Gilching Bürgerinitiative bietet Kompromiss an

Sollte der Gemeinderat für mehr Unterführungen bei der geplanten Umgehungsstraße stimmen, wäre ein Bürgerentscheid im Februar hinfällig.

Christian Deussing

Röchner-Knoten Gilching Gilching Verkehrsführung am sogenannten Röchner-Knoten in Gilching mit problematischer Einbindung des Radwegs.

(Foto: STA Franz Xaver Fuchs)

GilchingIm Streit um die "sicheren Fuß- und Radwege" bei der geplanten Westumfahrung von Gilching hat jetzt die Bürgerinitiative der Gemeinde angeboten, unter bestimmten Bedingungen auf den bereits zugelassenen Entscheid am 9. Februar 2014 zu verzichten. Es wird beantragt, dass sowohl in der Römerstraße als auch am Talbauernweg Unterführungen unter der Trasse gebaut werden sollten, damit Radfahrer und Fußgänger sicher den Badesee und die Naherholungsgebiete erreichen. Dafür aber könnten die bisher vorgesehenen Radwege an der Westumgehung als "Bypässe" zwischen Rottenrieder Straße und Römerstraße sowie vom Talbauernweg bis zur Weßlinger Straße wegfallen - und somit auch "erhebliche Kosten eingespart" werden. Doch Bürgermeister Manfred Walter (SPD) sieht den Antrag sehr skeptisch. Denn ein Bürgerbegehren sei "nicht im Nachhinein verhandel- und veränderbar", wenn zuvor 1531 Bürger im Kern andere Forderungen unterschrieben hätten, betont der Rathauschef.

Röchner-Knoten Gilching Gilching Verkehrsführung am sogenannten Röchner-Knoten in Gilching mit problematischer Einbindung des Radwegs.

(Foto: STA Franz Xaver Fuchs)

Dieses Problem sieht die Initiative allerdings nicht. Aber man würde bei diesem Kompromiss den Verlust des Radweges am Röchnerknoten hinnehmen, sagte zudem Sprecher Kilian Häuser am Donnerstag vor der Presse. Die Bürgerinitiative hoffe auf eine "einvernehmliche Lösung auf breiter Basis", womit dann auch das geplante Ratsbegehren hinfällig wäre. Mit dem neuen Vorschlag will man der Gemeinde aber wohl nicht nur entgegenkommen, sondern sich auch nicht ankreiden lassen, die seit langem geplante Westtangente zu verzögern oder gar das laufende Verfahren aufs Spiel zu setzen. "Wir wollen nicht die Buhmänner und Schuldigen dafür sein, wenn unsere Vorschläge zu dem Projekt vorher nicht berücksichtigt wurden", erläutert Mitinitiatorin Barbara Gehrke.

Ob nun jedoch der Kompromiss-Antrag am kommenden Dienstag im Gilchinger Gemeinderat zur Debatte steht, ist fraglich. Denn zunächst wird über das Ratsbegehren abgestimmt, das die CSU-Fraktion initiiert hat. Hierbei wird zwar die gewünschte, zusätzliche Fuß- und Radwegeunterführung an der Römerstraße miteinbezogen - doch die sonstige Planung am Talbauernweg und beim Röchnerknoten würden unverändert bleiben. Dass die Kommunalpolitiker mehrheitlich für diese Variante votieren, gilt als wahrscheinlich. Und somit würde es endgültig am 9. Februar zum Bürgerentscheid kommen.

"Natürlich ziehen wir dann die Sache mit sämtlichen Forderungen durch", betont Häuser, der auch Ortsvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ist. Der Knackpunkt sei aber auf jeden Fall weiterhin der "gefährliche Weg" vor allem für Kinder, Jugendliche und schwächere Radfahrer, wenn sie zum Badesee und zu den Erholungsgebieten wollten. Diejenigen müssten über den Kreisverkehr vier Fahrbahnen und noch den Talbauernweg an der Einmündung zur Westumfahrung überqueren, warnt die Initiative. Aber auch die tiefe Unterführung an der Rottenrieder Straße sei nicht ungefährlich, weil sich dort Radverkehr, Autos und landwirtschaftliche Fahrzeuge die Unterführung teilen müssten, so Häuser. Das Problem für die Radfahrer sei bei der geplanten Trasse nicht der Umweg, sondern das erhöhte Unfallrisiko. Eine Verbindung am Talbauernweg würde dagegen für das Altdorf, die Anwohner der Römerstraße und für die Argelsrieder den "beliebten und sicheren Weg in die Erholungsgebiete offen lassen", heißt es in einem Appell an die Gilchinger Gemeinderäte.

Walter hofft, dass die Arbeiten für die etwa 5,5 Kilometer lange Entlastungsstraße ohne Verzögerungen im kommenden Jahr endlich beginnen können. Allerdings muss hierfür erst ein Planfeststellungsbeschluss vorliegen - und dagegen könnte geklagt werden, wie auch der Rathauschef weiß. Jedoch müsste dies in der Frist eines Monats geschehen, und die mögliche Klage dürfen nur Bürger einreichen, die direkt von der Tangente betroffen sind.