November Gilchinger Turnhalle wird Notunterkunft

Die Turnhalle in Inning dient seit Juli als Flüchtlingsunterkunft. So könnte es künftig auch in Gilching aussehen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Landratsamt braucht den Platz für Flüchtlinge, heißt es in einem Schreiben an die Gemeinde. Der Sportverein sucht nun Ausweichmöglichkeiten.

Von Christian Deussing, Gilching

In die Rathausturnhalle in Gilching werden schon bald Asylbewerber einziehen. Diesen Plan hat das Landratsamt Starnberg am Montag dem Gilchinger Rathaus kurzfristig mitgeteilt. Die Halle soll spätestens im November für drei bis vier Monate über den Winter als Notunterkunft dienen.

In einem Schreiben der Kreisbehörde an die Gemeinde heißt es, man sei sich bewusst, "welche große Belastungen für Vereine und Schulen damit verbunden" seien. Leider gebe es derzeit keine Alternativen zu dieser großen Halle inklusive ihrer sanitären Einrichtungen. Denn eine "schnelle Belegung" von größeren gewerblichen Gebäuden mit Asylbewerbern sei wegen der Brandschutzauflagen ausgeschlossen, betont die Kreisbehörde.

Tischtennisspieler und Handballer trainieren dort

Dass die Rathausturnhalle in Kürze nicht mehr zur Verfügung steht, hat vor allen den TSV Gilching-Argelsried kalt erwischt. Er ist im Landkreis mit 3500 Mitgliedern der größte Sportverein und dringend auf das Gebäude angewiesen. Mit diesem Plan sei nun der "schlimmste Fall" eingetreten, sagte am Dienstag der TSV-Vorsitzende Peter Kramer. Denn die komplette Tischtennis-Abteilung mit mehr als 15 Mannschaften und sämtliche Handballer - darunter das Landesligateam der Herren - trainieren in dieser Halle, wo auch die Punktspiele stattfinden.

Betroffen seien zudem die Turner, Einradfahrer, die Kindersportschule und vor allem 550 Jugendfußballer, weil der Kunstrasenplatz im kommenden Winter nicht durchgehend zur Verfügung steht. Der TSV-Präsident verweist auch auf die längst ausgeschriebenen Einladungsturniere und langfristigen Verträge mit den Übungsleitern und teils festangestellten Diplom-Sportlehrern, die zu bezahlen sind.

Die Inninger Halle soll bis Ende Oktober geräumt sein

Kramer ist auch Gemeinderat der Freien Wähler und hofft, dass es für den Sportbetrieb Lösungen gibt. Denkbar sei für ihn, dass die Halle der James-Krüss-Grundschule auch am Wochenende öffnet und in der Zweckverbandshalle im Christoph-Probst-Gymnasium weitere Belegungszeiten angeboten werden. Ausweichen könnte der Verein wohl auch in die Inninger Halle, die bis Ende Oktober geräumt sein muss. Seit Juli waren dort jeweils bis zu knapp 200 Flüchtlinge untergebracht.

Matthias Vilsmayer, ebenfalls FW-Gemeinderat, wundert sich über die Ankündigung des Landratsamtes in punkto Unterkunft und Rathausturnhalle. Denn die Gemeinde habe doch längst vor Monaten "schon alles getan", um andere Standorte anzubieten - auf der Festwiese und an der Landsberger Straße. Doch die Regierung lasse sich dort mit den Unterkünften zu viel Zeit, ärgert er sich. Die Gemeinde sollte daher mehr Druck machen.

Auch der Schulunterricht ist betroffen

Die Pläne der Kreisbehörde wirken sich natürlich auch auf die Mittelschule aus, die die Halle für den Sportunterricht bald monatelang nicht mehr nutzen kann. Für eine Stellungnahme war Schulleiterin Gisela Barta am Dienstag aber nicht erreichbar. Wegen der notwendigen Eile wurde das Thema "Hallen-Notunterkunft für Asylbewerber" kurzfristig auf die Tagesordnung des Gilchinger Gemeinderates gesetzt, der am Dienstagabend darüber diskutierte.