Feuersbrunst in Manthal "Wir sind am Leben, das ist das Wichtigste"

Der Handwerkerhof nach dem Feuer.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Wirtefamilie Götte schläft fest, als der benachbarte Handwerkerhof schon lichterloh brennt. Feuerwehrkommandant Christian Ebert rettet sie, zwei Angestellte und den Hund.

Von Christine Setzwein, Berg

Vom Handwerkerhof im Berger Ortsteil Manthal ragen am Montag nur noch schwarze Stümpfe in die Luft, die immer noch unangenehm nach Rauch riechen. In der Nacht auf Pfingstsonntag hat dort ein Feuer gewütet und einen Millionenschaden angerichtet. Menschenleben kamen nicht zu Schaden, aber sechs Bewohner sind nun obdachlos. Die Brandursache ist noch unklar. An diesem Dienstag fängt die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck mit den Ermittlungen an.

So zerstörte das Feuer den Handwerkerhof

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Ein Rauchmelder und das schnelle Eingreifen der Feuerwehr haben 13 Menschen und einem Hund das Leben gerettet. Das Feuer war wohl in dem ehemaligen Sägewerk ausgebrochen und hatte sich rasch auf Nebengebäude und ein Wohnhaus ausgebreitet. Der Rauchmelder hatte um 2.45 Uhr angeschlagen und einen Bewohner geweckt, der neben seiner Werkstatt schlief. Zu der Zeit stand im Erdgeschoß des Gebäudes bereits dichter Rauch. Der Mann konnte sich nur durch einen Sprung aus dem ersten Stock ins Freie retten. Auch eine Familie mit zwei kleinen Kindern und ein Paar konnten sich in Sicherheit bringen. Nachbarn alarmierten die Feuerwehr.

Dem beherzten Einsatz des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Kempfenhausen, Christian Ebert, verdankt die Familie Götte ihr Leben. Die Pächter des Ausflugslokals "Manthaler", Reto und Susi Götte und ihre Kinder Nicola, 14, Gianreto, 12, und Ursi, 10, sowie eine Freundin schliefen tief und fest über der Gaststätte, als das Nachbargebäude bereits in Flammen stand. Um 2.55 Uhr stand Ebert in der Wohnung der Göttes und rief: "Reto, steh auf!" und weckte die Kinder, erzählt der Wirt. Er und seine Frau waren aus am Samstagabend, erst um 1.15 Uhr wieder zu Hause und gleich ins Bett gegangen. Einen Tag nach dem Inferno sind sie alle schon wieder am Arbeiten. Ausflügler sitzen im Biergarten und können das Ausmaß des Brandschadens kaum fassen. Reto Götte steht in der Küche, paniert und brät Schnitzel, richtet Wurstsalat an, schneidet Brot. Ehefrau Susi schenkt Bier und Prosecco in Gläser, die drei Kinder sind wohlauf. "Wir sind am Leben, das ist das Wichtigste", sagt der Wirt. "Wenn uns Christian nicht geweckt hätte, wären wir erstickt", sagt der Sohn. Wer weiß, was passiert wäre, wenn nicht vor einigen Jahren eine Brandschutzwand zum Nachbargebäude eingebaut worden wäre. Völlig ausgebrannt ist der Schützenstand im Obergeschoß des Wirtshauses. Bald will Götte die Einsatzkräfte zum Weißwurstessen einladen.

Kommandant Christian Ebert war als erster am Brandort. Mehrere Gebäude brannten da bereits lichterloh. Ebert wusste, was zu tun war: Menschenleben geht vor Gebäudeschutz. Er übergab die Einsatzleitung kurz an den Starnberger Kommandanten, der als zweiter eintraf, schnappte sich den Schlüssel zur Wohnung der Göttes - "wir sind befreundet, ich weiß, wo der liegt -, und ging ins Haus. "Es war schon sehr warm", sagte er am Montag zur SZ. Die Familie und die zwei Angestellten im Dachgeschoss lagen im Tiefschlaf. Der 27-jährige Kommandant schaffte sie alle so schnell wie möglich aus dem Haus. Und rettet ihnen und dem Hund im Erdgeschoß das Leben. Kurz kam Panik auf, erzählt er. Weil er das Haus auf der anderen Seite verlassen hatte, fürchteten die Göttes um sein Leben.

Der Starnberger Kreisbrandrat Peter Bauch konnte sich das Ausmaß der Katastrophe bereits bei der Anfahrt vorstellen. Er kam aus Krailling nach Manthal, "ich sah den riesigen Feuerschein schon von Leutstetten aus". Die Hitzeentwicklung rund um den Großbrand war massiv. An Wohnwagen auf der anderen Straßenseite schmolzen die Kunststofffenster wie auch die Straßenlampen und ein Blaulicht an einem Feuerwehrauto. Im Handwerkerhof waren Lkw, Gabelstapler und Oldtimer untergestellt. Sie fingen allein schon wegen der großen Hitze Feuer, sagt Ebert. Im Handwerkerhof befand sich ein 3000-Liter-Öltank. Er platzte. 30 Gasflaschen mussten aus dem Gebäude gebracht werden. Sie werden immer noch gekühlt. Da war das gelagerte Feuerwerk, das plötzlich losging, das kleinere Übel. Weil das Löschwasser mitsamt den Schmiermitteln in den Lüßbach abgeleitet wurde, "haben wir das Wasserwirtschaftsamt dazugeholt", sagte Kreisbrandrat Bauch am Montag. Die Behörde habe den Eintrag als unbedenklich eingestuft. Trotzdem richtete die Feuerwehr an der Einmündung des Lüßbachs in den Starnberger See eine Ölsperre ein.

Insgesamt waren 200 Einsatzkräfte damit beschäftigt, den Brand unter Kontrolle zu bringen und zu löschen. Sie konnten ein Übergreifen der Flammen auf die Gaststätte verhindern, da waren die direkt angrenzenden Gebäude schon verloren. Bis in die Nachmittagsstunden des Pfingstsonntags dauerte der Einsatz der Feuerwehren aus Kempfenhausen, Berg, Percha, Starnberg, Wangen, Bachhausen, Pöcking, Söcking, Traubing, Stockdorf, Krailling, Gilching, Unterbrunn und Neufahrn. Mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) Starnberg und Weilheim mussten Teile des Gebäudes eingerissen werden, um an die verborgenen Glutnester zu gelangen. Rettungswagen und Kriseninterventionsteam des Bayerischen Roten Kreuzes waren ebenfalls vor Ort. Die Feuerwehren Kempfenhausen und Allmannshausen teilten sich die Brandsicherheitswache bis Mitternacht. Von 6 bis 10 Uhr am Pfingstmontag konnten die letzten Glutnester gelöscht werden. Für Kommandant Ebert war der Einsatz "ein Musterbeispiel der Zusammenarbeit".

Auch der Berger Bürgermeister Rupert Monn war an den Feiertagen auf den Beinen. Er musste sich schnell um die Obdachlosen kümmern. Die Familie mit den zwei kleinen Kindern, die nichts mehr haben, kam in einem Ein-Zimmer-Appartement im Bauhof notdürftig unter. Geschirr und Besteck wurden zusammen gesucht, das BRK beschaffte kurzfristig Kleidung. Das Ehepaar, das ebenfalls alles verloren hat, fand bei Nachbarn Unterschlupf. "Das Wichtigste ist, dass wir keine Menschenleben zu beklagen haben", sagt Monn. Die Gemeinde unterstützt die Obdachlosen mit Geld. Bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg wurde ein Spendenkonto eingerichtet (DE08 7025 0150 0430 9030 05, Kennwort Brandschutzgeschädigte Manthal).

Für Kommandant Ebert, der wegen des starken Rauchs immer noch hustet, war dieser Einsatz der bisher größte. Die Arbeit ist noch nicht beendet. Es muss aufgeräumt und alles dokumentiert werden. Die Brandstelle ist polizeilich abgesperrt. An diesem Dienstag nehmen die Brandermittler der Kripo Fürstenfeldbruck ihre Arbeit auf.