Ausgrabungen Verborgene Werte

Die römische Goldmünze Aureus ist das teuerste von 190 000 Fundstücken, die die "Gesellschaft für Archäologie und Geschichte im oberen Würmtal" im Erdreich entdeckt hat. Die Goldmünze lagert aber nicht im Depot, sondern im Safe der Gautinger Sparkasse

Von Otto Fritscher, Gauting

Der Raum, hier im Souterrain eines Hauses im Gautinger Badviertel, ist vollgestellt mit Regalen, in denen fein säuberlich nummerierte Plastikkisten in Reih' und Glied stehen. Karl Ludwig Hebler wuchtet ein Behältnis aus dem Regal und stellt es auf den Tisch. "Hier sind Scherben drin", sagt er, und zeigt auf eine andere Kiste: "Hier lagern wir Knochen. Die Fibeln heben wir aber lieber in Etageren auf."

Hebler ist Vorsitzender der "Gesellschaft für Archäologie und Geschichte im oberen Würmtal", und was er hier präsentiert, sind die Fundstücke, die bei diversen Ausgrabungen meistens am südlichen Ortsrand von Gauting ans Tageslicht befördert worden sind. Gebrauchsgegenstände, aber auch Schmuck und Münzen aus der Zeit, als Gauting ein bedeutender Handelsposten an der Kreuzung zweier Römerstraßen war, also vor allem im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus.

Karl Ludwig Hebler ist nicht nur Vorsitzender der Archäologie-Gesellschaft, er hat auch selbst an diversen Grabungen teilgenommen. Hier präsentiert er im übervollen Depot ein verziertes Trinkgefäß.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Eine unglaubliche Menge an Fundstücken haben die Hobby-Archäologen im Lauf der Jahre zusammengetragen: "Wir haben rund 190 000 Einzelstücke", sagt Hebler. Sie sind in einem etwas altertümlichen Computer inventarisiert - allerdings nicht jedes kleine Scherbenstück extra. "Das würde unsere Möglichkeiten sprengen", sagt Hebler.

Bis an die Grenzen ausgelastet sind auch die beiden Räume, die die Gemeinde der Gesellschaft als Depot zur Verfügung gestellt hat. Und die Lagerbedingungen sind alles andere als ideal. Viele Fundstücke vertragen keine hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb surrt und rattert in diesem Raum, in dem es weder ein Fenster noch ein WC gibt, Tag und Nacht ein Luftentfeuchter. "Alle zwei Tage entleere ich viereinhalb Liter", sagt Hebler. Allzu lange verweilen möchte man hier unten eigentlich nicht. "Aber andere Räumlichkeiten sind nicht in Sicht", sagt Hebler.

Wertvollstes Fundstück ist eine Aureus, eine Goldmünze.

(Foto: Georgine Treybal)

Der 76-Jährige ist seit fünf Jahren Vorsitzender des Archäologievereins, war aber schon bei der Gründungsversammlung am 21. Oktober 1998 dabei. Woher stammt sein Interesse an der Archäologie? "Ich hab' mich schon immer für alte Dinge interessiert", sagt er und lacht. Viele der rund 120 Vereinsmitglieder sind von Anfang an dabei, einige sind auch noch aktiv, wie etwa der 97-jährige Architekt, der immer noch Pläne von römischen Häusern und Grundrisse von romanischen Kirchen im Landkreis zeichnet. "Wir beschäftigen uns ja nicht nur mit den Römern, sondern mit der ganzen Ortsgeschichte von Gauting", sagt Hebler.

Mehr als 195 000 Fundstücke ruhen im Depot.

(Foto: Georgine Treybal)

Dennoch, die Zeit der Römer wieder lebendig werden zu lassen, das soll in Zukunft mit etwas häufigeren Ausstellungen als in der Vergangenheit versucht werden.

"Vor der jetzigen Schmuckausstellung war die letzte im Jahr 2001", erinnert sich Hebler. Gezeigt werden könnten Fibeln und Münzen, davon gibt es Hunderte im Depot. Und da liegt natürlich die Frage nahe, ob nicht ein kleines Römermuseum für Gauting wünschenswert wäre? Hebler zeigt sich in dieser Fragte sehr zurückhaltend. "Da geht man als normaler Gautinger einmal rein und dann nie wieder", sagt er - das sei zumindest die Erfahrung mit Römermuseen aus anderen Orten, die zum Teil schon wieder geschlossen wurden.

Ein Schicksal, das der Villa Rustica, einem römischen Gutshof aus dem zweiten Jahrhundert im Leutstettener Moos, nicht droht. Die Vereinsmitglieder kümmern sich um das mit Glasscheiben eingehauste Denkmal, sehen nach dem rechten, putzen die Fenster. Eigentümerin ist die Stadt Starnberg. "Die Besitzfrage ist aber bei den meisten unserer Fundstücken nicht geklärt", sagt Hebler. Eigentlich gehört ein Fund dem Grundeigentümer und dem Finder je zur Hälfte - so die gesetzliche Regelung in Bayern. In der Praxis sei dies aber sehr schwer umzusetzen - und deshalb hat Hebler diese Frage bisher nicht angerührt. "Was wäre, wenn ein Fund aus den dreißiger Jahren auf einem Grundstück gemacht wurde, das inzwischen vier Mal geteilt und verkauft wurde?", fragt Hebler. Leichter zu beantworten ist die Frage nach dem wertvollsten Fund: ein Aureus, eine Goldmünze mit dem Kopf von Kaiser Domitian, der von 81 bis 96 in Rom regierte. Das gute Stück hat einen hohen Sammlerwert und lagert nicht im Depot, sondern im Safe der Gautinger Sparkasse.

Mit einer Festakt feiert die Archäologiegesellschaft heute, am Freitag, 15. Juni, 18 Uhr, im Gautinger Rathaus ihr 20-jähriges Bestehen. Dort ist auch erstmalig in Gauting eine Vitrine mit römischem Schmuck zu sehen.