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Los Angeles, München, Memmingen, Prag: Eva-Marie Voracek führt ein internationales Tennisleben - und überzeugt beim 9:0-Erfolg des TC Luitpoldpark über Iphitos.

Von Matthias Schmid

Eva-Marie Voracek kann nicht nur mit Bällen, sondern auch mit Sprachen umgehen. Als sie ihren Matchball am Sonntag gegen Sophia Bergner verwandelt und den letzten Punkt zum 6:2 und 6:3 gemacht hatte, suchte sie sich einen Platz, um ihrer Klubkollegin Dia Evtimova zuzusehen, die sich gerade im Match-Tiebreak des dritten Satzes befand. "Come on", rief sie ihr auf den Platz, auf geht's. Und als Anastasia Zarycka an Voracek vorbeilief, gratulierte die Tschechin ihr in deren Landessprache. Neben Englisch und Tschechisch spricht die 19-Jährige vom Tennis-Zweitligisten TC Grün-Weiß Luitpoldpark natürlich auch Deutsch perfekt, weil sie in Memmingen geboren und aufgewachsen ist. Aber im Allgäu bei ihren Eltern war sie schon länger nicht mehr anzutreffen, nach den letzten Prüfungen an der Loyola Marymount University in Los Angeles flog sie Ende Mai zunächst nach Prag, wo ihre Oma lebt und auch ihr Trainer sein Zuhause hat. Sie bereitete sich dort auf Sand auf die Zweitligasaison vor, die für sie persönlich erst am Sonntag gegen den MTTC Iphitos begann, aber schon am nächsten Sonntag ihren letzten Spieltag hat.

Nach dem 9:0-Kantersieg im Stadtderby steht fest, dass Luitpoldpark mit drei Siegen und nur einer Niederlage auch im Sommer 2019 der zweithöchsten deutschen Spielklasse angehören wird. Auch Voracek wird wieder kommen. "Ich habe keine anderen Pläne für den nächsten Sommer und fühle mich hier im Klub sehr wohl", sagt sie mit einem Lächeln.

Sie alle hoffen im Luitpoldpark, dass Voracek dann ein paar Spiele mehr für den TC bestreiten wird. Obwohl das Semester schon Anfang Mai beendet war, verlängerte sich ihr Aufenthalt in Los Angeles noch um ein paar Tage, weil sie bei den nationalen Meisterschaften im Doppel die Endrunde erreichte. "Das Niveau ist sehr gut dort", erzählt Voracek, die nun ihr zweites Semester beendet hat und sich künftig um Internationale Beziehungen kümmern will. Sie hat die Entscheidung, aufs College zu gehen, ganz bewusst getroffen. Sie wollte neben der Tenniskarriere auch die akademische Laufbahn vorantreiben. "Zu riskant" erschien ihr die Aussicht, sich ausschließlich dem Tennis zu widmen. "Man kann sich ja schnell verletzen", fügt sie hinzu. Und außerdem würde es ihr auch fehlen, am Vormittag nicht die Vorlesungen besuchen zu dürfen und abends die Lehrbücher aufzuschlagen, um zu lernen. Sie kommt dabei in den Genuss eines vollumfänglichen Stipendiums, Mahlzeiten, Bücher, Unterkunft und selbst die Tennisklamotten bekommt sie umsonst. "Nur den Flug muss ich bezahlen", sagt Voracek, die vorhat, bis zum Bachelor-Abschluss in den Vereinigten Staaten zu bleiben.

„Ich habe keine anderen Pläne für den nächsten Sommer“: Eva-Marie Voracek wird wohl auch 2019 für den TC Grün-Weiß Luitpoldpark aufschlagen. Im Klub wünschen sie sich, dass sie dann ein paar mehr Spiele für den Zweitligisten macht.

(Foto: Claus Schunk)

Danach will sie als Profispielerin um die Welt tingeln, Geld verdienen und in der Weltrangliste klettern. "Ich bin dann mit 22 Jahren ja noch jung genug, um es zu probieren", sagt Voracek, die ein aufregendes Grundlinientennis spielt. Vor- und Rückhand spielt sie flach und mit viel Wucht, aber auch den Slice oder den Topspin hat sie im Repertoire. Das Jahr im Ausland habe ihr gut getan, sagt Voracek. Vor allem auf dem Platz sei sie ruhiger geworden. "Ich treffe jetzt in den kritischen Momenten die besseren Entscheidungen." Nach der Zweitligasaison will sie bei einigen Weltranglistenturnieren auf der untersten Profiebene mitspielen, bevor sie wieder in die USA reist. Im Moment ist sie im weltweiten Ranking auf Position 1088 gelistet.

Dass sie und ihre Mitspielerinnen sich gegen Iphitos so leicht getan haben, lag an dessen Aufstellung, mit fünf deutschen Spielerinnen waren die Gäste angetreten, nachdem sie drei Siege in dieser Spielzeit errungen haben. Aufsteigen will der MTTC nicht, deshalb schickte er eine preisgünstige Mannschaft zum Stadtderby. Luitpoldpark hatte dagegen seine stärkste Formation aufgeboten, Vereins-Ehrenpräsident Jochen Laass sagte: "Ich hätte mir gewünscht, dass Iphitos stärker antritt."

TC Großhesselohe siegt

Zum Auftakt der Bundesligasaison haben die Herren-30-Mannschaften des TC Großhesselohe und des TC Dachau jeweils ihre erste Partie gewonnen. Während die Dachauer am Samstag beim SC SaFo Frankfurt mit 6:3 siegten, setzten sich die TCG-Spieler, die im vergangenen Jahr die Endrunde erreichten, zuhause gegen den Aufsteiger TC Güglingen mit 8:1 durch. Unter anderem trat für Großhesselohe der frühere Davis-Cup-Spieler Christopher Kas an, der sowohl sein Einzel als auch sein Doppel an der Seite von Maximilian Wimmer gewann. Die Mannschaft des MTTC Iphitos hatte noch spielfrei. Matthias Schmid

Den Spielerinnen um Voracek war es gleichgültig. Sie hatten ihren Spaß, an der Seite von Verena Gantschnig gewann die 19-Jährige auch ihr Doppel. Sie reiste dann am Abend noch weiter nach Memmingen. Viel von ihrer Tochter werden ihre Eltern aber nicht haben. Am Montag ging es gleich weiter nach Prag, wo auch ihr Bruder studiert und sie wieder trainieren wird.