Gilching Kunst mit Einschusslöchern

Die Bildhauer Praxenthaler und Holzknecht stellen ihre ungewöhnlichen Werke in Gilching aus.

Von Katja Sebald

Professionelles Handwerk und filigrane Kunst: Bert Praxenthalers Sterne (oben) und Arnold Holzknechts "Eiserne Jungfrau". Foto Fuchs

(Foto: STA Franz X. Fuchs)

Gilching- Das Gilchinger Gewerbegebiet Süd ist kein Ort, an dem man große Kunst erwarten würde. Umso überraschender ist der Auftritt von Bert Praxenthaler und Arnold Holzknecht in den Räumen der Firma Limelight in der Zeppelinstraße. Einmal im Jahr wird dort für knapp zwei Monate zeitgenössische Kunst ausgestellt, diesmal sind es zwei ebenso ungewöhnliche wie unterschiedliche bildhauerische Positionen.

Der 1956 geborene Bert Praxenthaler studierte nach seiner Ausbildung zum Holzbildhauer in München Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte. Er lebt und arbeitet in Epfenhausen bei Landsberg. Als Restaurator ist er ein profilierter Spezialist für Skulptur in der Denkmalpflege und war unter anderem in Afghanistan an der Bergung der Buddhas von Bamiyan beteiligt, die 2001 von den Taliban zerstört worden waren. Seine eigene bildhauerische Arbeit offenbart auf den ersten Blick die meisterhafte Beherrschung handwerklicher Techniken: Die beiden eiförmigen Objekte, die er in Gilching zeigt, haben makellose Oberflächen, die Sterne sind aufwendig blattversilbert, einige sogar mit Lüstrierung. Sein kleinformatiger "Altar" ist eine Reminiszenz an gotische Klappretabel mit ihrem Werktags- und Festtagsbildprogramm.

Auch der Südtiroler Arnold Holzknecht beherrscht sein Material meisterhaft. Er wurde 1960 in Brixen geboren und studierte Bildhauerei in Florenz und München. Für seine reduzierten Arbeiten verwendet er Holzplatten, etwa aus Lindenholz, in deren Oberfläche er reliefartige Strukturen schnitzt. Gleichwohl entstehen skulpturale Objekte, die sich je nach Lichtsituation verändern und wegen der sorgfältigen Bearbeitung und Gestaltung der seitlichen Kanten enorm räumlich wirken. Es sind stille, beinahe meditativ wirkende Werke zwischen Tafelbild und Skulptur, die nicht nur von virtuoser Technik, sondern auch von liebevoller Hinwendung zum Holz zeugen. Sie kommen ohne große Geste aus und bestechen nicht zuletzt durch ihre Materialgerechtigkeit. "Es ist was es ist" heißt eine der Skulpturen von Arnold Holzknecht: Aus einem schlanken Stamm wurde ein schlanker Stamm geschnitzt, auf dem ein zweiter, aber deutlich kleinerer und schlanker Stamm zu stehen scheint. Es versteht sich von selbst, dass hier nichts gestückelt, sondern aus einem einzigen Werkstück gearbeitet wurde.

Die Ausstellung im Limelight ist montags bis freitags von 10 von 18 Uhr geöffnet; bis 14. Dezember.