Tischtennis Liebevolle Kinderbetreuung

Drittligist Schwabhausen startet mit zwei Teenagern durch

Von Andreas Liebmann, Schwabhausen

Als Herbert Grönemeyer erstmals das Lied "Kinder an die Macht" knödelte, da war von den vier Tischtennisspielerinnen, die zurzeit für das Drittliga-Team des TSV Schwabhausen antreten, überhaupt erst eine auf der Welt. 1986 war das, Cristina Tugui war zu dieser Zeit noch keine drei Jahre alt und lebte in Rumänien. Heute könnte dieses alte Lied glatt als Hymne herhalten für jenes Quartett, das Tugui als Kapitänin anführt. Denn mit 32 ist sie die weitaus Älteste. Die Nummer vier, Sarah Mantz, ist 15, die Nummer eins, Natalia Mozler, ist 14. Mozler hat von Tugui folgerichtig den Spitznamen "Kind" erhalten, tatsächlich sollen sogar im Einsatzplan des TSV die Namen Cris, Andi, Sarah und Kind stehen. Das Erstaunliche: In dieser Aufstellung hält die zweite Mannschaft des TSV Schwabhausen nicht nur mit, sie steht sogar auf Rang drei - lediglich drei Punkte hinter dem Spitzenreiter, dem achtmaligen deutschen Meister TTC Langweid.

Sogar für die größten Pessimisten im Klub sollte seit dem vergangenen Wochenende der Ligaverbleib sicher sein. Denn da gewannen die Vier ihre ersten beiden Rückrundenspiele. 6:3 beim Tabellennachbarn BSC Rapid Chemnitz, 6:2 tags darauf beim abstiegsbedrohten SV Schott Jena. Tatsächlich hatten die Verantwortlichen im Klub lange Zeit Abstiegsangst gehabt, selbst als die Mannschaft Mitte der Vorrunde plötzlich Erster war. Denn da wurde sie von Eva-Maria Maier angeführt, es war aber klar, dass die 20-Jährige alsbald nur noch in der Erstligamannschaft antreten dürfte. Und ohne die etatmäßige Nummer eins . . .?

Natalia Mozler und Sarah Mantz spielten zu dieser Zeit noch im Regionalligateam. Sie sollten sich über gute Leistungen empfehlen, hatte Trainer Alexander Yahmed gefordert. Und das taten sie. Mozler verlor in der vierten Liga nur eins von zwölf Einzeln, Mantz zwei. Und bei ihren Aushilfseinsätzen in Liga drei gab Mozler in der Vorrunde in fünf Einzeln keinen Satz ab. "Respekt, wie sie sich hochgearbeitet haben", lobt Yahmed. Der Trainer sagt, er sei schon lange fest vom Ligaverbleib ausgegangen, zu groß sei das Potenzial des Teams. "Klar können wir gegen jeden verlieren, aber wir können auch unglaublich viele schlagen", schwärmt er.

Mantz ist bayerische Meisterin, die jüngere Schwester der Erstligaspielerin Chantal Mantz habe sich deutlich verbessert, findet Yahmed; ähnlich wie Mozler, die enorm diszipliniert und ehrgeizig sei. Mantz gewann am Wochenende ein Einzel, Mozler zwei, doch es ist vor allem die Mischung, die passt. Andrea Welz an Position zwei ist 26, "sie ist immer gut drauf", lobt Yahmed. "Todkrank" sei sie gewesen während der Partien in Thüringen und Sachsen, dennoch gewann sie drei ihrer vier Einzel. Welz hat für Hassia Bingen zweite Liga gespielt, ehe sie nach Schwabhausen kam. Auch Tugui hat einige Zweitliga-Jahre hinter sich, sie kümmere sich "herzlich und liebevoll" um alle. So hat er es leicht, sagt Yahmed: In dieses tolle Team könne man Nachwuchs bedenkenlos reinstecken. Tugui übrigens hat - Jugendstil hin oder her - am Wochenende alles gewonnen, drei Einzel und zwei Doppel.