Dießen "Der Künstler hat viel davon"

Die Dießener Malerin Annunciata Foresti über dievon ihr betreuten Kreiskulturtage Landsberg

Von Gerhard Summer, Dießen

Landsberg übt sich in der Kunst der Vernetzung: Der Starnberger Nachbarlandkreis richtet im Frühsommer 2017 seine ersten Kreiskulturtage unter dem Motto "Schnittstelle Heimat" aus. Schirmherr ist Landrat Thomas Eichinger, die künstlerische Leitung hat eine Dießenerin: Die Malerin Annunciata Foresti, 63, die unter anderem die Dießener Ateliertage und die Ausstellungsreihe "Das kleine Format" initiierte, übernahm die Aufgabe ehrenamtlich. Die SZ sprach mit ihr über die Ziele des Festivals.

SZ: Sie haben sich als Landsberger GAL-Kreisrätin schon länger für Kreiskulturtage eingesetzt?

Annunciata Foresti: Ich habe die Idee vor eineinhalb Jahren im Kulturbeirat des Landkreises eingebracht.

Warum hat das so lange gedauert?

Weil Prozesse immer so lange dauern, wenn es um Kultur und Geldausgeben geht. Kultur ist oft das, was hinten runterfällt, denn der Landkreis hat so viele Verantwortlichkeiten, angefangen vom Straßenbau und der Unterbringung von Flüchtlingen bis hin zur Instandsetzung von Schulen. Außerdem ziehen sich politische Entscheidungsprozesse schon deshalb in die Länge, weil mehrere Gremien daran beteiligt sind. Aber wenn jemand hartnäckig an der Sache bleibt, kann Kulturförderung trotzdem gelingen.

Die Kulturtage sollen im Zwei-Jahres-Turnus über die Bühne gehen?

Ja, und sie sollen jeweils zwei Wochen lang dauern und über drei Wochenenden gehen.

Wen sprechen Sie an?

Wir wenden uns an Schulen, Vereine, Künstlergruppen, einzelne Künstler, Theatergruppen, Kultur- und Brauchtumsvereine, Film- und Videokünstler, natürlich an bildende Künstler, an Tanzgruppen und Musiker. Künstler verschiedener Genres können sich zusammentun und etwas entwickeln. Und vorstellbar sind natürlich auch Parallelveranstaltungen im ganzen Landkreis, ob für Kinder, Senioren, Jugendliche oder Bürger mit Handicaps.

Die europäische Antwort auf den argentinischen Tango: "Quadro Nuevo" soll bei den Landsberger Kreiskulturtagen im nächsten Jahr auftreten.

(Foto: Georgine Treybal)

Sie wollen sich nicht internationalen Glanz in den Landkreis holen, sondern die Kultur aus Landsberg soll im Mittelpunkt stehen?

Es soll ein bisschen gemixt werden. In Hurlach beispielsweise, dem nördlichsten Ort unseres Landkreises, soll das Jazz- und Weltmusik-Quartett Quadro Nuevo spielen. Voraussichtlich in Dießen wird es einen Workshop in Zusammenarbeit mit dem Popularbeauftragten des Bezirks geben, es geht dabei um Jugendliche, die bereits in Bands spielen oder Anschluss an Gruppen suchen.

Was ist ein Popularbeauftragter?

Das wusste ich vorher auch nicht, in dem Fall ist das ein Jazzer, der Mathias Fischer heißt. Er hat diese Stelle inne und ist ausschließlich zur Vernetzung da. Er hat ein Kontingent an Fördergeldern, die er verteilen kann. Ich habe ihn gefragt, was wir zusammen machen können, und wir sind auf die Idee mit dem Workshop gekommen, der vom Bezirk Oberbayern finanziert wird. Und mit dabei sind Michi Acher von der Weilheimer Kultband Notwist und der Saxofonist Michael Lutzeier aus Dießen. Es soll auch ein Abschlusskonzert geben.

Die Grundidee der Kulturtage ist, dass der Landkreis lediglich als eine Art Dachorganisation fungiert und die Künstler selber ihre Auftritte organisieren müssen.

Ja, sie müssen sich selber kümmern, ich kann aber mithelfen, Ideen geben, ich kann vernetzen und Ausstellungsorte vermitteln, das ist meine liebste Arbeit. Und ein paar Sachen können wir mitfinanzieren.

Was wäre das?

Zum Beispiel das Quadro-Nuevo-Konzert.

Welchen Vorteil habe ich als Künstler, Musiker oder Tänzer von den Kulturtagen, wenn ich mich wie sonst auch um vieles selber kümmern muss?

Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Aber der Künstler hat viel davon, wir nehmen ihm nämlich die Öffentlichkeitsarbeit ab, wir erstellen ansprechende Prospekte, lassen Plakate drucken und machen sehr viel Werbung in den Zeitungen, damit die Besucher kommen. Das ist die Leistung, die wir erbringen. Freilich: Wenn eine Musikgruppe auftritt, kann sie Eintrittsgelder verlangen, ein bildender Künstler verlangt in aller Regel keinen Eintritt. Das ist der Punkt, der mir etwas leid tut. Aber das generelle Problem ist: Unser Etat für die Kulturtage ist begrenzt, sodass wir keine Projektgelder zur Verfügung haben. Es steht aber jedem frei, sich an die örtlichen Banken und sonstige Sponsoren zu wenden.

Das Motto der Kulturtage lautet "Schnittstelle Heimat", was genau ist darunter zu verstehen?

Das ist ein sehr weiter Begriff, den haben wir bewusst so gewählt, die Thematik spricht sicherlich sehr viele Menschen an. Da stellen sich Fragen wie: Wo ist meine Heimat verortet und gibt es eine innere und äußere Heimat? Ist Heimat an einen Ort gebunden? Wo ist der Schnittpunkt meiner Heimat und Lebensart mit den Schnittpunkten anderer Mitmenschen? Was macht das mit mir? Der Grundgedanke hinter all dem ist der Versuch, den Landkreis kulturell stärker zu vernetzen. Es lohnt sich für einen Dießener auch mal, nach Hurlach zu fahren, wo er vielleicht normalerweise nicht hinkommen würde, eben weil dort eine tolle Gruppe spielt, nämlich Quadro Nuevo.

Lerne deinen Landkreis kennen?

Ja.

Gibt es ein Vorbild für das Landsberger Festival?

Ja, in Fürstenfeldbruck machen sie das jetzt schon ziemlich lange, da habe ich das überhaupt erlebt - und die Idee dann nach Landsberg gebracht. Da funktioniert das sehr gut.

Was alles ist am Westufer des Ammersees vorgesehen?

Das kann ich noch nicht sagen, wir sind mit dem Programm leider noch nicht ganz so weit. Mein Konzept ist, dass wir zusammen mit Gemeinden oder Kulturvereinen an den Samstagen drei Veranstaltungen als eine Art Rückgrat auf die Beine stellen: den Auftakt mit der Verleihung des Kunstpreises 2017 für bildende Künstler samt Live-Musik und Performance, den Abend mit Quadro Nuevo und vermutlich einen Vortrag in Schondorf. Wir nehmen auch externe Großveranstaltungen mit ins Programmheft auf: zum Beispiel die Europatage für Musik in Landsberg und die Carmina-Burana-Aufführung zur Neuauflage der Carl-Orff-Tage.

Wie viele Einzelveranstaltungen wird es geben?

Ich rechne mit 30. Und jetzt warte ich auf den Wildwuchs, also all die Künstlergruppen, die sich etwas einfallen lassen könnten. Anmeldeschluss ist der 30. Oktober.

Interessierte können sich auf der Homepage landkreis-landsberg.de für die Kulturtage vom 24. Juni bis zum 9. Juli 2017 anmelden.