Gauting Kunst am Gartenzaun

Ein Künstler schafft Platz: Herr Groxi präsentiert seine großformatigen Bilder am Gartenzaun, ehe er damit zu einem Lagerraum nach Geltendorf fährt.

(Foto: Arlet Ulfers)

Ein ungewöhnlicher Anblick am Rand des Grubmühler Feldes

Von Michael Berzl, Gauting

Es ist sicherlich ein ungewöhnlicher Ort für eine Kunstausstellung. 26 sehr bunte Bilder lehnen an einer Gartenhecke gegenüber vom Gautinger Friedhof. So mancher Autofahrer verlangsamt sein Tempo etwas, um genauer sehen zu können, was hier los ist. Der Künstler Groxi nutzt den Umzug seiner Werke von einem Schuppen in ein Depot in Geltendorf, um die Arbeiten wenigsten einen Tag lang im Freien zu präsentieren. Und ein paar Neugierige bleiben auch stehen.

Zum Beispiel Nina Horak mit ihren beiden Kindern. Die Fünfjährige und ihr dreijähriger Bruder erkunden ganz eifrig, was da alles zu sehen ist. In einem Museum dürften sie ja nur schauen, aber nur ja nichts anfassen. Hier schon. Der Maler, der sich "Herr Groxi" nennt, erlaubt das. Es sind eher grobschlächtige Werke mit massiven Holzrahmen aus zusammengeleimten und mit der Motorsäge bearbeiteten Dachlatten, dick aufgetragene Acryl- oder Dispersionsfarben bilden reliefartige Strukturen und Risse. Zum Schutz wird das Ganze zum Schluss mit einem Klarlackanstrich versehen. Die Bilder halten schon etwas aus.

Entstanden sind die Arbeiten im Freien, gemalt unter einem Apfelbaum im Garten eines kleinen Häuschens am Rand des Grubmühler Feldes zwischen Gauting und Stockdorf. Jetzt reicht der Platz im Lagerschuppen nicht mehr aus, denn Groxi ist zur Zeit ziemlich produktiv. Mehr als hundert Bilder sind in den vergangenen Jahren entstanden. Einige lagern schon in Räumen in Schwabing und bei der Reismühle.

Die Bildsprache ist typisch, wiedererkennbar: bunt, plakativ, kräftig. Immer dominieren frontal abgebildete Figuren, immer sind dicke Punkte darauf, und manchmal sind Spuren der Kettensäge zu erkennen, die der 54-jährige Künstler gerne kreativ einsetzt. "Das ist das große Glück, das bei mir die unmöglichsten Farben immer irgendwie zusammenpassen", sagt er. Und so geht er eben beherzt ans Werk. Dazu seine unkonventionellen Titel: "Orangendenkerin" zum Beispiel, "Mandarinenwerfer" oder "Bananenhörer". Oder auch: "Käsige Heilige mit entblößten Brüsten"; diese Arbeit wurde inspiriert durch die Schilderung einer Vernissagebesucherin in einem Roman, erzählt Groxi einem Freund, der die für den Umzug bereitgestellte Auswahl begutachtet. Ein anderes Gemälde mit viel blau, schwarz und weiß sollte eigentlich "Junger Schönling mit Zigarette", heißen, doch es wurde ein Streifenhörnchen draus. Bei der Arbeit an seinen großformatigen, zum Teil mannshohen Bildern verlässt er sich vor allem auf seine Intuition: "Das Bild sagt mir, wann es fertig ist".

Für den Umzug von Gauting nach Geltendorf hat er einen Transporter ausgeliehen. Eine Gelegenheit, um auf dem Rückweg beim Baumarkt Materialnachschub zu besorgen: Dachlatten, aus denen weitere Bilderrahmen entstehen. Bei der Freiluftausstellung hat sich immerhin auch ein Käufer gefunden.