Zum Gedenken an König Ludwig II. Der doppelte Ludwig

Bei den Feierlichkeiten in Berg am Starnberger See zum 132. Todestag des Märchenkönigs tauchen überraschend gleich zwei Doubles auf.

Von Otto Fritscher, Berg

Ungewöhnlicher Beifahrer: König Ludwig II. sitzt - aus Silikon gefertigt - neben Hubertus Pulm. Zu bewundern sind beide beim Gedenkgottesdienst in der frisch renovierten Votivkapelle bei Berg.

(Foto: Nila Thiel)

Prächtiger hätte die Kulisse kaum sein können: Ein warmer Frühsommer-Vormittag mit einem weiß-blauen Himmel, Dampfer, die majestätisch auf dem See vorbeiziehen, Segel- und Elektroboote, die in geziemendem Abstand um das Kreuz im See die Szenerie beobachten. Und drinnen, in der frisch renovierten Votivkapelle, der Gedenkgottesdienst zum Todestag von König Ludwig II., der sich heuer zum 132. Mal jährt.

Die Messe begann mit einer Besonderheit: Militärpfarrer Mirko Zawiasa weihte zunächst das erneuerte Weihwasserbecken ein, das frisch mit Wasser aus dem Starnberger See gefüllt worden war. Danach begrüßte er die Vertreter des Hauses Wittelsbach, Christoph Prinz von Bayern und Gudula Prinzessin von Bayern, sowie den bayerischen Vorsitzenden der Ludwig-Vereine, Stefan Jetz, und den neuen Vorsitzenden der Vereinigung "Ludwig II. - Deine Treuen", Siegfried Mathes, der erwartungsgemäß mit Gewand und Frisur dem Märchen-Monarchen sehr ähnlich sah. Doch Mathes war diesmal nicht das einzige Ludwig-Double: Unten am Seeufer hatte sich Hubertus Pulm mit seinem Motorrad samt Beiwagen postiert. Als Beifahrer hatte er einen Ludwig II. aus Silikon, sein Motorrad war ein in weiß-blaue Tücher und Aufkleber gehüllter Blickfang. Dass auch Ludwig-Fans mit der Zeit gehen, bewies Margit Brunner, auf deren Oberarm ein Tattoo mit dem Schriftzug "Ich bin der König Ludwig II." prangte. Wer sich noch nicht mit Devotionalien eingedeckt hatte, konnte dies bei einem Stand am Eingang zum Schlosspark, oder auch noch während der Gedenkmesse. Hutanstecker gab es in vielen Varianten, etwa Ludwig II. und Franz-Josef Strauß gemeinsam auf einem Bild.

Beim Gottesdienst nahm Pfarrer Zawiasa kein Blatt vor den Mund. Ludwig II. habe "ein wahrhaft christliches Weltbild" gehabt und sich von seinen Idealen leiten lassen. "Welcher Politiker kann sich das heute noch leisten?", fragte Zawiasa und gab gleich die Antwort. "Nur gekrönte Häupter, denn nur die können nicht durch irgendwelche Strippen hintenrum wegbefördert werden." Zawiasa kommentierte die Vorgänge um die Bremer BAMF-Behörde mit einem "Pfui" und sprach in diesem Zusammenhang von "einem Werk des Teufels". "Manchmal wünsche ich mir, dass wir einen König hätten. Die Bundesregierung müsste dann ein Mal pro Woche antreten und bekäme dann kräftig den Kopf gewaschen." Dann noch ein kleiner Seitenhieb auf in der Kreuz-Debatte. "Wenn ein Politiker Kreuze aufhängen lässt, dann darf ihm der Klerus nicht in den Rücken fallen." Applaus gab es nicht, schließlich handelte es sich nicht um einen politischen Frühschoppen, sondern um einen Gottesdienst. Dafür noch einmal ein Lob für Ludwig: Der habe "noch vor Bismarck" die Krankenversicherung eingeführt.

Nach der Messe legten die Königstreuen einen Kranz am Kreuz nieder, es ertönte die Bayernhymne. Dann holte der Trachtenverein Berg sein Prunkstück heraus, eine an einer Stange befestigte Seerose. Beim nachfolgenden Tanz zu den Klängen des König-Ludwig-Lieds öffnete sich die Blume aus Metall langsam, und ein Kopf von Ludwig II. erschien. Die Königstreuen begaben sich anschließend in den Aufkirchener Gasthof zu Post. Die Chevaliers Legers, in historischer Soldaten-Montur, die im Eilschritt durch den Schlosspark zur Gedenkfeier geeilt waren, ließen es nun gemächlicher angehen. Und in die prächtige Votivkapelle kehrte eine nahezu andächtige Stimmung ein.