Tennis Bitterer Korb

"Mit Nikola hätten wir mehr Chancen gehabt": So verlor Dachau seine drei Einzel gegen Iphitos knapp im Match-Tiebreak, und das Spiel mit 3:6. Auch der Einzelerfolg von Richard Malobicky (im Bild) änderte nichts mehr daran.

(Foto: Toni Heigl)

Dachaus Herren 30 verlieren ihr Bundesliga-Derby gegen Iphitos München mit 3:6 - auch weil Spitzenspieler Nikola Gnjatovic dem Klub am Vorabend wegen persönlicher Probleme kurzerhand absagt.

Von Matthias Schmid, Dachau

An persönlichen Problemen lässt man seine Freunde auf Facebook meistens nicht teilhaben. Peter Schuster, der Mannschaftsführer des TC Dachau, hatte also keine Möglichkeit nachzuprüfen, was Nikola Gnjatovic dazu bewog, am Abend vor der Partie in der Herren-30-Bundesliga gegen den MTTC Iphitos seine Teilnahme kurzerhand abzusagen. Der serbische Tennisspieler hatte nur vage mit persönlichen Problemen begründet, warum er die Reise nach Dachau plötzlich stornierte. Mit "Wahnsinn" und "bitter" beschrieb Schuster ziemlich enttäuscht die Absage seines Spitzenspielers, um dann recht nüchtern festzustellen: "Mit Nikola hätten wir mehr Chancen gehabt."

Ohne Gnjatovic hatten die Dachauer gegen die Münchner am Ende mit 3:6 das Nachsehen, es war die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel - und es war viel knapper als das Ergebnis aussagt, weil drei Einzel erst im Match-Tiebreak entschieden wurden.

Dass im Mannschaftstennis Änderungen bei den Aufstellungen in letzter Sekunde dazugehören, weiß auch der Kontrahent aus München aus leidvoller Erfahrung. "Wir wollten eigentlich ganz anders spielen", gab Fabian Ziemer zu. Der Mannschaftsführer des MTTC musste aber zumindest nicht wenige Stunden vor dem ersten Ballwechsel eine neue Nummer eins suchen. Dass der Däne Kristian Pless antrat, stand schon länger fest. Er ist bei Iphitos nach dem Abschied des früheren Davis-Cup-Spielers Alexander Waske das neue prominente Mitglied im Kader. Der heute 36-Jährige war ein hochbegabter Junior, ein Versprechen für eine große Zukunft auf der ATP-Tour, der Profitour der Männer, er führte nicht nur als erster Däne überhaupt die Junioren-Weltrangliste an, sondern gewann in den Australian Open sogar ein Grand-Slam-Turnier. Später als Profi wartete der Linkshänder zwar vergeblich auf einen Titel, aber er spielte immerhin so gut, dass er im Januar 2002 in der Weltrangliste bis auf Position 65 geklettert war - seine höchste Platzierung.

"Der spielt schon herausragend", schwärmte Schuster. Aber auch Dachau hat exzellente Spieler zu bieten. In Alexander Radulescu spielte gegen Iphitos ein Mann, der in seiner Karriere als professioneller Tennisspieler etwas geschafft hat, was den meisten verwehrt bleibt: die Aufnahme in den legendären "Last-8-Club" in Wimbledon. Mitgliedern werden auf Lebenszeit einige Annehmlichkeiten zuteil, so bekommt der 42-jährige Radulescu, der gegen Münchens Uli Kiendl in drei Sätzen verlor, nach seiner Viertelfinalteilnahme vor 21 Jahren jährlich eine Eintrittskarte für die Anlage an der Church Road im Südwesten von London geschenkt.

Kostenlosen Zugang erhält Dieter Kindlmann zwar nicht, doch der frühere Coach von Maria Scharapowa muss in Wimbledon ebenfalls nichts bezahlen, weil er seit ein paar Wochen die Weltrangliste-13. Madison Keys aus den USA trainiert. "Didi wird zwei- oder dreimal für uns spielen", erzählt Schuster. Kindlmann soll mithelfen, dass die Dachauer nach dem Aufstieg nicht sofort wieder absteigen. Aber gegen Iphitos war er verhindert, da er einer Familienfeier den Vorzug gab, wie Schuster auf Facebook ob einiger Bilder leicht nachforschen konnte. Seit der Absage von Gnjatovic ist er misstrauisch geworden. "Aber in voller Besetzung sollte der Klassenverbleib für uns möglich sein", fügt er hinzu.

Am nächsten Samstag wartet schon das nächste Derby auf die Dachauer, die vor zehn Jahren schon einmal in der höchsten deutschen Liga vertreten waren. Aber beim Tabellenführer TC Großhesselohe sind sie abermals nur Außenseiter. Zumindest hofft Schuster, dass er dann Aleksandar Bajin aufbieten kann, der zurzeit noch eine sehr gute Ausrede für sein Fehlen hat. Caroline Wozniacki, dessen Trainer und Schlagpartner er ist, steht bei den French Open im Viertelfinale. Er wird also erst mitspielen können, wenn die Dänin in Paris ausgeschieden ist.

Fabian Ziemer kennt die beruflichen Verpflichtungen einiger Spieler, die auf der Profitour arbeiten, aus eigener Erfahrung. Er musste da in den vergangenen Jahren sehr viel Rücksicht nehmen. Trotzdem gelang es den Münchnern, sich zweimal nacheinander für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Die beiden Gruppenersten der Südstaffel machen gegen die Besten der Nord-Gruppe den Titel unter sich aus. "Wir wollen wieder vorne mitspielen und schauen, ob es für die Endrunde reicht", sagt Ziemer.

Richtungsweisend stuft er dabei die Partie gegen den TC Großhesselohe am 9. Juli ein, der mit zwei Siegen in die Saison gestartet ist. Dass Iphitos in Dachau gewinnen konnte, hatte der Klub auch Philipp Kohlschreiber zu verdanken. Der Davis-Cup-Spieler erlaubte seinem Trainer Stephan Fehske kurzfristig die Teilnahme, obwohl sie eigentlich zum Training verabredet waren. Fehske siegte und sicherte so den entscheidenden fünften Punkt im Einzel. Manchmal erlebt man als Mannschaftsführer auch positive Überraschungen bei der Spielersuche. Solche gute Nachrichten wünscht sich auch bald Peter Schuster.