Sportlerehrung der Stadt München Würdigung mit Stiel

Bei der Veranstaltung im Alten Rathaus bekommen auch die Athleten ein Dankeschön, die eher selten im Fokus stehen. Statt Edelmetall werden ihnen Rosen überreicht.

Von Ralf Tögel

15 junge Damen in festlicher Abendgarderobe und mit je einer Rose in der Hand, daneben ein junger, gut aussehender Mann. Bei diesem Anblick auf der Bühne im Alten Rathaussaal zu München kam dem geneigten Beobachter natürlich sofort diese nicht über die Maßen anspruchsvolle Fernsehshow "Der Bachelor" in den Sinn. War es natürlich nicht, denn die jungen Damen hatten mehr zu bieten als ihr Aussehen, etwa den Gewinn eines Europapokals. Es waren die Hockey-Frauen des Münchner SC nebst Trainer André Schriever. Und es handelte sich natürlich nicht um die öffentliche Suche eines Junggesellen nach einer Partnerin, sondern um die Sportlerehrung der Stadt München.

Was nicht nur gehaltvoller, sondern auch unterhaltsamer war. Nina Hasselmann etwa ließ sich von Moderator Markus Othmer überreden, ihm mit Interviews im Saal zur Seite zu stehen, was die ehemalige Hockey-Nationalspielerin mit Witz und Talent erledigte. Dass die Geehrten eine Rose anstatt der üblichen Medaille von der Stadt erhielten, war einem Fauxpas des Sportamts geschuldet, denn das edle Metall wurde nicht rechtzeitig fertig.

Es war dennoch ein kurzweiliger Abend, durch den der routinierte BR-Moderator gewohnt launig führte. Als er Tobias Schweinsteiger, der als Trainer der deutschen U 17-Meistermannschaft des FC Bayern geehrt wurde, daran erinnerte, dass er ja seit Neuestem Onkel sei, sagte der: "Da kann ich aber wenig dafür", worauf Othmer nicht weniger flapsig entgegnete: "Das ist wahrscheinlich auch besser so."

Mats Hummels und Robert Lewandowski wurden nicht gesichtet, Tom Starke hatte Zeit

Es wurde viel gelacht an diesem Abend, obwohl es auch einige Arbeit zu erledigen gab: 341 Sportlerinnen und Sportler wurden von der Stadt München für herausragende Leistungen im Jahr 2017 geehrt, insgesamt 90 mehr als im vergangenen Jahr. Davon 26 Mannschaften, von denen wiederum neun aus dem Juniorenbereich stammen. Die Landeshauptstadt hat also keinen Grund zur Sorge, was den Spitzensport betrifft.

Gleichwohl war es Gastgeberin Christine Strobl ein Anliegen, an die vielen Sportler der Stadt zu erinnern, die es eben nicht in den alten Rathaussaal geschafft haben, um bei einem festlichen Drei-Gänge-Menü das vergangene Sportjahr zu feiern: "Wir tun viel für den Spitzensport, versuche aber auch immer die Rahmenbedingungen für den Breitensport zu verbessern, was bei 1,6 Millionen Menschen in der Stadt keine leichte Aufgabe ist."

Die Sportbürgermeisterin erinnerte dabei an die Schuloffensive der Stadt, die 3,8 Milliarden Euro kosten werde, an insgesamt 115 neu zu errichtende Einheiten in diversen Sporthallen der Stadt und vier neue Schwimmbäder. Auch für den Leistungssport lege sich München weiter ins Zeug. Strobl erwähnte die neue Multifunktionshalle für Eishockey und Basketball im Olympiapark, den Kletterweltcup, die Beachvolleyball-WM der Studenten und die Handball-WM im kommenden Jahr, bei der in der Olympiahalle gespielt wird.

Bei diesem Stichpunkt wurde die Sportbürgermeisterin für einen Moment etwas wehmütig und erzählte, wie sie als Kind die Olympischen Spiele in München erlebt habe. Sie machte keinen Hehl daraus, wie gerne sie die Winterspiele 2018 in ihrer Stadt begrüßt hätte: "Wir hätten ein bisschen weniger Wald abholzen müssen als die Südkoreaner und auch mehr Zuschauer gehabt." Auch einen Seitenhieb an das Sportamt und die fehlenden Ehrenmedaillen konnte sich die Sportbürgermeisterin nicht verkneifen: Die Sportler könnten sich vielleicht "in Sachen Trainingsprogramm, Zielsetzung und Umsetzung mit dem Sportamt in Verbindung setzen", dann wären wohl derlei Missgeschicke zukünftig zu vermeiden, wie Strobl augenzwinkernd anmerkte. Die Medaillen würden selbstredend nachgeliefert.

Viele große Namen standen auf der illustren Liste der Geehrten, doch weder Mats Hummels noch Robert Lewandowski wurden gesichtet, für den deutschen Fußballmeister nahm immerhin Ersatz-Torhüter Tom Starke die edle Schnittblume in Empfang. Starke ist ja eigentlich Torwarttrainer der Jugendakademie, wegen des Ausfalls des Kollegen Manuel Neuer aber streift er selbst wieder die Handschuhe über. Neuer im Übrigen wurde auch nicht gesichtet, der hätte ja Zeit gehabt.

Für Tischtennisspieler Daniel Rinderer war der Umzug ein kleiner Kulturschock

Es waren aber auch so einige bekannte Gesichter im Saal, allein der FC Bayern entsandte in den U 14- und U 17-Basketballern sowie den großen und den U 17-Kickern vier nationale Meisterteams, der weiß-blaue Münchner Konkurrent konnte mit vier Einzel-Titelträgern kontern, allerdings in den Disziplinen Ski alpin und Boxen. Prominentester Löwen-Meister war zweifellos Linus Straßer, der neben einem Weltcup auch im Riesenslalom, Slalom und der Kombination den deutschen Titel gewann. Straßer gab als Ziel gleich die nächsten Winterspiele aus, bis dahin "will ich noch das ein oder andere Weltcup-Rennen gewinnen". Für den deutschen Eishockey-Meister EHC Red Bull München nahm Manager Christian Winkler die Ehrung in Empfang, die Mannschaft ist gerade dabei, diesen erneut in die Stadt zu holen. Winkler erinnerte an die "bayerische DNA", die beim Meister verankert sei.

Es waren aber nicht nur die prominenten Namen, die dem Abend einen besonderen Esprit gaben, es waren vor allem die Athleten, die sonst nicht im Fokus stehen. Wie die Judo-U23-Europameisterin Amelie Stoll vom TSV Großhadern, Daniel Duda vom Gehörlosensportverein München, der bei den Deaflympics im Team-Bowling Gold gewonnen hat. Wie die Rollstuhlbasketballerinnen Laura Fürst, Johanna Welin, Katharina Lang, Catharina Weiß und Anne Brießmann, allesamt EM-Zweite. Die deutschen Einrad-Meisterinnen des USC München, die Isarnixen oder der Tischtennisspieler Daniel Rinderer, den der FC Bayern aus dem niederbayerischen Ruhmannsfelden nach München holte, was für den 16-jährigen Mixed-Europameister ein kleiner Kulturschock war: "Ich komme vom Land, das war eine Umstellung. Die Straßen sind hier sehr voll, in München gibt es schon sehr viele Leute."

Und nicht wenige von ihnen verstehen es vorzüglich, Sport zu treiben.