Bürgerentscheid Riesiger Jubel: Gauting sagt Ja zum neuen Zentrum mit 60 Wohnungen

Endlich ist das Ergebnis da: Die Befürworter des Neubaus brechen in riesigen Jubel aus.

(Foto: Nila Thiel)

Monatelang haben Initiativen und Gemeinde erbittert über das Projekt an der Bahnhofstraße gestritten. Der Bürgerentscheid bringt ein klares Ergebnis.

Von Michael Berzl und David Costanzo

Gauting bekommt ein modernes Zentrum - mit drei fünfstöckigen Gebäuden, Supermarkt, Drogerie und Arztpraxen direkt am S-Bahnhof. Im Bürgerentscheid stimmten 67,7 Prozent der Wahlberechtigten für das Projekt des Investors Sontowski, das Ratsbegehren für den Bau bekam 5597 Ja-Stimmen. 2666 Bürger stimmten hier mit Nein.

Das parallele Bürgerbegehren gegen den Bau lehnte eine Mehrheit der Gautinger ab. Für den Planungsstopp votierten nur 3007 Wahlberechtigte, das entspricht einem Anteil von 39,1 Prozent. Gegen den Stopp stimmten 4687 Bürger. Die Wahlbeteiligung lag bei 54 Prozent.

Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) ist erleichtert, dass die Planung der Gemeinde bestätigt wurde: "Für eine große Mehrheit wurde der Wunsch, beziehungsweise der Bedarf der Gautinger richtig erkannt." Sie kündigte an, dass die Pläne noch einmal ausgelegt werden - "mit der Möglichkeit der konstruktiven Beteiligung" der Bürger. Dann soll der Bebauungsplan endlich abgesegnet werden.

Mehrere Monate Verzögerung

Spatenstich soll dann im September sein. Der Investor plant ein durchgehendes Erdgeschoss mit Edeka, dm-Drogerie und weiteren Läden entlang der Bahnhofstraße, darauf drei aufragende Häuser mit jeweils weiteren vier Geschossen, in denen 60 Wohnungen mit ein bis drei Zimmern sowie Büros und Arztpraxen untergebracht sind.

Sontowski betont, dass die Mieten im ortsüblichen Bereich liegen sollen - im Schnitt bei etwa 13,50 bis 15 Euro pro Quadratmeter. Der Bau soll im Frühjahr 2020 fertiggestellt sein. Der Bürgerentscheid verzögerte das Projekt um sechs bis acht Monate.

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Der Bürgerinitiative "Gauting aktiv" ist der Komplex zu groß, zu massiv und zu städtisch, sie nennt die geplanten Gebäude schlicht "Baukolosse". Die Gruppe initiierte das Bürgerbegehren gegen den Bau und sammelte innerhalb weniger Wochen 2700 Unterschriften für den Entscheid.

Weil die Mehrheit im Gemeinderat dem ein Ratsbegehren für den Bau entgegengesetzte, waren die Gautinger zu zwei parallelen Bürgerentscheiden aufgerufen. Um für das Projekt zu werben, formierte sich die Initiative "Zukunft Gauting". Eigentlich rechnete die Gemeindeverwaltung mit einem Endergebnis am Sonntagabend gegen 20 Uhr. Weil jedoch vier von fünf Wählern per Briefwahl abstimmten, verzögerte sich die Auszählung bis gegen 21.30 Uhr.

Ein richtiger Wahlkampf

"Mit dem Ergebnis können wir sehr zufrieden sein. Das ist ein guter Tag für Gauting", sagte der CSU-Ortsvorsitzende Stephan Ebner in einer ersten Stellungnahme. "Das zeigt, dass sich die Leute nicht haben wahnsinnig machen lassen."

"Die hohe Beteiligung macht deutlich, wie groß das Interesse an dem Neubau ist", sagte Angelika Siegmund, die Initiatorin der Gegen-Initiative "Gauting aktiv". Sie hofft nun, dass die Botschaft angekommen ist, dass viele Bürger anders und besser in Entscheidungsprozesse eingebunden werden wollen, "damit wir in Zukunft so eine Situation nicht mehr haben".

Vorausgegangen waren dem Bürgerentscheid zunehmend hitzige Auseinandersetzungen. Bei einer ganzen Reihe von öffentlichen Veranstaltungen konnten sich die Gautinger die Argumente der beiden Lager anhören. Mitglieder der Geschäftsführung der Baufirma Sontowski haben bei etlichen Informationsnachmittagen ihre Entwürfe erläutert. Die Kritiker von "Gauting aktiv" sowie die Befürworter von "Zukunft Gauting" haben einen veritablen Wahlkapmf betrieben. Bei einer Podiumsdiskussion der Starnberger SZ kam es vor mehr als 150 Zuhörern erstmals zu einer direkten Konfrontation der beiden Lager.

Bei einer Pressekonferenz diesen Montag will Bürgermeisterin Kössinger zusammen mit Vertretern der Baufirma Sontowski über das weitere Vorgehen informieren. Am Nachmittag kommt in einer öffentlichen Sitzung im kleinen Sitzungssaal im Rathaus die Wahlkommission zusammen, um das offizielle Abstimmungsergebnis festzustellen.

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