Gesundheitswesen 200 neue Klinik-Betten

In Feldafing arbeiten Geschäftsführer Simon Machnik und Polier Wikterp Haseitl (re.) am Neubau des Benedictus-Krankenhauses.

(Foto: Nila Thiel)

Die Artemed-Gruppe investiert viel Geld in das neue Benedictus-Krankenhaus in Feldafing. Die Bauarbeiten gehen zügig voran, im Frühjahr 2019 soll eröffnet werden.

Von Otto Fritscher, Feldafing

Der Wind pfeift über das weitläufige Gelände, Simon Machnik hat sich unter dem Schutzhelm eine Wollmütze aufgesetzt. Wikterp Haseitl indes lacht, er ist zapfige Temperaturen wohl eher gewohnt. "Hier entsteht gerade der Nordflügel", sagt Haseitl mit einer weit ausgreifenden Armbewegung. Nordflügel? Noch ist nicht klar erkennbar, was auf dieser riesigen Baustelle eigentlich hochgezogen wird.

Es könnte ein großer Wohnkomplex sein, der hier entsteht, ein Hotel, oder vielleicht auch eine Unternehmenszentrale. Ist es aber alles nicht. "Hier, auf dem nördlichen Teil des ehemaligen Kasernenareals, errichtet die Artemed-Gruppe den Neubau für die Feldafinger Benedictus-Klinik", sagt Simon Machnik, Geschäftsführer der Benedictus-Krankenhäuser in Feldafing und Tutzing. 200 Betten wird die Klinik haben, in den drei Fachbereichen Geriatrie, Neurologie und Orthopädie; konzipiert ist sie als Reha- und Frühreha-Klinik, wie das bestehende Krankenhaus in Feldafing auch. Aus Tutzing wird zusätzlich "die Schmerztherapie", wie Machnik sagt, nach Feldafing verlagert werden, "weil das inhaltlich besser passt." Über die Kosten des Klinikneubaus hält sich Simon Machnik bedeckt; es dürften aber deutlich mehr als 25 Millionen Euro investiert werden. "Wir sind mit den Bauarbeiten weitestgehend im Zeitplan", sagt Polier Haseitl, der für die Fertigstellung des Rohbaus verantwortlich ist. Drei der vier Flügel des Komplexes sind schon erkennbar und bis zum ersten Obergeschoss gewachsen. Das Klinik-Gebäude ist in Kreuzform angelegt, mit einem zentralen Eingangs- und Erschließungsbereich in der Mitte. Drei Stockwerke sind vorgesehen, die Höhe der Vollgeschosse beträgt rund 15 Meter. Anfangs auf dem Dach geplante Technikaufbauten sind nach Kritik aus dem Gemeinderat in den Keller gewandert. Die Spanne der Flügel in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung beträgt jeweils rund 100 Meter. Sichtbar sind durch die kreuzförmige Bauweise jeweils nur 50 Meter.

Die Zufahrt zur Baustelle erfolgt von der Tutzinger Straße aus, bis später dann - nach dem Abzug der Bundeswehr vom Kasernenareal - die Siemensstraße durchgängig geöffnet werden soll. Im Untergeschoss sind neben allerlei Technik die Küche und Mitarbeiterbereiche geplant. Im Erdgeschoss des Westflügels finden die Schmerztherapie und die Tagesklinik Platz, im Ostflügel das Restaurant, im Erdgeschoss des Nordgeschosses wird die Patientenaufnahme untergebracht und im Süden die Zentrale Therapie situiert.

Was ist das Schwierigste an einem Bauwerk wie einer neuen Klinik? "Ein neues Krankenhaus wird ja wirklich nicht alle Tage gebaut", sagt Machnik. Für ihn war der Planungsprozess am kompliziertesten - und manchmal vielleicht sogar aufreibend. Schließlich stand das ganze Projekt auf der Kippe, als die Gegner des Klinikbaus einen Bürgerentscheid gestartet hatten. Doch rund 80 Prozent der Feldafinger stimmten für den Verbleib der Klinik am Ort, nachdem sich der zuvor anfänglich über das Projekt zerstrittene Gemeinderat geeinigt hatte.

Für Polier Haseitl spielt indes das Wetter eine entscheidende Rolle. "Wir wollen eigentlich den ganzen Winter durch bauen. Aber wenn der Schnee höher liegt als 20 Zentimeter, geht das nicht." Zwischen 35 und 45 Arbeiter sind auf der Großbaustelle beschäftigt, oft bis in den Abend hinein, weil Fluchtlichtstrahler die Baustelle erhellen, und auch am Samstag. Und dann ist Haseitl noch für die Koordination der verschiedenen Gewerke zuständig, muss also dafür sorgen, dass die Eisenflechter, die etwa die Decken armieren, nicht anderen Handwerkern in die Quere kommen. Das Richtfest ist für April oder Mai 2018 geplant. Die gesamte Bauzeit wird zirka zwei Jahre betragen, Ende Juli 2017 war der Grundstein gelegt worden.

Eine logistische Herausforderung wird dann auch noch der Umzug vom alten Klinikgebäude in der Feldafinger Ortsmitte in das neue Krankenhaus darstellen. Der Gebäudekomplex soll bis zum 1. April 2019 fertiggestellt sein, der Einzug soll dann möglichst rasch in den darauffolgenden Wochen erfolgen. "Das muss schnell gehen, weil wir ja nicht zwei Kliniken parallel betreiben können", sagt Machnik und lacht. Vor dem Umzug versuche man, so viele Patienten wie möglich nach Hause zu entlassen. Aber: "Einen Schlaganfall-Patienten kann man natürlich nicht zu Fuß von einem Krankenhaus in andere rübergehen lassen."Als Termin, den Betrieb in der Klinik aufzunehmen, peilt Machnik das zweite Quartal 2019 an.

Noch offen ist indes, was mit dem alten Klinikgelände geschehen soll. Es gehört nicht der Artemed-Gruppe, sondern befindet sich in Privatbesitz. In der Diskussion werden ein Senioren-Wohnanlage, ein Hotel oder ähnliche Möglichkeiten für eine künftige Nutzung genannt. Entschieden ist indes noch nichts.