Die einen wollen beten, andere laden zum antimonarchischen Freischwimmen und dann ist da noch eine Geheimaktion der mysteriösen Guglmänner. Eine Frage jedoch elektrisiert alle - auch 125 Jahre nach dem Tod des Märchenkönigs.
Es sind die entscheidenden Sätze. Seine königliche Hoheit hebt an zum Sprechen - und wird unterbrochen. Die Berger Blechläser, die sich direkt neben dem Chef des Hauses Wittelsbach formiert haben, blasen zum Abmarsch. Franz Herzog von Bayern lächelt gütig. Und die umstehenden Reporter warten geduldig. Immerhin stehen die Journalisten bereits seit Stunden am Seeufer, wenige Meter neben dem Kreuz, das an den Märchenkönig Ludwig II. erinnert.
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125. Todestag von Ludwig II. – Die Karte des Königs
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Dessen Ahn steht nun also in einem hellbraunen Mantel und wartet bis sich die Blasmusiker vom obersten Wittelsbacher entfernt haben. Um seine Augen ein Kranz von feinen Fältchen, auf der Schläfe des Herzogs zieht sich fein eine blasse Ader. "Sie müssen laut und deutlich fragen. Sonst hör' ich sie nicht", hat der 77-Jährige kurz zuvor den Reportern gesagt. Zwei Fragen sind zugelassen, zwei nur. Eine Reporterin des ZDF fragt nun, was es für eine Bedeutung für das Hause Wittelsbach habe, dass die Familie zum 125. Todestags von Ludwig II. direkt an der Unglücksstelle eine Gedenkmesse zelebriert.
"Im Grunde", sagt der Urenkel des letzten bayerischen Königs, Ludwig III., wolle man "Respekt vor König Ludwig II." demonstrieren, der "ein großartiger Mensch war". Und er stehe "für die Kreativität in der Familie", neben dem "Märchenhaften steht auch seine enorme Leistung" und sein Fleiß. Respekt, Fleiß. Es klingt distanziert. Wie der ganze Auftritt des Hauses Wittelsbach an diesem Pfingstmontag in Berg am Starnberger See.
Das Volk ist gekommen in Scharen. Bereits um kurz nach neun Uhr bevölkern Hunderte Schaulustige den steilen Hang an der Votivkapelle, die zehn Jahre nach Ludwigs mysteriösem Tod im See weithin sichtbar errichtet wurde. 500 Menschen stark ist allein der Gedenkzug, der sich an diesem trüben Morgen vom Festplatz oben im Ort durch den dicht bewaldeten Schlosspark hinunter zum Seeufer zieht. Von weitem schon künden Paukenschläge das Nahen der Trachtenabordnungen an. Das normale Fußvolk darf den Ehrengästen nicht folgen, auch der Presse ist es nicht gestattet, durch den Schlosspark zu streifen. Da ist das Haus Wittelsbach streng.
1500 Menschen kommen an der Gedenkstätte zusammen. Viele sind in Tracht - manche streng traditionell, andere in Phantasiekostümen. Unten, seitlich des provisorischen Altars, Fahnenabordnungen aus Schweitenkirchen oder anderswo. Ernst blickende Männer mit mächtigen Bärten sind es, die Ludwig II. die Ehre erweisen.
Oben am Hang geht es schon etwas gelöster zu. Eine junge Frau in Dirndl flüstert etwas ihrer Nachbarin ins Ohr und beginnt sich zu schütteln. Ihr Kropfband hüpft auf und ab, nur mit Mühe kann sie ihren Lachanfall unterdrücken. Vorn an der Hecke stehen Zivilpersonen, recken ihre Kompaktkameras in die Höhe, um ein Foto von den Wittelsbachern zu erhaschen.
Sie alle sind gekommen: Franz, neben ihm Max Herzog in Bayern, Frau Elizabeth, Leopold Prinz von Bayern nebst Frau Ursula, Luitpold und Beatrix. Als Abt Johannes Eckert, Domvikar Andreas Günther und der Aufkirchener Pfarrer Piotr Wandachowicz die Szene betreten, erheben sich auch die Wittelsbacher von den Stühlen mit den weißen Hussen rechts neben dem Freiluftaltar - die Deutsche Messe von Franz Schubert erklingt zum Einzug der Geistlichkeit. An den Hängen kehrt Stille ein.
"Was macht König Ludwig zum Märchenkönig?", fragt der Abt des Klosters Andechs. "Sind es nicht unsere eigenen unerfüllten Träume, die wir in Ludwig sehen?" Ja, der König sei vielleicht "verrückt, entrückt gewesen" - wie ein Kind in seinem Spiel. Doch gerade im "zweckfreien Spiel offenbart sich Gott als Schöpfergeist", sagte Eckert. Das zweckfreie Spiel: Schloss Neuschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee - viele Millionen teure Spielzeuge, die letztlich dazu führten, dass Ludwigs Onkel Prinz Luitpold, den Monarchen von einer Fangkommission in Schloss Berg festsetzen und endmündigen ließ.
Hier verbrachte er seine letzten Tage und Stunden. Hier nahm er am 13. Juni 1886 sein letztes Mahl ein: Er soll geschlemmt haben, ein Bier, fünf Glas Wein, zwei Gläschen Arrak getrunken haben. Danach brach er auf, mit seinem Psychiater Dr. Gudden, hinaus in den weiten waldigen Park von Schloss Berg. Gudden und Ludwig wurden erst mitten in der Nacht gefunden. Leblos treibend im See.
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"für die Emotionen wäre dann der König zuständig"
.... und für die Kriege?
Erstaunlich ist meiner Meinung nach nicht die Verhaltensweise eines Königs vor 150 Jahren, sondern die Zuneigung, die er heute bekommt. Und zwar genau von den Trachtlern, die auf die Preißen schimpfen.
Es war doch im Nachhinein betrachtet eher clever. Vielleicht hätte er noch etwas mehr Geld rausholen müssen. Dann hätte er die Falkenburg noch bauen können, oder das byzanthinische Schloss ...
Ludwig hat ungewollt sehr vorausschauend gedacht. Er war ja nicht nur kunst- und musikbegeistert, sondern auch neuen Techniken gegenüber sehr aufgeschlossen.
Solche zukunftsorientierten visionären Politiker fehlen uns heute.
Vielleicht sollten wir doch den heutigen gewählten Politikern einen königlichen "Aufsichtsrat" vor die Nase setzen. Das würde die Politik um einiges versachlichen. Denn für die Emotionen wäre dann der König zuständig.
Ob Bismarck wirklich so machtgierig war?
Er tat das meiste aus "Staatsräson".
Und ob es ohnehin so gekommen wäre?
Gut möglich, trotzdem ein peinlicher Vorgang.
Die Vereinnahme ins Deutsche Reich wäre ohnehin gekommen... So hat der Bismarck durch seine Machtgier wenigstens unsere Schlösser bezahlt, von denen wir heute nicht nur weltweit profitieren, sondern auch überall Sympathiepunkte sammeln können.
Da stellt sich doch eher die Frage, wieso der Seehofer nicht endlich den Austritt Bayerns aus der BRD verkündet. 125 Jahre "Zwangsgermanisierung" sind nun wirklich genug!
hat S.E. Kardinal Marx gerade nicht gesagt.
Er hat Herzog Franz von Bayern mit "Lieber Herzog Franz" und die Familie mit "liebe Königliche Familie" angesprochen.
Mit der SZ scheints in Punkto Sachverstand wirklich bergab zu gehen oder werden hier die Journalisten nach Links-Grüner Gesinnung und nicht nach Sachverstand ausgewählt?
Jede Anfängerin in der Bunte-Redaktion hätte den Unterschied erkannt.
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