Bahn-Verkehr Lokführer verhindert Kollision von zwei vollbesetzten Zügen

Zwei vor allem mit Schülern voll besetzte Bahnen waren auf Kollisionskurs.

(Foto: Claudius Casagrande)
  • Im Bahnhof von Utting am Ammersee wären zwei Züge beinahe kollidiert.
  • Weil einer der Lokführer die Situation rechtzeitig erkannte und eine Notbremsung einleitete, kam niemand zu Schaden.
  • Nach SZ-Informationen wurde der Fahrdienstleiter sofort abgelöst.
Von Armin Greune, Utting

Die beherzte Reaktion eines Lokführers hat am Donnerstag im Bahnhof Utting vermutlich eine Katastrophe verhindert. Zwei Bahnen, die vor allem mit Schülern besetzt waren, fuhren gegen 7.50 Uhr auf Gleis 2 aufeinander zu. Der Lokführer der aus Richtung Schondorf einfahrenden Bahn löste im letzten Moment eine Notbremsung aus. Die beiden Züge kamen etwa 40 Meter voneinander entfernt zum Stehen. Zur Frage, warum sie auf Kollisionskurs gerieten, gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme. Aber nach SZ-Informationen wurde der Fahrdienstleiter im Uttinger Bahnhof unmittelbar nach dem Vorfall abgelöst.

Eigentlich sollten sich beide Bahnen im zweigleisigen Bahnhof kreuzen, auf den Strecken bis Dießen und Schondorf verläuft die Ammerseebahn nur einspurig, auf dem schnurgeraden Gleis im Seeholz zwei Kilometer südlich des Uttinger Bahnhofs etwa erreichen die Züge Höchstgeschwindigkeit. Bei den Betroffenen kamen Erinnerungen an das Unglück vor fast genau zwei Jahren auf, als bei Bad Aibling zwei Meridian-Züge auf einspuriger Strecke kollidierten, dabei kamen zwölf Menschen ums Leben, 89 wurden teils schwer verletzt.

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Die Bayerische Regiobahn (BRB), die den Zugverkehr auf der Ammerseebahn betreibt, gehört wie auch der Meridian zum Unternehmen Transdev.

Claudius Casagrande wurde von seinen Kindern sofort über den Fast-Unfall informiert. Der Sohn des Uttingers saß gerade im auf Gleis 2 stehenden Zug Richtung Norden; die Tochter wartete am Bahnsteig, um in den um ungefähr zehn Minuten verspäteten Zug zum Ammersee-Gymnasium in Dießen einzusteigen. Casagrande zufolge hätten die Kinder im stehenden Zug nichts bemerkt, wenn nicht die Schüler an Gleis 1 plötzlich gewunken und gerufen hätten. Auch ein Bahnbediensteter war zu der Zeit auf dem Bahnsteig - offenbar um die Schüler zu ermahnen, sich nicht gegenseitig zu schubsen. Als er den Zug nahen sah, rannte der Bahnangestellte zum Dienstgebäude, berichtet Casagrande. Das hätten mehrere Schüler so erzählt. Er vermutet, dass es dann aber zu spät war, um die Weiche noch richtig zu stellen.

Die BRB bestätigt auf Anfrage die Beinahe-Kollision. Es sei nur der raschen Reaktion des Lokführers zu verdanken, dass der einfahrende Zug rechtzeitig zum Halt gebracht werden konnte. "Wir sind noch einmal mit dem Schrecken davongekommen", sagt BRB-Sprecher Christopher Raabe: Er wolle dem "beherzten und schnellen Zugführer gerne in den nächsten Tagen persönlich die Hand schütteln". Nach der Beinahe-Kollision wurde die Strecke zur Ursachenerforschung gesperrt, ebenso der Bahnübergang, der ohnehin durch einen Zug blockiert war. Die BRB organisierte einen Schienenersatzverkehr. Die Lokführer wurden vorsorglich ausgewechselt, da eine verspätete Schockreaktion nicht auszuschließen war. Zur Ursache des Fast-Unglücks könne die BRB keine Auskunft geben, sagt Raabe. Das sei Sache der Deutschen Bahn Netz AG, die für Gleise und Signaltechnik zuständig ist.

Das Unternehmen hatte sofort Notfallmanager nach Utting entsandt. "Wir nehmen das sehr ernst", sagt ein Sprecher der DB Netz auf Nachfrage: "Der Zwischenfall wird intern geprüft und aufgearbeitet." Den Ermittlungen zur Ursache wolle er aber nicht vorgreifen. Auch die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung sei eingeschaltet worden, da es sich um ein meldepflichtiges, gefährliches Ereignis handele.

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