Gauting Die andere Heimat

Will sein Leben weiterhin dem Film widmen: Der junge Gautinger Filmemacher Amos Ostermeier präsentiert am Freitag einem ausgewählten Publikum in Gauting sein neuestes Werk "Hart Beat".

(Foto: Georgine Treybal)

Der junge Filmemacher Amos Ostermeier beweist mit "Hart Beat", dass ein Blick auf Bayern auch ohne Alpenpanorama und Lederhosenflair funktioniert. Premiere ist am Freitag im Kino Breitwand in Gauting

Von Marcella Rau, Gauting

Dass Heimatfilm auch ganz ohne Alpenpanorama und Lederhosenflair funktioniert, beweist der junge Gautinger Filmemacher Amos Ostermeier in seinem neuesten Werk "Hart Beat", der diesen Freitag erstmals einem ausgewählten Publikum im Kino Breitwand in Gauting vorgestellt wird.

Die Idee für den Film, der das Leben einer Gruppe von Jugendlichen nachzeichnet, die in der Tristesse eines nicht näher bestimmten Münchner Wohnorts aufwachsen, kam ihm das erste Mal, nachdem er den Film "Einer von uns" des österreichischen Regisseurs Stephan Richter gesehen habe, dessen Handlung an einem ganz ähnlichen Schauplatz spielt. Zunächst verwarf Ostermeier seine Idee jedoch wieder - bis er ein halbes Jahr später auf den Filmwettbewerb "Bauchkino und Kopfgefühl" des Bayerischen Jugendrings stieß, für den sie wie gemacht schien: Junge Menschen wurden dazu aufgerufen, ihre Filmideen zum Thema "Heimat" einzureichen. Die besten, darunter auch die des Gautingers, erhielten eine finanzielle Förderung, damit sie tatsächlich auch auf Film gebannt werden konnten. Die fertigen Werke werden im November in einer gesonderten Kategorie auf dem "Jufinale", dem bayerischen Kinder- und Jugendfestival in Marktredwitz gezeigt. Dort ist "Hart Beat" dann auch erstmals für ein größeres Publikum zu sehen.

Seine ersten Erfahrungen hinter der Kamera sammelte Ostermeier bereits in der zweiten Klasse. Was damals, wie er selbst feststellt, noch etwas dilettantisch begann, wurde mit der Zeit immer professioneller. Dieses Jahr konnte sich Ostermeier dann sogar mit seinem Kurzfilm "Happy Hour" für das Festival "Zeitimpuls" in Wien qualifizieren. Da hatte sich natürlich einiges an Equipment angesammelt. Was noch fehlte, konnte er sich größtenteils von Freunden oder Bekannten leihen. Doch viel Technik war für sein neuestes Werk auch gar nicht nötig. Mit einer einzigen Ausnahme wurden alle Szenen des Films mit der Schulterkamera gedreht.

Ganz am Anfang, gibt Ostermeier zu, war der Film eher so eine "Klischeekiste". Doch je weiter er ausreifte, um so differenzierter wurde auch sein Blick auf die Protagonisten. Vor allem bei Luca, der Hauptperson des Films, wird der Zwiespalt deutlich: Luca wächst mit seinem Vater auf, einem Alkoholiker. Die Mutter hat sie schon lange verlassen. Gewalt ist an der Tagesordnung. Luca und seine Freunde wollen weg, sehnen sich nach einem anderen Leben. Doch ihre graue Welt hält sie gefangen. Nicht nur ihre soziale Lage, auch sie selbst stehen sich im Weg. Frust und Zorn bringt die Jugendlichen dazu, sich dem älteren Max anzuschließen. Sie brechen in Häuser ein, schlagen alles kurz und klein. Es geht dabei um Geld, aber noch viel mehr um ihre Wut auf die Welt. Luca schlägt nicht weniger hart zu als die anderen. Doch wenn er alleine ist machen sich Zweifel breit. Es war Ostermeier wichtig, keine Partei zu ergreifen. Denn auch das Böse hat ein Gesicht - eine Geschichte, die es sich loht zu zeigen.

Ostermeier, der im vergangenen Jahr sein Abitur gemacht hat, will sein Leben weiterhin dem Film widmen, das steht für ihn fest. Derzeit hofft er allerdings noch darauf, im nächsten Jahr einen der wenigen Plätze an der Filmhochschule München zu bekommen.