Stadtrat bewilligt Zuschuss "Before" berät Opfer rechtsextremer Gewalt

München bekommt eine unabhängige Beratungsstelle für die Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt: 241 000 Euro pro Jahr bewilligte der Verwaltungsausschuss des Stadtrats dem Trägerverein "Before", der nun so schnell wie möglich seine Arbeit aufnehmen will. Der Beschluss erfolgte einstimmig - der rechtsextreme Stadtrat Karl Richter ist nicht Mitglied des Ausschusses. Mit dem Geld sollen Räume angemietet und Experten engagiert werden, an die sich die Opfer von Übergriffen wenden können. Die neue Beratungsstelle wird ganz bewusst nicht von der Stadt selbst betrieben, damit gar nicht erst der Verdacht staatlicher Beeinflussung aufkommt. Bei "Before" engagieren sich bekannte Münchner Persönlichkeiten, darunter die Kabarettistin Luise Kinseher und Peter Probst vom Verein Lichterkette. Den Vorsitz hat Alt-Oberbürgermeister Christian Ude übernommen, Geschäftsführer ist der frühere Grünen-Stadtrat Siegfried Benker.

Veränderungen gibt es auch im Rathaus: Die Fachstelle gegen Rechtsextremismus heißt künftig "Fachstelle für Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit". Mit der Umbenennung will OB Dieter Reiter das erweiterte Aufgabengebiet der Abteilung widerspiegeln - es gehe nicht mehr um den Kampf gegen organisierten Rechtsextremismus allein.

Kritik übt Reiter an der Strategie des Freistaats. Dessen vor allem sicherheitspolitischer Ansatz im Kampf gegen rechts sei "nicht ausreichend", steht in einer gemeinsamen Stellungnahme acht bayerischer Rathauschefs, darunter der Nürnberger Ulrich Maly. Notwendig sei eine Auseinandersetzung mit der gesamten Gesellschaft, in der menschenverachtende Ansichten weit verbreitet seien.