Starnberg Mehr als nur Wasser

Stadtführerin Claudia Wagner im Starnberger Schlosspark.

(Foto: Nila Thiel)

Claudia Wagner bringt vor allem Kindern den Seeort und seine Geschichten nah

Von Carolin Fries, Starnberg

Steigt man in Starnberg aus der S-Bahn, landet man in einer Postkarte: Der See glitzert blau vor einem Alpenpanorama, das unwirklich nah scheint. Viele Besucher entscheiden sich an dieser Stelle für eine Rundfahrt über den See, doch "Starnberg hat viel mehr zu bieten", sagt Claudia Wagner. Die Kunsthistorikerin ist geprüfte Stadtführerin in München und bietet auch Touren in ihrer Heimatstadt an. "Angefangen hat das, als meine Kinder in der Grundschule waren." Da fragten die Lehrer, ob sie für die Klasse nicht auch in Starnberg oder Possenhofen eine interessante Führung im Angebot hätte? Hatte sie nicht. Doch sie machte sich an die Arbeit. Das Ergebnis waren schon bald glückliche Kinder und ein Buch: In "Starnberg auf kleinem Fuß" führt Wagner auf 23 Stationen durch die Stadt.

Die 45-Jährige führt Urlauber aus Niedersachsen ebenso wie Rentner aus der Uckermark. Ein besonderes Talent aber hat sie, ihren Wissensschatz Kindern zu vermitteln. Weil sie ihre Sprache spricht und weiß, dass diese weniger die Daten als die Geschichten interessieren. Beispiel Kurfürst Ferdinand Maria und Henriette Adelaide. Das Mädchen war 14 Jahre alt, als es einen Mann ehelichte, den es gar nicht kannte. Wagner erzählt die Geschichte gerne oben am Schloss, wo beide residierten. "Wie die beiden dann das Beste aus ihrer Situation und ihrer Mitgift machten, ein Opernhaus in München bauen ließen und Schloss Nymphenburg." Zum Thronfolger schenkte der Kurfürst seiner Frau ein schwimmendes Schloss, den "Bucentaur". Spätestens da werfen selbst Teenager verträumte Blicke über den See.

Weil im Schloss inzwischen keine Adeligen mehr residieren, sondern das Finanzamt, weicht Wagner gerne in die Kirche Sankt Josef mit einem Altar von Ignaz Günther und wunderschönen Fresken aus. Als Platz für eine Rast bietet sich der Schlossgarten an. Ganz ohne den See geht es aber auch bei Wagner nicht, die bei einem Spaziergang zum Museum Starnberger See und Lochmannhaus auf die Geschichte der Schifffahrt und Fischerei eingeht. Und auf die Entstehung des Sees in der Eiszeit - wobei Fred Endrikat diese in einem Gedicht anzweifelt: "Der Herrgott rief: ,Wohlan, ihr Engelein, kommt alle her und pinkelt hier hinein'. Die Engel hoben ihre Röcklein in die Höh - und so entstund der Starnberger See."