Brand in Lokomotive Qualmender IC legt Münchner Hauptbahnhof und S-Bahn lahm

Der Brand in dem Triebwagen dieses IC hat den Bahnverkehr am Münchner Hauptbahnhof komplett lahmgelegt.

(Foto: dpa)

Weil es aus der Lok eines IC raucht, kann am Montagvormittag stundenlang kein Zug in den Münchner Hauptbahnhof einfahren . Tausende Berufspendler kommen nicht rechtzeitig zur Arbeit.

Von Thierry Backes und Christian Krügel

Wegen eines Schmorbrands in der Lok eines Intercity Richtung Berlin ist der Münchner Hauptbahnhof am Montagvormittag mehrere Stunden lang für den Zugverkehr gesperrt worden. Auch die S-Bahn-Stammstrecke war von dem Vorfall betroffen: Zwischen Pasing und Ostbahnhof fuhren zwischen 7.50 Uhr und 10.12 Uhr keine Züge. Seit 11.30 Uhr rollen auch Regionalbahnen und der Fernverkehr wieder. Bis in den späten Nachmittag gab es allerdings erhebliche Beeinträchtigungen, die S-Bahn meldete Verspätungen von bis zu 20 Minuten auf einzelnen Linien, auf den Außenästen fielen vereinzelt Züge aus.

Schmorbrand um 7.30 Uhr

Nach Bahnangaben kam es etwa gegen 7.30 Uhr zu der technischen Störung an dem Triebfahrzeug des IC, die Gleise wurden um 7.49 Uhr für den Verkehr gesperrt. Der Zug kam zwischen Donnersbergerbrücke und Friedenheimer Brücke auf offener Strecke zum Stehen, einem für den Bahnverkehr neuralgischen Punkt: dem Nadelöhr vor der Ein- und Ausfahrt in den Münchner Kopfbahnhof.

Der gesamte Gleisbereich zwischen Hauptbahnhof und Pasing musste aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden. Um die Feuerwehrleute nicht zu gefährden, mussten einige Oberleitungen abgeschaltet werden, sagte ein Sprecher der Bahn. Als die Feuerwehr eintraf, habe der Zug zwar gequalmt, offene Flammen habe es aber nicht gegeben. Ein Sprecher sagte, der Schmorbrand sei gegen 9.30 Uhr und damit recht schnell gelöscht gewesen. Nach ersten Erkenntnissen habe ein Trafo in der Elektrolok Feuer gefangen.

Verletzt wurden nach Feuerwehrangaben zwei Menschen: der Lokführer und ein Polizist. Beide wurden mit einer leichten Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht. Etwa 200 Passagiere mussten weit mehr als zwei Stunden in dem Zug ausharren. Sie wurden später zurück zum Hauptbahnhof gebracht.

Alternativen zur zweiten Stammstrecke

Südring, Kombibahn, längere Züge: Statt das Milliardenprojekt Stammstrecke weiter zu verfolgen, könnten man an anderen Stellen ausbauen. Problemlos ist keine. Von Marco Völklein mehr ...

Chaos im Berufsverkehr

Für Pendler aus dem Münchner Westen war in Pasing über Stunden hinweg Endstation. Ihnen blieb nur das Ausweichen auf die Busse und die Tram 19. Die war aber so hoffnungslos überfüllt, dass die Tramfahrer teilweise in Pasing nicht mehr abfahren konnten.

Erschwerend kam hinzu, dass viele Schulklassen unterwegs waren: Sie wollten in die letzte Schulwoche vor den Ferien mit Ausflügen und Kinobesuchen starten, strandeten aber mit ihren Lehrern ebenfalls am Pasinger Bahnhofsplatz - was manche Schüler zu einem spontanen Picknick zwischen Pasing Arcaden, Tramschleife und Bahnhof nutzten.

In Pasing versuchten Pendler am Morgen, auf die Straßenbahn umzusteigen.

(Foto: Christian Krügel)

Profiteure waren am Montag die Taxler, die in Pasing ein gutes Geschäft machten. Telefonisch konnten Pendler allerdings kaum eines ordern: Die Mobilfunkverbindungen brachen in Pasing immer wieder zusammen.

Wer es bis zum Hauptbahnhof geschafft hatte, versuchte sein Glück mit den Linien U4/U5, um zum Ostbahnhof zu kommen. Allerdings waren die U-Bahnen ebenfalls extrem voll.

Volle Bahnsteige am Morgen am Ostbahnhof.

(Foto: Patrick Wehner)

Störung am Ostbahnhof

Als die S-Bahnen am späten Vormittag wieder fuhren, wartete gegen 10.50 Uhr die nächste Störung auf die Bahn: Ein Güterzug riss Teile der Oberleitung kurz vor dem Ostbahnhof herunter. Davon betroffen waren die Regional- und Fernverkehrszüge aus Österreich und Italien. Sie mussten teilweise über Holzkirchen, teilweise über den Münchner Nordring, der eigentlich nur von Güterzügen befahren wird, zum Hauptbahnhof umgeleitet werden. Die Reparatur der Oberleitung dürfte länger dauern, seit 11.40 Uhr können aber alle Züge wieder den Ostbahnhof anfahren.