Gauting In zwei Jahren sollen die Mieter einziehen

Gautinger entscheiden sich mit Zweidrittelmehrheit für den Bau des neuen Zentrums am S-Bahnhof. Bürger dürfen noch einmal Einwände formulieren.

Von David Costanzo, Michael Berzl, Gauting

Als am Sonntag gegen 21.30 Uhr Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) persönlich auf der Rathaustreppe erscheint, um endlich das Ergebnis des Bürgerentscheids zu verkünden, bricht Jubel bei der Befürworter-Bürgerinitiative aus: Zweidrittelmehrheit für das neue Zentrum mit 60 Wohnungen, Supermarkt und Drogerie am S-Bahnhof. Am Morgen danach zeigt sich die Rathauschefin sachlich, keine Euphorie, nur so viel: "Sie sehen eine entspannte Bürgermeisterin."

Gemeinde und Investor wollen den Bau nun schnell ermöglichen. Bis zum Sommer will die Bürgermeisterin den Bebauungsplan im Gemeinderat beschließen lassen, ebenfalls noch vor der Sommerpause hofft das Unternehmen Sontowski, den Bauantrag für den Komplex einreichen zu können. Drei bis vier Monate können bis zur Genehmigung vergehen - und bis zum Spatenstich. Eineinhalb Jahre später könnten die Mieter einziehen. "Wir waren schon sehr weit mit den Planungen", sagte Johannes Pohl, Geschäftsführer des Bereichs Einzelhandel bei Sontowski. "Ab heute werden sie wieder aufgenommen."

Jubel, Dauerklatschen, "Zugabe"-Rufe: Die Unterstützer des neuen Zentrums am S-Bahnhof freuen sich über ihren Sieg beim Bürgerentscheid.

(Foto: Nila Thiel)

Zunächst will die Bürgermeisterin die Pläne noch einmal auslegen und den Gautingern die Möglichkeit für Einwendungen und Anregungen geben. Diese sollen zusammen mit den Rückmeldungen vom Dezember abgewogen und gegebenenfalls in die Planung aufgenommen werden. In der ersten Auslegung hätten Bürger etwa die Fassaden kritisiert, sagt Kössinger. Nun plane der Investor großflächig mit verschiebbaren Fensterläden aus Holz. Weitere Beispiele sind laut Sontowski die Begrünung des Areals, das Thema Verkehr, speziell mehr Fahrrad-Stellplätze, und ein besseres Nebeneinander mit der Schule. Veränderungen seien bis zum Baubeginn möglich, sagte Geschäftsführer Pohl. Wenn es um den Kern der Planung geht, dürfen sich Kritiker dennoch nicht allzu viel erhoffen. Beim Thema Geschäfte sagte Pohl etwa, das Unternehmen sei nach dem Bürgerentscheid verpflichtet, das Projekt wie geplant umzusetzen. Das Unternehmen könne ein Vorhaben nicht vorstellen und dann wieder ändern.

Angelika Siegmund von der Gegner-Initiative "Gauting aktiv" betont, dass großzügige, helle Arkaden im Erdgeschoss immer noch realisierbar wären. Immerhin hätten sich 3000 Gautinger im Bürgerbegehren für eine andere Form der Bebauung ausgesprochen. Die Gruppe werde intensiv verfolgen, ob der Investor seine Versprechen halte - etwa beim Mietpreis, die Sontowski im Schnitt mit 13,50 bis 15 Euro bezifferte.

Andreas Albath von der Befürworter-Initiative "Zukunft Gauting" war am Wahlabend völlig überwältigt vom überraschend deutlichen Ergebnis: "Das ist ein klares Signal, dass sich unser Ort weiterentwickeln muss." Es sei bemerkenswert, dass sich eine Mehrheit für eine Idee einsetze und nicht etwa dagegen. "Die Gautinger Krankheit ist damit vielleicht überwunden."

Klares Ergebnis

Wegen der vielen Briefwähler und einer Panne bei der Auszählung - laut Gemeinde waren zwei Stimmen zunächst falsch gezählt worden - lag das Ergebnis erst gegen 21.30 Uhr vor. Dem Ratsbegehren für den Bau stimmten 67,7 Prozent der Gautinger zu (5596 Ja-Stimmen, 2666 Nein, 301 ungültig). Das Bürgerbegehren gegen den Bau fiel durch. 39,1 Prozent der Stimmberechtigten forderten einen Planungsstopp (3007 Ja, 4687 Nein, 869 ungültig). Bei diesem zweiten Bürgerentscheid gab es wesentlich mehr ungültige Stimmen, weil laut Gemeinde viele Wähler nur bei der ersten Frage ein Kreuzchen setzten. Probleme gab es offenbar mit einzelnen Abstimmungsunterlagen: 62 Gautinger mussten diese erst beantragen - darunter auch Wähler, deren Ehepartner die Unterlagen geschickt bekommen hatten. Die Wahlbeteiligung lag bei 54 Prozent. dac

Möglichen Klagen gegen den Bebauungsplan sehen Bürgermeisterin und Investor gelassen entgegen. Rechtliche Schritte seien von "Gauting aktiv" im Vorfeld angedroht worden, sagte Kössinger. Die Gemeinde werde sich aber bemühen, handwerklich so sauber zu arbeiten, dass Klagen keine Aussicht auf Erfolg hätten.