Stadtrat ruft zum Protest "Denen geht es darum, Homophobie wieder salonfähig zu machen"

Dominik Krause engagiert sich seit 2012 im Bündnis "München ist bunt". Der 23 Jahre alte Physikstudent sitzt für die Grünen im Münchner Stadtrat.

(Foto: oh)

Hinter den "Besorgten Eltern Bayerns" verstecken sich Rechtspopulisten und christliche Fundamentalisten. Nun will das Bündnis gegen "Gender-Ideologie" und "Frühsexualisierung unserer Kinder" demonstrieren. Ein Stadtrat ruft zum Protest auf.

Von Melanie Staudinger

Sie tarnen sich als fürsorgliche Mütter und Väter: Die "Besorgten Eltern Bayerns" haben für Samstag, 10. Mai, eine Demo angemeldet, die sich gegen "Gender-Ideologie, Pädophilie und Frühsexualisierung unserer Kinder an Kitas und Grundschulen" wendet. Christian Ude, zu diesem Zeitpunkt noch Oberbürgermeister, warnte vor der Kundgebung - hinter dem Bündnis versteckten sich Rechtsextreme und christliche Fundamentalisten. Als Sprecher von "München ist bunt" organisiert Neu-Stadtrat Dominik Krause von den Grünen den Gegenprotest.

SZ: Herr Krause, wer sind die "Besorgten Eltern Bayerns"?

Dominik Krause: Die Gruppe gibt es so eigentlich nicht. Der Verband nennt sich "Besorgte Eltern" und ist derselbe, der auch in Stuttgart aktiv ist. Die Demonstrationen sind ein Sammelbecken für rechtspopulistische Organisationen wie die Freiheit oder die AfD. In München haben wir die spezielle Situation, dass die Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) die Neonazi-Szene zur Demo mobilisiert. Denen geht es darum, Homophobie und Ausgrenzung wieder salonfähig zu machen. Und sie sind gegen die Gleichberechtigung der Frau.

Sind Proteste wie in Baden-Württemberg oder gar Frankreich zu erwarten?

Das glaube ich nicht. In Stuttgart hat sich der Protest am dortigen Bildungsplan entzündet, in dem es auch darum ging, in der Schule über sexuelle Vielfalt aufzuklären. Die Bewegung dort prangerte eine angebliche moralische Umerziehung an, was natürlich Unsinn ist. In München haben wir kein so großes Thema, an dem sich "Besorgte Eltern" aufhängen könnte. Allerdings ist die Dimension der Demo schwer einzuschätzen, weil die Stuttgarter Szene angekündigt hat, zu kommen.

Neonazis, die sich als gutbürgerlich ausgeben: Ist das die neue Masche?

Das ist tatsächlich mittlerweile sehr oft deren Masche. Bei "Besorgte Eltern" handelt es sich aber um eine ungute Mischung von Rechtspopulisten und Neonazis. Von diesem Bündnis profitieren vor allem Neonazis. Alleine hätten sie keine Chancen, ein bürgerliches Klientel zu mobilisieren, weil sich dieses nicht von BIA oder NPD ansprechen lässt. Mit den Rechtspopulisten lassen sich Konservative besser erreichen.

Woran erkennt man diese Bündnisse?

Das ist schwierig. Wenn man nur das Plakat für die Demo sieht, die als "Demo für alle" angekündigt ist, erkennt man kaum, was dahintersteckt. Mittlerweile ist aber die BIA als Unterstützer drauf, das ist ein Warnzeichen. Auch wenn plakative Worte wie "Genderwahn" oder "Pädophilie" genannt werden, sollte man hellhörig werden. Am besten ist, wenn man sich im Internet nach den Veranstaltern erkundigt.

Was kann man gegen die Hetze unternehmen?

Wir müssen ganz klar ein Zeichen setzen, dass wir in München so etwas nicht dulden. Wir müssen ihnen zeigen, dass wir viel mehr als sie sind. Und dass die Stadtgesellschaft Diskriminierung nicht duldet. In München haben alle Menschen ihren Platz, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Geschlecht und ihrer Herkunft. Insgesamt 22 politische Parteien, Kirchen, Jugendorganisationen und andere Vereine unterstützten unseren Aufruf zur Gegendemonstration. Das ist ein tolles Zeichen. Nun hoffen wir auch auf eine rege Beteiligung am Samstag

Die Gegenkundgebung unter dem Motto "Vielfalt statt Einfalt. München bleibt bunt" beginnt am Samstag, 10. Mai, um 13 Uhr vor dem Reiterdenkmal am Odeonsplatz.