Stadtnatur und Klimaanpassung Grüne Lungen für Städte

Parks sind für das Stadtklima besonders wichtig.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Leitfaden soll helfen, mit dem Klimawandel umzugehen

Von Thomas Anlauf

Der Klimawandel ist längst spürbar, gerade in einer dicht besiedelten Stadt wie München. Die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad steigt an: Waren es in den vergangenen Jahrzehnten durchschnittlich fünf brütend heiße Tage im Jahr, könnten es bis zum Ende des Jahrhunderts in München fünf Mal so viele sein. Besonders in der Innenstadt liegen die Temperaturen jetzt schon um bis zu zehn Grad höher als im Umland - Alarmsignale für die Gesundheit, aber auch für Pflanzen und Tiere in der Stadt. Vor vier Jahren startete deshalb an der TU München ein vom bayerischen Umweltministerium finanziertes Klimaforschungsprojekt, um den Städten in Bayern künftig einen Leitfaden zu geben, wie eine Stadtentwicklung im Zeichen des Klimawandels funktionieren kann. Am Montag stellten Wissenschaftler des Projekts "Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung" (ZSK) erste Ergebnisse vor.

So untersuchten Forscher um Projektleiter Professor Werner Lang in verschiedenen Studien, wie sich das Klima in der Stadt auswirkt und welche Maßnahmen zur Klimaanpassung getroffen werden können. Als Modellgebiet dienen exemplarisch die dicht bebaute Maxvorstadt und das vorstädtisch geprägte Neuaubing. In der Innenstadt könnten trotz der wenigen freien Plätze zehn bis 20 Prozent mehr Grünflächen entstehen, indem Innenhöfe intensiver bepflanzt werden oder auch Dachgeschosse zu Dachgärten ausgebaut werden. Hauptstraßen könnten mit Alleebäumen einen Kühlungseffekt beisteuern. In Neuaubing könnte viel erreicht werden, indem man Parkplätze entsiegelt und Privat- und Gemeinschaftsgärten anlegt, um den Stadtrand weiter zu begrünen.

Ein weiteres Teilprojekt der auf insgesamt fünf Jahre angelegten Studie ist die Untersuchung von Stadtbäumen im Klimawandel. So stellten die Forscher vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde fest, dass Platanen, wie sie etwa an der Leopold- oder Lindwurmstraße wachsen, über alle Altersklassen hinweg ein deutlich höheres Wachstum aufweisen als Robinien und Winterlinden. Robinien wiederum erbringen der Studie zufolge durchschnittlich höhere Umweltleistungen als Linden. Verglichen mit Würzburg, das nach Freiburg als trockenste Region in Deutschland gilt, leisten die untersuchten Münchner Stadtbäume durchschnittlich höhere Leistungen, also ein höheres Wachstum und mehr Kohlenstoffbindung aus der Atmosphäre.

Erst im vergangenen Herbst startete das Teilprojekt "100 Place: M". Darin werden bis September 2019 die Auswirkungen des sogenannten Wärmeinseleffekts auf den öffentlichen Raum in München untersucht. Ziel der Untersuchung ist, dass bei Stadtplanern, Landschaftsarchitekten, aber auch den Kommunen und den Bürgern ein tieferes Bewusstsein für die Zusammenhänge von Klimawandel und der Gestaltung von Freiräumen entsteht.

Das mit zwei Millionen Euro vom Umweltministerium geförderte interdisziplinäre Forschungsprojekt entsteht auch in enger Kooperation mit dem Münchner Planungs- und Umweltreferat. "Wir arbeiten ganz eng mit dem Projekt zusammen", sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk am Montag. Und Umweltreferentin Stephanie Jacobs versicherte: Die Notwendigkeit, aktiv auf den Klimawandel mit zahlreichen Maßnahmen zu reagieren, sei in München "in der Politik angekommen". Bayerns Umweltministerin Ulrike Scherf mahnte, dass die Stadtentwicklung von morgen "Hand in Hand mit dem Ausbau natürlicher Erholungsräume" gehen müsse. "Die Städte haben eine Schlüsselrolle beim Erreichen der internationalen Klimaschutzziele", so Scherf. "Wir müssen grüne Lungen für die Menschen schaffen."