Gert Fröbe und seine NS-Vergangenheit Ein Schurke nur im Film

Der Schauspieler wurde einst in Israel als NSDAP-Mitglied boykottiert, aber schnell rehabilitiert. Seine Wahlheimat Icking beleuchtet seine Rolle erneut.

Von Claudia Koestler, Walchstadt

Er war "Auric Goldfinger", der Gegenspieler von James Bond. Doch die Frage, ob die Ickinger Schauspiellegende Gert Fröbe auch ein Nationalsozialist war, beschäftigt derzeit einige in dessen Wahlheimat.

Denn wie bekannt wurde, ist die Arbeit des dazu eingesetzten Arbeitskreises fertig. Dieser fokussierte zwar auf die Aufarbeitung der Rolle des Architekten Paul Wenz, nach dem der Ickinger Wenzberg benannt ist. Nach dem Willen des Gemeinderats hatten sich die Mitglieder des Arbeitskreises aber darüber hinaus auch mit all jenen Straßen in der Kommune befasst, die nach Personen benannt sind, die in der Zeit des Nationalsozialismus lebten und wirkten. Aus jeder Gemeinderatsfraktion war ein Repräsentant unter der Leitung der beiden Pöckinger Historiker Marita Krauss und Erich Kasberger im Arbeitskreis vertreten. Wie die Gemeinde in der Causa Wenz weiter verfahren wird, ist noch nicht bekannt.

Neben den Ergebnissen zu Wenz werden aber auch die weiteren Erkenntnisse aus der historischen Aufarbeitung der Ickinger Straßennamen mit Spannung erwartet. Gemäß dem Auftrag dürfte der Arbeitskreis nämlich auch einen weltbekannten Ickinger unter die Lupe genommen haben: Gert Fröbe. Die Isartalgemeinde hatte dem Schauspieler, den die meisten wohl als "Räuber Hotzenplotz" oder eben als James Bonds Nemesis kennen, anlässlich seines 100. Geburtstags am 25. Februar 2013 eine besondere Ehre zuteil werden lassen: Sie benannten einen vorherigen Wiesenweg um in Gert-Fröbe-Weg.

Mit der Gage aus dem Bond-Film "Goldfinger" hatte sich der gebürtige Sachse jenes Haus samt Türmchen im Ickinger Ortsteil Walchstadt gekauft, in dem zuvor die Frauenrechtlerin Anita Augspurg gewohnt hatte. "Mein Groschengrab" hat Fröbe laut Gemeindearchivar Peter Schweiger das Haus liebevoll bezeichnet.

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren war Fröbe zu einem der ersten international bekannten Filmstars aus Deutschland avanciert. Doch der Arbeitskreis wird sich mit der Zeit davor befasst haben. Und hier gibt es sicherlich einiges zu beleuchten, inklusive einem Skandal, den Fröbe ausgelöst haben soll mit dem Satz "Natürlich war ich ein Nazi". Die Aufregung war weltweit groß, der Staat Israel boykottierte daraufhin zwischen 1965 und 1966 seinen wohl berühmtesten Film "Goldfinger". Auch in den USA sollen jüdische Organisationen einen Fröbe-Bann gefordert haben. Allerdings wurde der Schauspieler nach rund acht Wochen rehabilitiert.

Gert Fröbe als Schuft an der Seite von Sean Connery alias James Bond.

(Foto: Imago/Cinema Publishers Collection)

Geboren wurde der spätere Wahl-Ickinger Fröbe in Planitz, einem Vorort von Zwickau, wo er auch das Realgymnasium besuchte. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung als Bühnenmaler. Doch er wollte Schauspieler werden und nahm seinen ersten Unterricht bei Erich Ponto, später bei Paul Günther in Berlin. Bald kamen die ersten Engagements: in Wuppertal und in Frankfurt am Main spielte er die ersten Theaterrollen, bis er schließlich 1939 nach Wien ging.

Dort versuchte er sich auch beim Film, der Durchbruch sollte mit dem Film "Berliner Ballade" kommen. Es folgten zahlreiche internationale Filme, Gert Fröbe stieg immer mehr zu einem Weltstar auf. Bis eine Schlagzeile einen Schatten auf seine Karriere warf: Die britische "Daily Mail" hatte ein Interview mit Fröbe übertitelt mit dem Zitat "Of course I was a Nazi", zu Deutsch: "Natürlich war ich ein Nazi."

Im Fragebogen der Kommission für Kulturschaffende bei der alliierten Militärregierung nach dem Ende des Krieges hatte Fröbe vermerkt, er sei vom 1. April 1934 bis zum 18. Oktober 1937 Mitglied der NSDAP gewesen. Seine Angaben zur Parteimitgliedschaft im Interview für die Daily Mail aber waren aus dem Zusammenhang gerissen und lösten - so zugespitzt - weltweit Aufruhr aus.

In der Fröbe-Biografie "Jedermanns Lieblingsschurke" von Michael Strauven schreibt dieser, dass nach der Veröffentlichung des Daily-Mail-Interviews, genauer gesagt vom 14. Dezember 1965 an, der Bond-Film "Goldfinger" nicht mehr in Israel gespielt wurde. Die israelische Zensurbehörde soll den Film verbannt haben, in dem das ehemalige NSDAP-Mitglied eine Hauptrolle hatte. Fröbe hingegen habe kaum begreifen können, was sich abspielte. Strauven zitiert ihn mit "Das ist ja Rufmord" und "Als hätten sie einen Eichmann erwischt!"

Das Grab des Schauspielers Gert Fröbe liegt in Icking.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Vielmehr habe sich Fröbe in seiner Zeit in Wien sogar als Helfer einer von den Nazis verfolgten Familie erwiesen. Laut Strauven finden sich im Nachlass von Fröbe in der Deutschen Kinemathek Hinweise, dass unmittelbar nach der Boykotterklärung Israels Schadensbegrenzung versucht wurde.

Unter anderem hatte sich Frederick S. Gronich von der deutschen Vertretung der Motion Picture Export Association of America für den Schauspieler stark gemacht. In einem Brief habe er Fröbe mitgeteilt, dass sich der Sohn jener Familie, die er einst in Wien unterstützt hatte, für ihn ausgesprochen habe und diese Erklärung der israelischen Botschaft in Wien vorläge.

Der Sohn bestätigte laut Strauven darin noch einmal, dass Fröbe ihm und seiner Mutter während des Krieges geholfen habe. Dessen Mutter hatte das Strauven zufolge bereits im Oktober 1945 notariell beglaubigt und damit die Entnazifizierung Fröbes und die Einstufung als Mitläufer möglich gemacht. Im Februar 1966 meldete schließlich die internationale Ausgabe der New York Times als erstes Medium die Aufhebung des Fröbe-Boykotts. Der Ruf des Schauspielers war wiederhergestellt.

Ob der Ickinger Arbeitskreis darüber hinaus Erkenntnisse gewinnen konnte, bleibt ebenso spannend wie die Ergebnisse der Untersuchungen weiterer Ickinger Straßen. Darunter sind der Schleichersteig, der nach einem Maler benannt ist, der während der Nazi-Diktatur in Icking lebte und eine Malschule speziell für Frauen etablierte. Oder der Geheimrat-Heindl-Weg, die Ludwig-Dürr-Straße und der Johann-Pischeltsrieder-Weg. Letzterer ist benannt nach einem Ickinger, der zwischen 1925 und 1945 sowie von 1948 bis 1957 Bürgermeister der Gemeinde war.