Sprachführer für Taxifahrer Anschnallen auf Tibetisch

Normalerweise sind Taxis sehr sichere Verkehrsmittel. Gewalttätige Fahrer sind äußerst selten.

(Foto: DAH)

"Geht es Ihnen gut?" "Keine Maßkrüge im Taxi" oder "Bitte anschnallen": Diese Sätze sollen die Münchner Taxifahrer bald in 74 Sprachen beherrschen. Ein Sprachführer machts möglich. Für die Wiesn gibt es eine Extra-Ausgabe.

Von Michael Bremmer

Mehr als sechs Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach München. 20 000 Taxifahrer warten hier darauf, die Gäste an Sehenswürdigkeiten, zurück ins Hotel oder am Ende der Reise an den Flughafen zu bringen. Allerdings sprechen Taxifahrer nicht immer die Sprache ihrer Fahrgäste, und manchmal hilft auch die Zeichensprache nur bedingt weiter. Hier will nun Gabriele Kröber helfen. Die Filmeditorin, Jahrgang 1962, hat einen Sprachführer für Münchner Taxifahrer veröffentlicht. 21 Fragen, die Taxifahrer bei ausländischen Fahrgästen sehr häufig benötigen, sind in dem kleinen Büchlein in 74 Sprachen übersetzt.

SZ: Frau Kröber, wieso interessieren Sie sich als Filmschaffende für das Wohl der Taxifahrer?

Gabriele Kröber: Ich hatte schon immer einen guten Draht zu Taxifahrern. Schon früher, als ich noch im Zoozie'z gejobbt habe, spielte ich nachts nach der Schicht mit den Taxifahrern lieber Frisbee vor dem Sugar Shack, statt in die Disco zu gehen. Jahre später hat mich dann mal Sönke Wortmann zu einer Filmpremiere ins Arri-Kino gefahren.

Sönke Wortmann ist in München Taxi gefahren? Aber seinetwegen haben Sie nicht den Taxischein gemacht.

Nein, dieses Erlebnis war ja schon vor mehr als 30 Jahren.

Wie kam es dann dazu?

Ich konnte wegen einer gebrochenen Rippe nicht arbeiten und hatte deswegen jede Menge Zeit. Bereits seit Jahren schwebt mir ein "Pfotentaxi" vor, ein Kurierdienst für Haustiere. Meine freie Zeit nutzte ich für die Recherche, welche Voraussetzungen man für so einen Service braucht. Und das Wichtigste dafür ist ein Taxischein. Und für den Schein habe ich mich dann sofort angemeldet.

Sind Sie dann auch Taxi gefahren? Oder woher kommt die Idee für den Sprachführer für Taxifahrer?

"Bitte anschnallen": Bald soll jeder Taxifahrer den Satz in 74 Sprachen können.

(Foto: oh)

Die Idee kam bereits bei dem Kurs. Mein Dozent meinte, dass es wichtig sei, den Satz "Bitte schnallen Sie sich an" auf mehreren Sprachen zu beherrschen. Als ich nachfragte, wie der Satz auf Italienisch oder Spanisch heißt, musste er passen. Und ich hatte eine neue Aufgabe für mich.

Gibt es denn bei Taxifahrern einen Bedarf an diesem Sprachführer?

Ich habe mich umgehört und viele Taxifahrer arbeiten mit einem Übersetzungsdienst aus dem Internet. Ich habe selbst erfahren müssen, wie fehlerhaft das ist, zum Teil richtig absurd.

Und wie haben Taxifahrer auf den Sprachführer reagiert?

Zunächst eher abfällig. "Das ging zwanzig Jahre ohne, wozu brauche ich das denn jetzt?"

Und wozu braucht das nun ein Taxifahrer?

Ich habe es selbst ausprobiert. Ich habe im Juni meine Prüfung auf Anhieb bestanden und bin dann im Sommer, hauptsächlich während des Oktoberfests Taxi gefahren. Und die Reaktionen meiner Fahrgäste waren super.

Welche Reaktionen kamen denn?

Ein junger Serbe wollte mir gleich eine App programmieren. Und eine Baskin war begeistert, dass auch ihre Sprache aufgenommen wurde. "My little language in your book", sagte sie. Sie war richtig bewegt und stolz.

Wieso eigentlich Baskisch? Oder Tibetisch?

Ich hatte nicht den Anspruch, alle Sprachen dieser Welt aufzunehmen. Aber ich wollte einen gerechten Sprachführer machen. Ich weiß, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass ein Tibeter zu mir ins Taxi steigt. Aber ich wollte, wenn ich die Fragen schon auf Chinesisch aufnehme, das Angebot auch in Tibetisch, Mongolisch und Uigurisch bieten. Oder Russisch und Ukrainisch. Oder Wolof und Yoruba. In meinem Buch finden sich jetzt Sprachen, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Aber mal in die Praxis. 21 Fragen in 74 Sprachen - woher weiß denn der Taxifahrer, ob der Fahrgast jetzt Lettisch oder Litauisch spricht?

Zu Beginn des Buches sind alle Sprachen aufgelistet. Da kann der Fahrgast auf die passende Sprache tippen.

Es gibt die Fragen auch auf Persisch - die Schriftzeichen wird jetzt kaum ein Taxifahrer vorlesen können . . . Wie klappt hier die Verständigung?

Die Fragen sind ja auch nicht zum Vorlesen oder zum Aussprechen, sondern, um auf das jeweilige Thema zu tippen. Männer kommen immer mit diesem Punkt, Frauen hingegen verstehen das gleich und sagen mir immer, wie wunderschön die ganzen Schriftzeichen in dem Buch aussehen.

Eine der Fragen lautet: Ist alles in Ordnung? Wenn der Fahrgast nickt, ist ja alles gut. Aber wenn er den Kopf schüttelt . . . Wie erfährt man, was jetzt wirklich los ist?

Dann hält man an und versucht es zu erfahren. Ich kann ja nicht ein Lexikon der Reiseapotheke in allen Sprachen in das Buch einbauen. Für mich ist das jetzige Angebot ein Zeichen der Höflichkeit, ein Zeichen der Gastfreundschaft. Meine Vision wäre, dass das Buch bis zum Oktoberfests in jedem Taxi ausliegt.

In dieser Zeit braucht man aber andere Fragen.

Und deswegen wird es von August an auch eine "Wiesn-Edition" in nur 5 Sprachen geben. Bitte den Maßkrug draußen lassen. Während der Fahrt bitte nicht trinken. Ist Ihnen schlecht? Soll ich anhalten? Brauchen Sie einen Arzt? So in der eher lustigen Art.