Gauting Partner, Paare, Paarungen

Werner Schneyder ist ein Anderer: Der Kabarettist präsentierte sich im Gautinger ´Bosco` diesmal als Autor.

Von Patrizia Steipe

Werner Schneyder" stand auf den Plakaten. Nur der Name, das Datum, dazu ein Foto - sonst nichts. Ein wenig Sorge hatte Werner Schneyder deswegen, dass das Publikum auf die falsche Fährte geführt worden ist, denn Schneyder ist nun mal als begnadeter Kabarettist bekannt, im Bosco trat er aber dieses Mal als Autor auf und stellte sein neues Buch "Partner, Paare, Paarungen" vor. Es war ein anderer Schneyder, der da auf der Bühne saß - keine schnellen, treffenden Pointen jagten einander, kein lausbübisches breites Grinsen, keine großen Gesten. Schneyder war ein wenig in sich gekehrt. Die menschlichen Schwächen, die er als Kabarettist gerne aufspießt, behandelte er hier nachsichtig mit einer ungewohnten Sanftheit und obwohl der 75-Jährige humorvoll schreibt, konnte das Publikum höchstens verständnisvoll Lächeln; Brüller, die zum Schenkelklopfen und lauthals Loslachen reizten, fehlten. Schneyder hat dank seiner vielen Bühnenauftritte eine unglaubliche Eloquenz, vorlesen braucht er nicht, er erzählt seine Geschichten vielmehr. Ausdrucksstark mit fester Stimme und sympathischen österreichischen Akzent.

Lesung im Gautinger ´Bosco`: als Autor und nicht als Kabarettist las Werner Schneyder aus seinem neuen Buch "Partner, Paare, Paarungen". Foto: Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

Er beschreibt Alltagsepisoden, die eigentlich banal sind und die er mit scharfem Blick beobachtet hat: Da geht es in "Das Mädchen im Regen" um einen alternden Mann, der sich angesichts eines jungen Mädchens plötzlich wieder begehrt fühlt, reflexartig in das Imponiergehabe vergangener Zeiten verfällt, um am Schluss festzustellen, dass der Sohn das Objekt der Begierde war. "Die Realität ist abgeschmackt und männerfeindlich", lautet das enttäuschte Fazit. Auch "Zimmer 87" ist eine Reminiszenz an vergangene Zeiten, als die Karriere und das ganze Leben noch vor der Hauptperson lag, als noch prickelnde Liebesgeschichten und Verrücktheiten das Leben bestimmten. An wahre Begebenheiten erinnert "Die Drehbücher". Beschrieben werden Eitelkeiten, das oberflächliche Gebaren in der Medienbranche, die mehr aus Schein als auf Sein achtet. Ein junger Autor wird zum "Shooting Star" des Drehbuchschreibens. Er lässt andere für sich schreiben, erfolgreich. Irgendwann geht der Idealismus, die Wahrhaftigkeit flöten, Geldgier und Geltungssucht nehmen überhand. Ähnlichkeiten zu der gefeuerten NDR-Fernsehfilmchefin Doris Heinze, die unter einem Tarnnamen Drehbücher für ihren Arbeitgeber geschrieben hat, sind erkennbar.

Schneyder schreibt flüssig, er setzt die Worte und Pointen gut, der Text fließt, hat Tiefgang, treffende Vergleiche und hübsche Bilder, die sich dem Zuhörer sofort erschließen. Dabei hat der Autor ein gutes Gleichgewicht gefunden, das Buch zu einer leicht zu lesenden Lektüre, die aber trotzdem Niveau hat, zu machen. So ist es eine nicht besonders anspruchsvolle, aber unterhaltsame Strandlektüre für die gebildete Mittelschicht. "Rodolfo und Mimi" heißt eine weitere Kurzgeschichte. Es geht um Oper und dabei speziell um Giacomo Puccinis La Bohème. Auf der einen Seite die Kunstfreundin, die Libretto und Musik als harmonische Einheit versteht, auf der anderen Seite der Historiker, der sich mit dem Programmheft nicht zufrieden gibt und auf seiner Suche nach der wahren Geschichte dieser Oper deren Zauber, den "Charme der Armut und die Süße der Hoffnungslosigkeit" nach und nach zerstört. Am Schluss trennt sich das Paar: "Addio, senza rancor!" (Auf Wiedersehen ohne Bitterkeit) - wie in der großen Opernarie.

Am Schluss gibt es für das Bosco-Publikum Schneyders "Lieblingszugabe": Bücher signieren.