Stadtrat In München werden mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt

Alt, krank oder im Weg: Immer wieder werden Bäume gefällt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ob ausreichend nachgepflanzt wird, kann die Stadt nur mit Stichproben überprüfen - "aus personellen Gründen".

In München wurden seit dem Jahr 2010 vermutlich fast doppelt so viele Bäume gefällt als nachgepflanzt. Dies ergab eine Anfrage der Stadträtin Sabine Krieger von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Rosa Liste. Stadtbaurätin Elisabeth Merk stellte in ihrer Antwort auf die Anfrage fest, dass von 2010 bis 2015 mehr als 47 000 Bäume in München gefällt worden seien.

Etwa 25 000 seien nachweislich nachgepflanzt worden - von der Stadt oder von Bürgern, die zuvor Bäume gefällt hatten und für Ersatz sorgen mussten. Es könnten aber auch mehr als diese 25 000 Nachpflanzungen sein. Zwar droht ein Zwangsgeld, wenn man einen Baum nicht ersetzt. Dennoch zeige "ein Großteil" der Bürger sogar "die vorgenommenen Ersatzpflanzungen nicht an", stellte Merk fest, "deshalb sind die genannten Zahlen kein Nachweis dafür, wie viele Bäume tatsächlich gepflanzt wurden."

Sorge, dass München für den Klimawandel nicht gerüstet ist

Sabine Krieger hatte in ihrer Anfrage befürchtet, dass München für den Klimawandel nicht gerüstet sein könnte, weil die Stadt immer weniger Bäume habe. Dafür verantwortlich seien unter anderem "eine zunehmende bauliche Verdichtung im Stadtgebiet und die Tatsache, dass junge Ersatzbäume den ökologischen Wert alter Bäume bei deren Fällung nicht ausreichend ersetzen könnten".

Stadtbaurätin Merk listete in ihrer Antwort die Zahlen der gefällten Bäume seit 2010 auf - getrennt nach Einzelfällanträgen, Baumaßnahmen und Gartenbau, also Straßenbäume und Bäume in Parks. Im Jahr 2015 seien wegen des Sturmtiefs Niklas überdurchschnittlich viele Anträge eingereicht worden, stellte Merk fest. Bei den Einzelfällanträgen sei die Mehrzahl der Bäume "aus Verkehrssicherheitsgründen" umgesägt worden, also wegen einer "Beeinträchtigung der Bruch- und Standsicherheit". Oder weil die Bäume schlicht krank waren.

Wer nicht nachpflanzt, muss Strafe zahlen

Etwa 26 000 der von 2010 bis 2015 in München gefällten Bäume entfallen auf die Einzelfällanträge; nur gut 3000 wurden ersetzt. Merk sagte angesichts der niedrigen Zahl, dass sich die Überprüfung der Nachpflanzungen "aus personellen Gründen nur auf Stichproben beschränken". Falls jemand erwischt werde, dass er nicht nachgepflanzt habe, sei in der Regel ein Zwangsgeld zu zahlen.

Apropos Strafe: In den Jahren 2010 bis 2014 wurden für Baumfällungen ohne Genehmigungen 70 Bußgeldbescheide erlassen, erklärte Merk. Das waren insgesamt 60 000 Euro.

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