Stadtratsbeschluss geplant Masterplan für die Altstadt

Die Tankstelle zwischen Sendlinger Tor und Stachus könnte den neuen Plänen zum Opfer fallen. Der Bereich soll insgesamt attraktiver werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Auf den ersten Blick scheint es für die künftige Gestaltung der Altstadt keinen Masterplan zu geben.
  • Für das Hackenviertel zeichnet sich indes ein Plan ab.
  • Noch vor der Sommerpause soll der Stadtrat darüber entscheiden, wie das Gebiet zwischen Sendlinger Tor und Stachus neu gestaltet wird.
  • Kernpunkt ist dabei die Herzog-Wilhelm-Straße.
Von Thomas Anlauf

Sie ist wie ein riesiges Puzzle, das gelöst werden will: die Münchner Altstadt. Das historische Zentrum besteht aus städtebaulichem Stückwerk, mal wächst hier ein Stück Fußgängerzone weiter an den Rand, mal wird dort wieder ein neues Parkhaus geplant. Es scheint auf den ersten Blick keinen wirklichen Masterplan für das Straßengewirr zwischen Sonnenstraße und Oberanger, zwischen Sendlinger Tor und Odeonsplatz zu geben.

Doch nun zeichnet sich ein Bild ab, wie zumindest das Hackenviertel sein Gesicht stark verändern könnte. Noch vor der Sommerpause soll der Stadtrat nach SZ-Informationen darüber entscheiden, wie das Gebiet zwischen Sendlinger Tor und Stachus entlang der Herzog-Wilhelm-Straße neu gestaltet wird. Auch die Pläne für die neue Fußgängerzone vom Sattlerplatz bis zum Oberanger werden dann diskutiert. Beide Projekte dürften massive Auswirkungen auf den Verkehr in der Altstadt haben.

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Kernpunkt der Überlegung ist die Herzog-Wilhelm-Straße, die merkwürdig zweigeteilt zwischen Sendlinger Tor und Herzogspitalstraße verläuft. In der Mitte liegt ein Grünstreifen, der meistens nur von Wohnungslosen und Drogenabhängigen heimgesucht wird. Sämtliche Überlegungen, die Straßenschlucht auf zumindest ein paar hundert Metern Länge attraktiver zu gestalten, sind bislang gescheitert.

Doch mit einem Vorstoß des Münchner Forums und der Umweltorganisation Green City, den in vier Meter Tiefe rauschenden Westlichen Stadtgrabenbach teilweise an die Oberfläche zu holen und die Grünanlage zu verschönern, werden die Pläne für das westliche Entree der Altstadt nun ziemlich konkret.

Klaus Bäumler, Münchner Forum

"Es ist unsäglich, dass an dieser Stelle der Altstadt eine Tankstelle platziert ist - und die Zufahrt zur Tiefgarage ist völlig überdimensioniert."

Nach Anträgen mehrerer Fraktionen im Stadtrat beschäftigt sich seit Monaten das Baureferat mit der möglichen Realisierung eines künstlichen Bachlaufs in der Grünanlage. Richtig Schwung erhält die Debatte nun durch einen Arbeitskreis, der sich mit dem "Entwicklungsgebiet Herzog-Wilhelm-Straße" befasst. 25 Experten aus Politik und Verwaltung, aber auch Umweltschützer und Vertreter des Münchner Forums arbeiten seit November an einer möglichst großen Lösung für den Abschnitt zwischen Sendlinger Tor im Süden und Kaufingerstraße im Norden.

Diese könnte sogar bedeuten, dass die westliche Seite der Herzog-Wilhelm-Straße zugunsten der Grünanlage geopfert wird, in der nach einer umfassenden Umgestaltung auf etwa 300 Metern Länge ein künstlich angelegtes Bächlein durch den kleinen Park fließen soll. Am nördlichen Ende wiederum, zwischen Herzogspital- und Josephspitalstraße, befindet sich ein städtisches Grundstück, auf dem die letzte Tankstelle der Altstadt, ein italienisches Restaurant sowie eine riesige Zufahrtsrampe zur Stachus-Tiefgarage liegt.

Bereits im Jahr 2004 legte das Planungsreferat eine Beschlussvorlage für einen Bebauungsplan zum knapp ein Hektar großen Grundstück vor. Damit sollte "die Fehlentwicklung", die durch den Bau der Stachus-Tiefgarage mit seiner Rampe Anfang der Siebzigerjahre entstanden sei, "soweit wie möglich" korrigiert werden. Dazu sollte die Zufahrt zur Tiefgarage zurückgebaut und mit einem Büro- oder Wohnhaus überbaut werden, die Tankstelle und das Restaurantgebäude "könnten entfallen", hieß es in der Beschlussvorlage.