Stadtgestaltung Quadratur des Kreises

Der Verein Südliche Maxvorstadt will die Kunstplattform an der Luisenstraße, auf dem "Der Ring" steht, attraktiver machen. Die Stadt stellt klar, dass die Fläche bewusst "einheitlich und zurückhaltend" gestaltet ist

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Dieser Ring musste schon einiges aushalten, Bierflaschen zum Beispiel. Denn immer wieder stolpern herumtingelnde Zecher aus dem Alten Botanischen Garten und kommen auf die schwer nachvollziehbare Idee, ihre Pullen durch das im Durchmesser zwölf Meter messende Loch zu schleudern - oft genug verfehlen sie dabei ihr Ziel. Als Kunstwerk wollen viele diese Stahl-Zement-Skulptur auf der Kiesfläche zwischen Elisen-, Luisen- und Sophienstraße ohnehin nicht sehen: Der 14 Tonnen schwere, rote Reifen wird mitunter als "Klobrille" verunglimpft.

Dennoch: Die Skulptur "Der Ring" des Künstlers Mauro Staccioli auf der sogenannten Kunstplattform vor dem Hotel "The Charles", in unmittelbarer Nähe zu den Lenbach-Gärten und dem "Elisenhof" ist seit 15 Jahren ein markanter Orientierungspunkt im Viertel nördlich des Hauptbahnhofes. Und es gibt Kunstsinnige, die diese scheinbar schwebende Hommage an Wagners Opernzyklus "Ring des Nibelungen" durchaus gelungen finden. Allerdings, das Areal drumherum ist eine öde Fläche. Die Kunstplattform wirkt deshalb wie eine merkwürdige Leerstelle am Rande des Kunstareals, noch dazu an exponierter Stelle in der City. Das wollen der Verein Südliche Maxvorstadt und einige Lokalpolitiker jetzt gerne ändern. "Aus dieser kahlen Fläche könnte man viel mehr machen", zeigt sich die Vereinsvorsitzende Rita Modl überzeugt.

Nichts als Kunst: Die zwölf Meter hohe Skulptur "Der Ring" steht seit dem Jahr 2001 auf der bis heute namenlosen und kahlen Fläche.

(Foto: Florian Peljak)

Die Anwohner-Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, die Ausläufer der Bahnhofsgegend vom Schmuddel-Image zu befreien. Im Auge haben die Mitwirkenden vor allem den Alten Botanischen Garten und dessen Umfeld. Dort tummeln sich Junkies, Obdachlose und Feierfreudige zwischen Touristen - letztere oft mit Selfie-Stangen bewaffnet, um sich vor dem riesigen Ring abzulichten. Mit im Bild sind dann Glasscherben und sonstiger Müll, der hier achtlos weggeworfen wird. Für Rita Model aber ist der Platz das Eingangstor zum Münchner Museumsviertel: "Und er sollte auch dementsprechend behandelt werden."

Sie und ihre Vereinskollegen setzen sich nun für eine Aufwertung der Fläche ein. Als erster Schritt soll der Platz einen Namen erhalten, eine entsprechende Eingabe haben sie nun beim Bezirksausschuss Maxvorstadt eingereicht: "Sophienplatz" soll er heißen. Zudem möchte der Verein eine spürbare Belebung des Platzes erreichen, etwa mit einem regelmäßigen Wochenmarkt oder auch Flohmarkt-Veranstaltungen. Denn, so bedauert sie: "Eine Begrünung wird wohl nicht möglich sein."

Die Geschichte der Staccioli-Skulptur

Es ist ein prominenter und reizvoller Platz, der für den Staccioli-Ring gewählt wurde. Die 2800 Quadratmeter große Fläche wird eingerahmt vom 1901 erbauten Luisen-Gymnasium, dem Alten Botanischen Garten, und dem eleganten Hotel "The Charles". Eine spannungsreiche Nahtstelle mit wechselvoller Geschichte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Areal als Busterminal, schließlich als Bauhof für die Sanierung des Luisen-Gymnasiums. Als die Arbeiter 1992 abzogen, befassten sich Behörden und Politik mit einer Neugestaltung des exponierten Eck-Grundstücks. Zunächst wurde der Bau eines Freizeitheims erwogen, dann aber mangels Geld verworfen. Während das Direktorium des Gymnasiums die Chance für eine Schüler-Erholungsfläche witterte, erhofften sich Kulturpolitiker von dem Areal den Auftakt für die erträumte Kunstmeile zum Lenbachhaus. Denkmalpfleger plädierten für die Freihaltung der Fläche, um die Symmetrie des Alten Botanischen Gartens wieder herzustellen, von dem im Laufe der Zeit etwas Grün abgezwackt worden war. Für die Neugestaltung wählte der damalige Baureferent Horst Haffner dann einen ungewöhnlichen Weg: Die damals wilde Autoabstellfläche wurde zu einem kostenpflichtigen, öffentlichen Parkplatz gemacht. Von den Einnahmen der Gebühren finanzierte die Behörde das Geländegefälle mit zwei sanften Stufen hin zu den Straßenseiten, die den Platz wieder der Grünanlage zuschlugen.

Die namenlose Fläche war nun zur "Kunstplattform" geworden, auf der wechselnde Skulpturen-Präsentationen stattfanden - eine davon war dem italienischen Künstler Mauro Staccioli gewidmet. Horst Haffner erinnert sich in seinem Buch "Orte, Plätze, Räume", dass die Bevölkerung von dem "grandiosen roten Ring" begeistert war - und ihn auf Dauer behalten wollte. Und so geschah es: Die Stiftung "Straßenkunst" der Müchner Stadtsparkasse kaufte die Skulptur für die Stadt an. Der tonnenschwere Ring wurde zunächst zerlegt und eingelagert; es stand zur Debatte, ihn vor der Pinakothek der Moderne aufzustellen. Doch die Stadtratsmehrheit war dagegen, und so schloss sich der riesige Kreis wieder unter Einsatz von Kran und Schweißgeräten auf der bis heute namenlosen Fläche im Jahr 2001. smüh

In der Tat hat das städtische Baureferat bereits im vergangenem Sommer deutlich gemacht: Eine Bepflanzung mit Bäumen oder Hecken sei wegen der darunter liegenden Bunkeranlage nicht möglich, beschied die Behörde dem Bezirksausschuss, der seinerseits eine Begrünung des "lieblosen, grauen Platzes" gefordert hatte. Zudem stellt die Behörde klar, dass die Fläche bewusst "einheitlich und zurückhaltend" gestaltet sei, um dem Kunstwerk ein angemessenes Umfeld zu bieten. Das Fazit: Man könne keine Notwendigkeit für eine Verschönerung des Platzes erkennen. Und das gilt noch immer, wie eine Sprecherin des Baureferates betont.

Als abschließendes Verdikt wollen einige Stadtviertelpolitiker das allerdings nicht akzeptieren. "Hier wird öffentlicher Raum leichtfertig verschenkt", sagt die Fraktionssprecherin der Grünen, Svenja Jarchow. Sie glaubt: Gerade weil das Areal so unbehaglich wirkt, sei es den Menschen nichts wert, "und deshalb lassen sie hier ihren Müll fallen". Der Stadt müsse daran gelegen sein, auf der Fläche mehr Aufenthaltsqualität zu realisieren. Ihre Fraktionskollegin Ruth Gehling schlägt etwa vor, zumindest Pflanzen-Kübel aufzustellen, glaubt aber nicht, dass die Stadt darauf eingeht: "Das wollten wir auch am Norkauer Platz, haben aber die Absage erhalten, da die Pflege zu aufwendig ist."

Katharina Blepp, Fraktionssprecherin der SPD-Fraktion im Bezirksausschuss, sieht ganz grundsätzlich einen Denkfehler im Ansatz des Baureferates: "Das Kunstwerk kann auf dieser tristen Fläche nicht wirken, das Umfeld wird der Skulptur nicht gerecht." Wo also die Behörde eine "zurückhaltende" Fläche als Voraussetzung für die Wirkung sieht, registriert Blepp genau das Gegenteil: "Die Stadt muss den Platz um des Kunstwerks willen umgestalten, dann kann es auch von den Menschen genossen werden."