Moderator Nadvornik: Angeblicher Haftbefehl Urteil ohne Richter

Der BR-Sportmoderator Wolfgang Nadvornik ist wegen eines angeblichen Haftbefehls in die Bredouille geraten. Schuld daran ist offenbar sein Ex-Anwalt.

Von C. Rost u. P. Crone

Ob es um eine Panne bei einer Busen-Operation geht oder einen Wirt, der mit 3,33 Promille von der Vespa fällt: Rechtsanwalt Lutz Libbertz kommt regelmäßig in der Boulevard-Presse mit seinen Gerichtsfällen vor.

Wolfgang Nadvornik will die Dienste des Anwalts allerdings nicht mehr in Anspruch nehmen. Der Sportmoderator des Bayerischen Fernsehens hat eigenen Angaben zufolge wegen eines Versäumnisses von Libbertz' Kanzlei nicht nur Ärger mit dem Amtsgericht, er wurde am Montag auch als Moderator von "Blickpunkt Sport" kurzfristig ersetzt. Er muss nun allen möglichen Leuten erklären, weshalb die Abendzeitung am Montagabend titelte: "Haftbefehl gegen Sportmoderator Nadvornik".

Um es vorweg zu nehmen: Es gab nie einen Haftbefehl gegen den 41-Jährigen. Richtig ist, dass er sich am Montag hätte im Amtsgericht einfinden müssen. Gegen ihn sollte wegen eines Verkehrsdelikts verhandelt werden. Im Oktober 2009 war er in Oberhaching mit Handy am Ohr im Auto unterwegs und von der Polizei gestoppt worden. Nadvornik soll ohne Fahrerlaubnis am Steuer gesessen haben. Was genau dahinter steckte, konnte vor Gericht nicht erörtert werden, weil der Moderator nicht zur Verhandlung erschien.

Er habe tagsüber moderieren müssen und sei zudem für Blickpunkt Sport eingeteilt gewesen, sagt Nadvornik. Seinen Anwalt Libbertz habe er am 8. Februar schriftlich darum gebeten, den Gerichtstermin verlegen zu lassen. Das hatte man in der Kanzlei "verbockt", wie Nadvornik sagt. Laut Libbertz hat seine Büroleiterin erst am Montag um eine kurzfristige Terminverschiebung gebeten - und ist beim Vorsitzenden abgeblitzt.

Die Folge war jedenfalls, dass sich der Staatsanwalt über Nadvorniks Fernbleiben ärgerte. Der Ankläger beantragte, ihn beim nächsten Prozesstermin von der Polizei vorführen zu lassen. Der Amtsrichter wollte aber keinen Sicherungs-Haftbefehl gegen Nadvornik erlassen.

Dienstagfrüh eilte der Moderator dann selbst zum Richter, um Schlimmeres zu verhindern. Libbertz hatte inzwischen auch reagiert und eine E-Mail an den 41-Jährigen geschickt: Das alles tue ihm furchtbar leid.Nadvornik hatte sich da allerdings schon einen anderen Anwalt gesucht: Walter Lechner vereinbarte mit dem Vorsitzenden einen neuen Prozesstermin im April.

BR-Sportchef Werner Rabe sagte zu dem Vorfall: "Es ist ärgerlich, dass Wolfgang Nadvornik unterstellt wurde, gegen ihn läge ein Haftbefehl vor. Wir haben ihm den Rücken freigehalten, damit er schnell auf die Falschmeldung reagieren kann." Nadvornik wird wie geplant am kommenden Wochenende wieder in der Sportberichterstattung zum Einsatz kommen, sagte ein BR-Sprecher.chro, cro