Sportstätten nach Olympia 1972 Einmalig und erhaltenswert

Architektonisch sind sie meist spektakulär, doch welche Stadt braucht nach den olympischen Spielen gleich mehrere riesige Sportstätten? Nicht jeder Bau in München hat bis heute überlebt. Auch das Ende der Rudi-Sedlmayer-Halle schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein - bis die FC-Bayern-Basketballer kamen.

Von Christina Warta

Die Liste der Vorschläge war seinerzeit ziemlich lang: "Guglhupf" oder "Strohhut", "Lola-Montez-Spielstätte" oder "Vogel-Strauß-Pavillon", "Sendlinger Amphi" oder "Amateurmausoleum" - so hätten die Münchner die olympische Basketballhalle an der Siegenburger Straße gerne getauft. Doch im Juni 1974 entschieden sich die Mitglieder des Münchner Stadtrats für einen weniger phantasievollen Namen: Die Sporthalle sollte künftig den Namen "Rudi-Sedlmayer-Halle" tragen, benannt nach dem damals kürzlich verstorbenen, langjährigen Präsidenten des Bayerischen Landessportverbandes.

Die Zeiten ändern sich, und so trägt die Rudi-Sedlmayer-Halle seit gut einem Jahr wieder einen neuen Namen: Sie heißt nun "Audi Dome". Die Sporthalle, die vor mehr als 40 Jahren für die Olympischen Sommerspiele errichtet worden war, hat wechselhafte Zeiten erlebt - und sie hätte sie fast nicht überlebt. Das böse Wort "Abriss" kursierte vor einigen Jahren ziemlich häufig im Zusammenhang mit der Immobilie am Grasweg 74.

Kaum zu glauben, wenn man heute in der renovierten Halle zwischen den beiden Körben steht und Bernd Rauch zuhört, wie er mit wachsender Begeisterung über die Rudi-Sedlmayer-Halle spricht. "Diese Halle hier ist für den Basketball konzipiert", ruft der Vizepräsident des FC Bayern München begeistert und deutet mit der rechten Hand in das weite Rund. 40 Jahre nach Olympia ist der Basketball in die Rudi-Sedlmayer-Halle zurückgekehrt. Die totgeglaubte Halle am Westpark ist wiederauferstanden.

Die Nachnutzung olympischer Sportstätten hat noch jeder ehemaligen Olympiastadt Sorgen bereitet. Wie können die architektonisch meist spektakulären Bauten nach den Spielen auch weiterhin sinnvoll ausgelastet werden? Tatsächlich benötigt kaum eine Stadt gleich mehrere, auf größte Zuschauermassen ausgelegte Hallen und Stadien für verschiedene Sportarten. Der Unterhalt und die Instandhaltung solcher Prachtbauten sind teuer, die Hallenmieten, die für Vereine und Sportverbände anfallen, sind hoch.

Das Schlimmste aber sind leer stehende Hallen: wenn Gebäude, die für faszinierende sportliche Darbietungen und für emotionale Höhepunkte gebaut wurden, am Ende ungenutzt vergammeln.

Auch in München gab es solche Bauten: die Haupttribüne des Olympia-Reitstadions in Riem etwa. Während der Sommerspiele verfolgten dort 23.000 Zuschauer die Reitwettbewerbe. Später wurden zwar die verschiedenen Gras- und Sandplätze weitergenutzt, doch die Tribüne füllte sich nicht mehr. Irgendwann sperrten die Behörden sie wegen Einsturzgefahr. Da hatte sich die Natur schon längst ihren Platz auf der Tribüne gesucht: Zwischen den Ritzen gediehen kleine Bäumchen, auch Vögel hatten es sich gemütlich gemacht. 2008 wurde die Tribüne deshalb gesprengt; nachgetrauert hat ihr niemand.