SZ-Schulratgeber Von Langeweile keine Spur

Ein Experiment der besonderen Art: Eine Gruppe von Zehntklässlern testet die Flugeigenschaften ihrer selbst konstruierten Raketen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Am Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting werden seit zwölf Jahren Hochbegabte unterrichtet. Die Schüler lernen schneller und sind ehrgeiziger als ihre Mitschüler. Nur das Interesse der Mädchen an der Förderklasse könnte größer sein.

Von Blanche Mamer

Für die Kinder der 5b am Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting (OvTG) gilt, dass sie schneller lernen, wissbegieriger sind, ehrgeiziger und oft jünger als die Mitschüler in den Parallelklassen. Die b-Klasse ist die Förderklasse für Hochbegabte und auf Anhieb nicht von den Parallelklassen zu unterscheiden. "Das schlimmste im Unterricht ist Langeweile. Das betrifft nicht nur die Schüler, die überfordert sind vom Lernstoff, sondern vor allem auch jene, die unterfordert sind. Darum machen wir in den Förderklassen mehr Angebote, stellen höhere Anforderungen und erwarten mehr", sagt Direktorin Sylke Wischnevsky beim Informationsabend für die Eltern.

Als die Schule vor zwölf Jahren eine Förderklasse für Hochbegabte einrichtete, war das ein absolutes Novum in der Region. Mit dem Projekt wurde auch ein Anliegen von Eltern umgesetzt, die eine bessere Förderung der Kinder mit einem höheren Intelligenzquotienten wünschten. Das OvTG war die dritte Schule in Bayern, die die Möglichkeit bot, schon nach acht Jahren zum Abitur zu gelangen. Das war kurz bevor generell das achtstufige Gymnasium eingeführt wurde.

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Doch die Hochbegabtenklassen - von der Fünften bis zur Zehnten - sind immer noch ein Alleinstellungsmerkmal des Gautinger Gymnasiums. Und überaus erfolgreich, wie die Direktorin betont. "Nicht nur die Eltern und die Lehrer sind zufrieden, auch die Schüler mögen das intensivere und individuellere Lernen", sagt sie. Und die übrigen Klassen profitieren von den Erfahrungen, die in den b-Klassen gemacht werden. Nicht nur das schnellere Erarbeiten und die vertiefte Behandlung des Stoffes sind wichtig, gefördert werden auch soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, Charakterbildung und kreative Entfaltung.

"Ich bin hier sehr zufrieden. Ich bin keine Außenseiterin, sondern alle sind so wie ich", sagt Sophie aus der 5b. Und Doris findet den Unterricht viel spannender und interessanter, als sie erwartet hatte. In den Förderklassen müsse weniger geübt und weniger wiederholt werden. Trotzdem müssen Vokabeln gelernt und Hausaufgaben gemacht werden, wie Eltern beim Informationsabend nachfragten.

Die Schüler brauchen jedoch keine Intensivierungsstunden, sie bekommen in dieser Zeit "Plus-Kurse" - in der Fünften insgesamt drei - und musische oder sportliche Zusatzstunden. Sie nehmen an Wettbewerben teil und an Forscherwochen. Erste Fremdsprache ist Latein, zweite Englisch (in der Sechsten), allerdings gibt die Schulleiterin selbst eine Stunde Englisch in der Fünften, als Brückenunterricht, um das in der Grundschule erreichte Niveau zu halten. In der siebten Klasse ist eine schriftliche Jahresarbeit vorgeschrieben, in eigenen Unterrichtsstunden wird in das wissenschaftliche Arbeiten eingeführt, ebenso in den Umgang mit digitalen Medien. Von Anfang an lernen die Schüler ihre Arbeiten zu präsentieren.

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Von der achten Klasse an werden der sprachliche und der naturwissenschaftlich-technologische Zweig unterrichtet. Beim Doppelzweig kann Französisch im Plusprogramm gewählt werden. Schulspiel, Musik, Bläserklasse, Chor, Orchester , Robotik oder auch Chinesisch können als Wahlkurse hinzugenommen werden. Sie sind die Verbindung zu den Schülern der Parallelklassen und werden oft die nächsten Jahre beibehalten.

"Das Leistungsniveau ist hoch", sagt Projektleiter Hans-Joachim Stumpf. Er sieht nur ein Problem, nämlich die Geschlechterverteilung. Denn entgegen der Statistik sind weniger Mädchen an der Förderklasse interessiert. Ideal wäre, dass sich Mädchen und Buben die Waage halten. Die Schüler nehmen oft lange Schulwege in Kauf, auch wenn viele aus dem Würmtal und dem Fünfseenland kommen, gab es doch auch schon Jugendliche, die aus Augsburg oder Benediktbeuren nach Gauting pendelten. "Wenn der Schulweg zu weit ist, raten wir schon mal ab", sagt Wischnevsky.

Wie die sieben weiteren bayerischen Gymnasien, die mittlerweile einen speziellen Zweig für Hochbegabte eingerichtet haben, wird Gauting in den kommenden zwei Jahren zum "Kompetenzzentrum" ausgebaut, mit dem Ziel, anderen Schulen zu helfen, begabte Kinder besser zu fördern.

Nur selten habe sich die Schule bisher bei der Einschätzung eines Hochbegabten geirrt, sagt die Schulleiterin und betont, dass der Wille und die Motivation des Kindes wichtige Kriterien seien. Denn das Aufnahmeverfahren ist vielschichtig. So werden neben der Notenübersicht und dem letzten Zwischenzeugnis eine Beurteilung der Grundschullehrerin benötigt, ein IQ-Test und ein Gutachten des Schulpsychologen, das nicht älter als ein Jahr sein darf. Das Gymnasium lässt die Schüler erneut testen, der diesjährige Termin ist der 18. März. Es folgen zwei Aufnahmetage am 24. und 25. März. Aufgenommen werden höchstens 23 Schüler.