Fischer auf dem Starnberger See 100 Fische müssen es sein pro Fang

Noch heute kann sich Müller genau an den Tag erinnern. Es war der 5. März 1969. An diesem Tag war sein Schwager auf dem Starnberger See alleine mit seinem Fischerboot unterwegs. Sein Netz muss sich wohl in der Schraube des Außenbordmotors verfangen haben. Sein Schwager habe wohl den Motor nach oben aus dem Wasser geklappt, um das verhedderte Netz zu lösen.

64 Fische - so ist die Ausbeute an diesem Tag. Zum Leben reicht das nicht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Als er sich über den Motor lehnte, sei dieser wieder nach unten geklappt. Dadurch sei sein Schwager ins Wasser gerutscht. So hat die Familie den Hergang des Unfalls rekonstruiert. "Das Wasser hatte um die null Grad", sagt Müller, "mein Schwager hatte keine Chance wieder ins Boot zu kommen.

Für den Fischer Müller ist der Starnberger See ein eigener Kosmos, der ihn immer wieder überrascht. Nie könne man sich sicher sein, wie hoch der Fang ausfalle. Denn die Fische zögen immer wieder an andere Stellen im See. Manchmal fange man 14 Tage lang sehr viele Fische. Doch wenn man meine, jetzt habe man den Bogen raus, fange man drei Wochen lang nur noch die Hälfte wie die Kollegen am See. "Da lernt man Demut", sagt Müller. Am heutigen Vormittag kommen die Fischer schließlich mit 63 Renken und einem Hecht wieder nach Hause. Eine eher magere Ausbeute; 100 Fische müssten es schon sein für einen guten Fang, sagt Huber.

Um die verschiedenen Fischarten zu erhalten, hat der Freistaat für jede von ihnen eine gesetzliche Schonzeit festgelegt, während der sie nicht gefangen werden dürfen. "Die Schonzeit ist eine Art Mutterschutz in den letzten Wochen vor der Laichablage", sagt Huber. Die gesetzliche Schonzeit für Renken beginnt am 15. Oktober und endet Ende Dezember; die Genossenschaft hat die Schonzeiten für den Starnberger See darüber hinaus verlängert.

Für Renken dauert sie laut Müller von Ende September bis Anfang Januar, für Hechte von Mitte Februar bis Mitte April. Jetzt, Ende Januar, fischen die beiden im Uferbereich nach Renken. "Im Winter nach der Laichzeit halten sie sich dort immer am Boden auf", sagt Müller. Hechte zögen sich jetzt eher in tiefere Gewässer zurück.

Vom Fischfang allein könnte die Familie nicht leben. Die Landwirtschaft mit Kühen hat sie zwar inzwischen aufgegeben. Heute vermietet die Familie in ihrem Hof an der Buchscharner Straße Zimmer und Ferienwohnungen. Außerdem betreibt sie einen Campingplatz. Deshalb begleitet Huber ihren Vater auch nur im Winter auf den See. Im Sommer habe sie einfach keine Zeit zum Fischen, sagt sie.

Außerdem ist Huber Gemeinderätin und Vorsitzende des Münsinger Fremdenverkehrsvereins. Die zweifache Mutter hofft darauf, dass ihre Kinder die Fischertradition fortführen. Ihr Sohn studiere zwar, wolle sich aber gerne auch zum Fischer ausbilden lassen, sagt sie. "Es wäre schön, wenn die Tradition nicht abbräche."