Volleyball Hilflos in Hessen

Nicht sein Tag: Herrschings Phillip Trenkler hadert mit seiner Annahmeleistung bei den United Volleys.

(Foto: imago)

Die United Volleys Frankfurt zeigen Herrsching die Grenzen auf

Von Sebastian Winter, Herrsching

Es war ein symbolisches Bild, das sich den nur 1169 Zuschauern in der schwach besetzten Frankfurter Ballsporthalle am Mittwochabend bot. Die Spieler der heimischen United Volleys versammelten sich auf der einen Seite des Netzes vor den Fotografen, sie jubelten eifrig in die Kameras. Auf der anderen Seite lagen Ferdinand Tille, Roy Friedrich und andere Herrschinger auf dem Hallenboden, enttäuscht, frustriert - und ziemlich gedemütigt. Die Erstliga-Volleyballer vom Ammersee hatten ihre Auswärtspartie in Frankfurt nach gerade einmal 71 Minuten mit 0:3 (20:25, 11:25, 21:25) verloren, vor allem der zweite Satz kam einem Offenbarungseid gleich. Im Hinspiel hatte Herrsching den ambitionierten, aber damals ähnlich chancenlosen Aufsteiger noch mit 3:0 vom Feld gefegt. "Glücklicherweise hat Herrsching seitdem nicht die starke Entwicklung gemacht, die wir heute eigentlich erwartet hatten. Damit haben sie uns die Revanche ziemlich leicht gemacht", sagte United-Cheftrainer Michael Warm.

Über Herrschings Spiel legte sich in der Fremde ein weiteres Mal eine bleierne Schwere, die die Mannschaft bei ihren Heimspielen so fast nie zeigt. Schon früh ließen die Spieler die Köpfe hängen, Hauptangreifer Daniel Malescha, der seinen Rhythmus das ganze Spiel über vergeblich suchte, haderte oft mit sich und seinen schwachen 29 Prozent Angriffsquote, Tille und Julius Höfer bekamen sich wegen eines Missverständnisses bei der Abwehr in die Haare. Dass Malescha an guten Tagen den Herrschinger Angriff trägt wie kein zweiter Spieler, ist nichts Neues. Spielentscheidend an diesem für den TSV so tristen Abend war aber auch der enttäuschende Aufschlag-Annahme-Komplex.

Den Herrschingern, die im ersten Satz bis zur 8:7-Führung noch sehr vernünftig gespielt hatten, gelangen im weiteren Verlauf gerade einmal zwei direkte Aufschlagpunkte - bei elf Servicefehlern. Die Frankfurter hingegen machten nur sechs Fehler, zugleich gelangen ihnen neun direkte Punkte, "eine abartige Quote", sagte TSV-Trainer Max Hauser. Überhaupt wackelte die Gäste-Annahme, die ohnehin - Nationalspieler Tille ausgenommen - nicht unbedingt eine Stärke Herrschings ist, gewaltig. Phillip Trenkler, Höfer und selbst der an diesem Abend unsicher wirkende Tille machten viermal so viele direkte Fehler wie der Gegner.

Es sind Statistiken, die zeigen, wie eklatant der Unterschied beider Klubs in diesem Komplex war. Vor allem im zweiten Satz wurde er deutlich, als Frankfurts Zuspieler Jan Zimmermann seine Mannschaft mit starken Aufschlägen 5:0 in Führung brachte und die verunsicherten Herrschinger daraufhin völlig einbrachen. Im dritten Satz zeigten sie dann wie zu Beginn des Spiels gute Ansätze und gingen erneut 8:6 in Führung. "Wir haben da nicht schlecht gespielt, aber unsere Chancen nicht genutzt. Bis auf den komischen zweiten Satz war es aber ein 0:3 der besseren Sorte", sagte Patrick Steuerwald. Herrschings Kapitän und Zuspieler war auch mal wieder einer der besseren Herrschinger, nach der Partie nahm der 30-Jährige seine sechste Medaille für den wertvollsten Spieler entgegen - im 17. Saisonspiel des TSV. Sie glänzte silbern, für den Verlierer. Die Goldmedaille bekam Frankfurts 30 Zentimeter größerer Diagonalspieler Christian Dünnes, der ehemalige Hachinger hatte 14 Punkte erzielt.

Die Aussichten für den Tabellensiebten Herrsching, drei Spieltage vor dem Rückrundenende noch den zwei Punkte entfernten Playoff-Platz sechs zu erreichen und den TV Bühl abzufangen, sind nun auf ein Minimum gesunken. Denn während Herrsching an diesem Samstag den deutschen Meister VfB Friedrichshafen empfängt, spielen die Badener zu Hause gegen den Drittletzten Königs Wusterhausen und können punkten. Andererseits hat der TSV sein Ziel, zumindest Achter zu werden und damit Heimrecht in den Pre-Playoffs zu haben, erreicht. Die Niederlage in Frankfurt kann der Klub also verschmerzen.

Die deutliche Pleite hatte einen weiteren Vorteil: Die Herrschinger Delegation kehrte schon um zwei Uhr nachts zurück, früher als gedacht. Trainer Max Hauser war das ganz recht, denn der Wecker des Gymnasiallehrers hat tags darauf wieder sehr früh geklingelt.