Interview: Patrizia Steipe

Stefan Hufnagel überwacht das Erholungsgelände in Percha - und stellt einen zunehmenden Werteverfall fest.

Seit acht Jahren geht das Team von Stefan Hufnagel am Starnberger See im Badegebiet Ammerland Streife. Heuer ist das Erholungsgelände in Percha dazugekommen. Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die tausenden Badegäste die Regeln einhalten. Patrizia Steipe sprach mit Stefan Hufnagel, Geschäftsführer des WSD (Wach- und Sicherheitsdienst Oberland) in Geretsried.

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Badesteg im Erholungsgelände in Percha: Ein zunehmendes Problem sind Partys, weiß Stefan Hufnagel, Geschäftsführer des Wach- und Sicherheitsdiensts Oberland. (© Franz-Xaver Fuchs)

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SZ: Wie läuft so ein Einsatz am See ab?

Stefan Hufnagel: Wir gehen immer zu zweit. Entweder in Uniform oder zivil. Dabei gehen wir auf Leute zu, die sich nicht an Regeln halten und klären sie auf. Unser Ziel als Dienstleister ist es, dazu beizutragen, dass die Situation für alle erträglich ist.

SZ: Wie reagieren die Leute auf Sie?

Hufnagel: Die Badegäste sehen unseren Einsatz sehr positiv. Wir haben einen guten Rückhalt, auch der Wirt ruft uns an, wenn's was gibt. Wenn wir Badegäste zur Rede stellen, sind viele missmutig oder uneinsichtig, bei einigen dauert es, bis sie die Regeln verstehen. Da müssen wir viel Aufklärungsarbeit leisten. Wir verteilen auch die Satzung für das Erholungsgebiet vom Landratsamt.

SZ: Was sind die Hauptbeschwerden?

Hufnagel: Zunehmendes Problem sind die Partys. Da fließt der Alkohol, die Wiesen und der See werden mit leeren Flaschen und Essensresten zugemüllt. Stege, Toiletten und Sitzbänke werden demoliert.

SZ: Sind die Badegäste heute undisziplinierter als früher?

Hufnagel: Seit längerem stellen wir einen gesellschaftlichen Werteverfall fest. Die Erziehung wird zunehmend auf Schulen, Polizei, Kommunen und Sicherheitsdienste übertragen. Da karren Eltern ihre Kinder mit Bierkästen und Hochprozentigem an und lassen sie ungezügelt Party machen. Wenn wir Jugendliche ansprechen, heißt es: "Wir waren das nicht." Da fehlt Respekt vor öffentlichen Flächen.

SZ: Sie erwischen auch immer wieder Leute, die ihre Hunde verbotenerweise ins Badegelände mitnehmen.

Hufnagel: Das ist ein schwieriges Thema. Da gibt es die 80-Jährige, die auf dem Bankerl sitzt und ihren Dackel dabei hat. Der alten Dame muss ich sagen, dass sie woanders hin soll. Andere haben einen Hund, der den ganzen Tag brav auf der Decke sitzt. Aber auch das ist verboten.

SZ: Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

Hufnagel: Man sollte eine kleine spezielle Fläche schaffen. Mein Vorschlag wäre, am Rande des Gebiets eine eigene Hundewiese.

SZ: Und wie sieht es mit den Brückenspringen an der Nepomukbrücke aus?

Hufnagel: Das ist wirklich gefährlich, da es sich um eine Schifffahrtsstraße handelt. Wenn wir das verbieten, werden wir oft als Spielverderber dargestellt, aber ein Schwimmer könnte leicht von einem Schiffsmotor erwischt werden.

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(SZ vom 06.08.2010/hai)