Volleyball Entscheidende Prüfung

Herrschings Volleyballer Tom Strohbach pendelt zwischen Universität, Halle und Sand. Im Spätsommer wagt der Psychologie-Student seinen bislang größten Sprung - der 26-Jährige wechselt ins Ausland.

Von Sebastian Winter, Grafing/Herrsching

Am Ende waren sie einfach nur platt, physisch, mental, das Turnier hatte Tom Strohbach und Pablo Karnbaum die letzte Energie geraubt. Und ihre abschließenden Gegner, die Berliner Mäurer/Westphal, immerhin 19. der deutschen Beachvolleyball-Rangliste, hatten sie im Spiel um Platz drei am Sonntag förmlich vom Platz gefegt. Was kein Wunder war, immerhin war Westphal mal eine große Nummer im deutschen Hallenvolleyball, 75-maliger Nationalspieler und 2014 WM-Dritter, dazu mit Roeselare belgischer Meister und Pokalsieger. 15:21 und 8:21, so lautete das Ergebnis beim Beachvolleyball-Masters im schwül-heißen Ebersberger Klosterbauhof aus Strohbachs und Karnbaums Sicht.

Es war das ernüchternde Ende einer erstaunlichen Reise, die das ungleiche Duo, das für den TSV Grafing startet, bis ins Halbfinale geführt hatte - wo es den bayerischen Meistern Kroha/Schlegel in zwei denkbar knappen Sätzen unterlag. Trotz der Anfeuerungsrufe der knapp 1000 Zuschauer und der Kameras des Bayerischen Fernsehens. Sie waren dennoch zufrieden, auch Strohbach, der ehemalige Nationalspieler, der 2013 mit Haching den DVV-Pokal gewann und seit 2016 beim Erstligisten TSV Herrsching spielt. Und sich auf Sand sein Basecap immer mit dem Schild nach hinten auf den Kopf setzt.

„Ich liebe dieses Flair“: Tom Strohbach (r.) erwartet mit seinem Partner Pablo Karnbaum im Halbfinale des Ebersberger Masters einen Aufschlag.

(Foto: Christian Endt)

Die Frage ist: Warum tut sich Strohbach, 26, in den Endzügen seines Psychologie-Studiums, das an: Turniere spielen, die als hochkarätigste in Bayern gelten, bei denen man als Halbfinalist aber gerade mal 100 Euro bekommt, die allein vom Startgeld und der Verpflegung aufgefressen werden? Im Sand ist Volleyball noch weit weniger lukrativ als in der Halle, außer man heißt Laura Ludwig oder Julius Brink. Strohbach hat auch keine Ambitionen, sich für die DM in Timmendorfer Strand zu qualifizieren, wie Mäurer/Westphal. Er braucht die Punkte nicht, deretwegen die Berliner den Weg auf sich genommen haben. Strohbach sagt: "Ich liebe einfach dieses Flair bei den Turnieren."

Es ist sein Hobby, ein Ausgleich für die Hallensaison. Schon voriges Jahr wurde er mit Karnbaum Dritter der bayerischen Meisterschaft und der Hochschul-DM. Sie trainieren einmal pro Woche zusammen, plus Krafttraining und Physiotherapie. Ein entspanntes Sparprogramm. So wollen sie auch in die vier noch geplanten Turniere gehen. Ohne Druck. Das Spiel auf Sand ist außerdem eine gute Vorbereitung für das Abenteuer, in das sich Strohbach im Spätsommer stürzt - sein künftiger Trainer hat ihm jedenfalls geraten, am Ball zu bleiben.

Fliegendes Nordlicht: Tom Strohbach war seit 2016 neben Ferdinand Tille (Mitte hinten) die Annahmestütze bei Herrschings Volleyballern.

(Foto: imago/Ulmer)

Strohbach verlässt Herrschings Volleyballer, das war schon länger klar. Er hat dem Klub seine Entscheidung direkt nach dem Saisonende Anfang April mitgeteilt. Der Außenangreifer mit der hervorragenden Annahme wechselt ins Ausland, wohin, verrät er noch nicht, weil sein neuer Klub den Wechsel noch nicht veröffentlicht hat. Tendenz: Polen oder Italien, zwei der besten Ligen der Welt. "Es war keine Entscheidung gegen Herrsching, ich schiebe das Thema Ausland einfach seit vier Jahren vor mir her. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt", sagt Strohbach. Er verdient dort natürlich mehr Geld als am Ammersee, er möchte aber auch persönlich reifen, über den Tellerrand schauen.

Strohbach, in Neustadt-Glewe im hohen Norden aufgewachsen und in Berlins Volleyball-Stützpunkt ausgebildet, war immer schon ein reflektierter Spitzensportler. Einer, der richtig studieren wollte - und sich nicht nur alibimäßig an der Uni einschreiben. Der viel mehr Länderspiele hätte machen können als jene 36, die in seiner Vita stehen - wenn er denn nach der harten Klubsaison auch noch den ganzen Sommer auf dem Feld hätte stehen und auf Studienprüfungen verzichten wollen. Der 2016 ein Angebot von Friedrichshafens Trainer Vital Heynen ausschlug und lieber nach Herrsching ging, wo er im nahen München weiter studieren konnte. Strohbach war immer klar, wie wichtig die zweite Karriere im Randsport ist. Zugleich ist er einer, der sehr selbstkritisch, manchmal zu selbstkritisch ist. Seinen Herrschinger Trainer Max Hauser hat Strohbach mit seiner nachdenklichen Art nicht selten fast zur Verzweiflung gebracht. Und manchmal stand er sich damit auf dem Feld auch selbst ein wenig im Weg.

Andererseits ist er nun auf der Zielgeraden, am Dienstag ist Abgabetermin für die Bachelor-Arbeit, danach sind noch zwei Prüfungen. Ende August beginnt für Strohbach dann sein Abenteuer im Ausland. "Das wird eine harte Nuss", sagt er. Er möchte sie knacken, wo er das Thema, auch wegen seiner beruflichen Zukunft, so lange vor sich hergeschoben hat.