Perchalla Erik Berthold bekommt Seerosenorden

Charmant: Mit einem Handkuss bedankt sich Erik Berthold bei Faschingsprinzessin Samantha I. für die Auszeichnung, die der Musiker für sein Engagement für Menschen mit Behinderungen erhalten hat.

(Foto: Nila Thiel)

Die Starnberger Faschingsgesellschaft zeichnet den Musiker Erik Berthold für sein Engagement für Menschen mit Behinderungen aus.

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Er war schon Kellner, Fahrer, Lagerist, Postler und Bauarbeiter. Karriere gemacht hat Erik Berthold aber als Sänger, Gitarrist und Betreiber einer Musikschule. Doch die größte Herzensangelegenheit des Folk-Musikers aus Weßling ist es, junge Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen und gemeinsam mit ihnen zu musizieren. Dafür hat er 2015 den Deutschen Bürgerpreis erhalten. Am Montag ist er für sein Engagement mit dem Seerosenorden der Starnberger Faschingsgesellschaft Perchalla ausgezeichnet worden. "Du hast ein Herz wie ein Bergwerk und kannst die Augen Deiner Mitmenschen zum Leuchten bringen - weil Du ein Licht in ihnen entzündest", erklärte Christine Adler in ihrer Laudatio. Die Schauspielerin ist mit Berthold befreundet und hat bei verschiedenen Projekten des Musikers mitgewirkt. Er könne Barrieren auf zauberhafte Weise verschwinden lassen, als musikalischer Lehrer und Mentor für behinderte oder benachteiligte Mitmenschen jedes Alters, sagte sie. Berthold bedankte sich auf seine Weise - mit Musik. Dafür hatte er Jugendliche aus verschiedenen Schulen von Starnberg bis München mitgebracht, die gemeinsam mit ihm musizierten.

Wie Berthold einräumte, hatte er früher nie etwas mit dem Thema Behinderung zu tun gehabt. Dann kam 1990 sein Sohn Philipp mit Down-Syndrom zur Welt. Er habe schon damals zusammen mit seiner Band The Peacemakers deutschlandweit viele Auftritte gehabt. Sein schwer behinderter Sohn wollte immer mit. Und Berthold hat ihn mitgenommen. Philipp bekam einen Schlafsack und schlief auf einer Box hinter der Bühne. "Es war nicht einfach. Die Menschen waren nicht immer auf unserer Seite", so Berthold. Doch er habe viel gelernt von seinem Sohn. Seither engagiert sich Berthold, der Vater von fünf Kindern ist, unter dem Motto "Barrierefrei" für Menschen mit Behinderung. Er organisiert Workshops, leitet die Musikgruppe der heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe Starnberg und macht ein Musikprojekt mit den IWL-Werkstätten in Machtlfing. Er spielt mit der Franzis-Band der Franziskusschule und mit einer Jugendband. Dem Netzwerk gehören 350 Schüler von Schulförderzentren, Gymnasien oder Berufsschulklassen für Asylbewerber an.

Berthold wurde sein musikalisches Genie laut Adler von seiner Großmutter vererbt, die irisch-schottische Wurzeln hatte. Seine Oma habe sich in Alaska um 1935 ihr klassisches Klavierstudium mit Auftritten in Bars selbst finanziert. Seinen Geschäftssinn habe er von seinen Eltern, sagte Adler.

Der Seerosenorden ist eine begehrte Auszeichnung der Perchalla, die traditionell am Rosenmontag für besondere Verdienste, Gemeinschaftssinn oder eine hervorragende Leistung verliehen wird. Vor Berthold haben ihn Politiker und Künstler wie Leslie Mandoki, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Marianne Sägebrecht oder Christian Tramitz erhalten.