Denksport Schachclub setzt auf Angriff

Zug um Zug will der Starnberger Schachclub nun seine Jugendarbeit neu aufbauen.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Starnberger Verein verstärkt sich mit Spielern aus Tutzing und bietet Unterricht an

Von Otto Fritscher, Starnberg

Langjährige Mitglieder des Starnberger Schachclubs bemühen sich um junge Verstärkung. Schachspieler, die sich von Jugendzeiten her kennen, die dann aber ihren Fokus auf Familie und Beruf legten. Doch nun, da der 1920 gegründete Club ausgerechnet in den Jahren vor seinem hundertsten Gründungsjubiläum einzuschlafen drohte, gibt es frischen Schwung unter der Führung des Vorsitzenden Fritz Absmaier und des neuen Spielleiters Martin Fuchs. Auch andere langjährige Mitglieder wurden reaktiviert, und gut ein Dutzend neue Mitglieder kam aus dem Tutzinger Schachclub "Schachfreunde Starnberger See", der sich mangels Masse aufgelöst hat. Spieler, die zumeist früher schon in Starnberg gemeldet waren und es nun ermöglichen, in der neuen Saison mit fünf Mannschaften in verschiedenen Ligen an den Start zu gehen. 80 Mitglieder zählt der Verein aktuell.

Bei einer Vortragsveranstaltung des Großmeisters Helmut Pfleger im Spiellokal des Clubs, dem Personalcasino im Keller des Kreisklinikums, hat sich außerdem ein Kontakt ergeben, der dem Club vielleicht wieder zu einer Jugendabteilung verhelfen könnte. Anita Stangl ist Geschäftsführerin der Firma MedienLB in Starnberg, die sich auf di Herstellung von Lehr- und Bildungsfilmen und Unterrichtsmedien spezialisiert hat. Seit dem Sommer gehört auch eine Lernakademie dazu, in der Schüler Nachhilfe bekommen können oder bei den Hausaufgaben betreut werden. Zugleich ist Anita Stangl eine begeisterte Schachspielerin, sie war deutsche Meisterin im Schnellschach, ihr Geschäftspartner Markus Stangl ist ebenfalls ein Schachcrack, ein GM, wie Schachspieler sagen, ein Großmeister also, der in einem Münchner Verein spielt.

Was lag da näher, als Geschäft und Hobby zu verbinden? Mit einem Aushang wurde für Schachkurse in der Lernakademie geworben, für das "Bauerndiplom", bei dem die grundlegenden Regeln vermittelt werden, und für das darauf aufbauende Turmdiplom, bei dem es schon Fesselungen und andere Spielzüge geht. Jeweils fünf, sechs Teilnehmer waren es; als Dozenten standen Gerhard Strecker, Robert Gödel und Rüdiger von Saldern bereit. "Allein die Räume in der Lernakademie sind fürs Schachspielen ideal", freut sich Clubchef Fritz Absmeier. Es gibt weitere Anfragen, so dass gerade ein Schachkurs in den Herbstferien geplant wird. "Das könnte der Anfang zu einer Jugendabteilung ist Schachclub sein", hofft Absmaier, aber es werden noch Jugendtrainer gesucht. Wie die meisten Schachclubs in der Region, leidet auch der Starnberger Verein an einer gewissen Überalterung. Viele Junge spielen lieber über das Internet. Auf bestimmten Plattformen kann man dort zu jeder Tages- und Nachtzeit gegen Gegner aus aller Welt antreten.

"Das Schach, bei dem man einem Gegner am Brett gegenübersitzt, ist aber durch nichts zu ersetzen", sagt Absmaier. Vor allem dann nicht, wenn es noch mit einer entspannten Atmosphäre einhergeht wie beim Biergartenturnier, das der Club im Biergarten des Maisinger Seehofs über den Sommer ausgetragen hat. In diese Richtung will die neue Führungsmannschaft weiter nachdenken.

Im Club gibt es übrigens einen veritablen Europameister: Klaus Gschwendtner nahm in Baden-Baden an einem Spezialturnier teil, bei dem an einem Tag Tennis und anderen Schach gespielt wird. Beide Disziplinen beherrscht Gschwendtner exzellent; er gehört zu den Spitzenspielern des Clubs - und ist Tennistrainer in Gauting.

Als nächstes Turnier steht die Stadtmeisterschaft im Schach an, an der sich jeder beteiligen kann, nicht nur Mitglieder. Weitere Informationen gibt es auf der Internet-Seite des Clubs (www.sc-starnberg.de). Die erste Runde findet am Freitag, 22. September, statt. Im Oktober beginnen die Punktspiele, zu denen der Club nun fünf Mannschaften und zusätzlich zwei Seniorenmannschaft mit Spielern über 60 schickt. "Es rührt sich wieder was im Club", freut sich Absmeier.

Drei Schachvereine gibt es derzeit im Landkreis Starnberg: den Gautinger Schachclub, die Schachfreunde Ammersee, die in Inning spielen und eben der Starnberger Club.