Skicross-Weltcup "Und Heidi gehört dazu"

San Candido oder Innichen, Hauptsache Italien: Skicrosserin Heidi Zacher freut sich über ihren Triumph in Südtirol. Es ist der zweite Weltcup-Sieg.

(Foto: Matthias Hauer/Imago)

Als Siegerin von Innichen kehrt Skicrosserin Zacher endgültig in die Weltspitze zurück. Nun hofft die Lenggrieserin auf eine verletzungsfreie Saison

Von Ralf Tögel, Lenggries

Im Juli 1904, so ist es überliefert, bestieg der Italiener Ettore Tolomei mit seinem Bruder Ferruccio den 2911 Meter hohen Klockerkarkopf in den Zillertaler Alpen. Auf dem Gipfel meißelte der adlige Faschist ein "I" in den Fels, um damit den Besitzanspruch der Italiener auf den österreichischen Berg für alle Zeiten zu dokumentieren. Er nannte ihn fortan "Vetta d'Italia", die Spitze Italiens. Ein Affront für die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung Südtirols, noch heute ist die Italianisierung ihres geografischen Namensgutes für die Südtiroler ein heikles Thema. Heidi Zacher dagegen ist es ziemlich egal, ob der kleine Wintersportort im Hochpustertal nun San Candido oder Innichen heißt, die Lenggrieserin wird in jedem Fall auch weiterhin gerne dorthin zurückkehren. Denn auf der Skicross-Piste des angrenzenden Skigebiets Haunold hat sie am vergangenen Samstag einen von zwei Skicross-Weltcups gewonnen. Am Sonntag konnte sie immerhin das kleine Finale für sich entscheiden und wurde Fünfte.

Innichen also, sagt Zacher, "ist für mich immer wieder eine Reise wert. Ich komme gerne hierher." Die 27-Jährige stand bereits 2010 und 2013 als jeweils Dritte auf dem Siegertreppchen, so hoch wie dieses Mal ist sie aber erst einmal in ihrer Karriere geklettert: in St. Johann in Österreich, und das ist schon vier Jahre her. Es wird wohl wenige geben, die Zacher diesen Erfolg nicht gönnen. Die Lenggrieserin hat eine nicht gerade einfache Zeit hinter sich. Nachdem Zacher ihre bislang beste Saison 2011 mit dem zweiten Platz im Gesamtweltcup abgeschlossen hatte, zog sie sich zu Beginn des folgenden Winters einen komplizierten Bruch des linken Unterschenkels zu. Zacher musste eine komplette Saison auslassen und kämpft seither immer wieder mit Verletzungen und um den Anschluss an die absolute Weltspitze.

Auch die Hinführung auf die aktuelle Rennsaison hatte mit einer ungewollten Regenerationsphase begonnen. Zacher hatte die Vorsaison nach einem Sturz im Heimrennen am Tegernsee im Februar vorzeitig beenden müssen, wobei sie eine hartnäckige Beckenmuskelverletzung davontrug. Danach immerhin hatte sie eine störungsfreie Vorbereitungsphase. Es war ihre zweite unter Cheftrainer Peter Stemmer, eine Zusammenarbeit, die sich langsam auszuzahlen beginnt. Schon bei den ersten Trainingseinheiten auf Schnee "hatte ich ein gutes Gefühl", erinnert sie sich. Das hat sich bestätigt: "Ich bin körperlich fit und habe skifahrerisch nochmals einen Schritt nach vorne gemacht." Zwei elften Plätzen zum Beginn der Weltcup-Saison folgte Rang vier im österreichischen Montafon, wo Zacher noch im Finallauf Pech hatte, als sie mit einer Kontrahentin leicht kollidierte und Schwung verlor. Doch der Aufwärtstrend setzte sich fort. In Innichen fuhr Zacher recht problemlos ins Finale der besten Vier, wo sie dieses Mal in den Genuss einer für Skicross typischen Fügung kam: Nach mäßigem Start lag Zacher im Finallauf auf dem letzten Platz, doch die drei Kontrahentinnen vor ihr beharkten sich derart, dass Zacher, die sich aus den Scharmützeln heraushielt, dies nutzen konnte und an ihnen vorbeirauschte.

Das zweite Rennen lief nicht ganz nach Belieben, Zacher verpasste zwar das Finale, krönte mit Rang fünf aber ihr bestes Rennwochenende seit langem. "Jetzt bin ich da, wo ich hin wollte", sagt sie, nämlich in der Weltspitze. Auch Heli Herdt, der Sportliche Leiter der Skicrosser, findet, dass seine Athletin zu den Besten zählt: "Die ersten sechs bis acht Läuferinnen sind alle auf einem Niveau, die machen die Rennen unter sich aus. Und Heidi gehört dazu." Der Sieg von Innichen soll laut Herdt nicht das letzte Wort gewesen sein: "Wenn alle Rennen stattfinden, ist jetzt ein Drittel der Saison vorbei, ich erwarte von Heidi noch einiges." Zacher selbst hat den Anspruch, in jedem Rennen "vorne mitzumischen", langfristige Ziele will sie sich aber nicht setzen. Zum einen, weil in dieser Saison kein Großereignis ansteht, zudem weiß sie nur zu gut, dass "im Skicross viel passieren kann". Einen Höhepunkt gebe es allerdings doch noch, sagt sie, das Heimrennen in Ostin am Tegernsee. Das will sie nicht mit einer Verletzung, sondern möglichst auf dem Siegerpodest abschließen.