Städtisches Personal Münchens Schulen fehlen die Hausmeister

Die Wilhelm-Busch-Realschule hat das Hausmeister-Ehepaar Roswitha und Erwin Urich verabschiedet.

(Foto: Robert Haas)

Denn wenn Paare wie die Urichs in Rente gehen, ist ein Nachfolger schwer zu finden - trotz eigener Dienstwohnung. Dabei mangelt es nicht mal an Bewerbern.

Von Melanie Staudinger

An diesen einen ersten Sommerferientag erinnert sich Brigitte Preiß nur ungern. Als die Leiterin der Wilhelm-Busch-Realschule die Schule betrat, merkte sie, dass in der Aula das Wasser von der Decke tropfte. Ein Fiasko - wären da nicht die Urichs gewesen. Hausmeister Erwin Urich und seine Frau Roswitha kümmerten sich schon seit sechs Uhr morgens um die Misere.

Sie stellten Eimer auf, besorgten Trocknungsgeräte, wischten und trockneten den Boden. Bis in den Kellerraum, in dem die Schulbücher in den Ferien verwahrt sind, drang das Wasser. "Dort war Frau Urich tagelang damit beschäftigt, die Bücher zu retten, was sie auch geschafft hat", sagt Preiß. Künftig wird sie solche Probleme ohne die Urichs lösen müssen. Denn die beiden gehen in Rente.

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Ohne Hausmeister an Schulen geht nichts. Sie schauen nach dem Rechten, sie beaufsichtigen Bauarbeiten, sie sperren abends das Gebäude zu, sie sind das soziale Gewissen der Schule, trösten bei Kummer und vermitteln bei Streit. Und sie werden immer seltener: Denn auch im Hausmeisterwesen schlägt der Fachkräftemangel durch. Selbst mit der Dienstwohnung, die der Hausverwalter laut Dienstordnung verpflichtend bewohnen muss, lassen sich nicht mehr ausreichend qualifizierte Bewerber locken.

Insgesamt arbeiten 460 Mitarbeiter an den öffentlichen Schulen in München. 25 Stellen seien derzeit unbesetzt, sagt ein Sprecher des Bildungsreferats. Die Stadt sucht technische Hausverwalter, Springer und Helfer. An Bewerbern mangle es nicht einmal, erklärt der Sprecher, wohl aber an deren Qualifikationen. Die Stadt verlangt zwingend eine gewerblich-technische Ausbildung sowie mehrere Jahre Berufserfahrung als technischer Hausverwalter. Das können die meisten Jobinteressenten nicht vorweisen.

Dabei wird es im Beruf nie langweilig, wie Erwin Urich berichtet. Fünf Jahre betreuten er und seine Frau eine Schule im Hasenbergl, danach 26 Jahre lang die Wilhelm-Busch-Realschule in Neuperlach. Die Urichs kamen, als das Schulgebäude erst zehn Jahre alt war, sie versorgten in jeder Pause Hunderte Schüler mit Semmeln und Getränken. "Jetzt reicht es auch mal", sagt Erwin Urich. Aus der Dienstwohnung musste das Paar freilich ausziehen, eine neue Bleibe in Perlach ist aber bereits gefunden. Ein bisschen Motorradfahren steht auf ihrem Plan und auch mal außerhalb der Schulferien verreisen.

An Arbeit mangelt es in der Schule nie

Dass seinem Nachfolger die Arbeit nicht ausgehen wird, davon ist Urich überzeugt. Denn da seien nicht nur die Kinder, die sich weit weniger sagen ließen als früher, sondern auch die Eltern, die immer gleich mit dem Anwalt drohten. Und am Schulgebäude gebe es stets etwas zu tun. "Am meisten Spaß hat mir das gute Verhältnis zu allen in der Schule gemacht", sagt Urich. Dieses Kompliment gibt Schulleiterin Preiß zurück: "Er wird uns fehlen."

Zum Abschied hat die Realschule den Urichs eine Seite im Jahresrückblick gewidmet. Da verrät Erwin Urich, warum er immer Karo-Hemden trägt. "Meine Frau wollte mir mal eins mit Blumen drauf schenken. Pfui Deife! So etwas trage ich nicht", sagt er.

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