Skateboard, BMX, Parkour Tempel für die Subkultur

„Deutschlandweit richtungsweisend“: Noch kann man sich kaum vorstellen, dass die ehemalige Fabrikhalle bald zum Actionsportzentrum werden soll.

(Foto: Robert Haas)

Die Stadt billigt die Actionsporthalle auf dem Gelände der alten Eggenfabrik in Pasing. Ein Betreiber muss noch gefunden werden.

Von Ralf Tögel

Für die Münchner Actionsportszene gibt es Licht am Ende des Tunnels. Oder sollte man besser Tube sagen, um im Szene-Jargon zu bleiben? Am Mittwoch hat der Sportausschuss des Stadtrats Konzept und Raumprogramm des geplanten Actionsportzentrums gebilligt. Und damit erstmals belastbare Fakten geschaffen auf dem Weg zu einem Ort, an dem die Freestyle-Sportler der Landeshauptstadt ihrer Leidenschaft unter einem Dach nachgehen können. Sportbürgermeisterin Christine Strobl blickt dem Vorhaben sehr positiv entgegen. Zwar steht erst einmal die Vorplanung an, unter anderem muss noch ein Träger gefunden werden, ehe der Stadtrat darüber zu befinden hat. Strobl ist indes "relativ sicher", dass die Halle kommt: "Der Beschluss war einstimmig, ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch Probleme gibt."

Es liegt ein langer Weg hinter dieser ersten Entscheidung. Seit Jahren fordern vor allem Münchens Skateboarder ein Dach über dem Kopf zum wetterunabhängigen Üben. Das primäre und gleichzeitig größte Problem war, überhaupt eine passende Fläche zu finden - gerade in einer ständig wachsenden Stadt mit überschaubarem Platzangebot wie München keine einfache Übung, wie Strobl anmerkt. Nun ist es gelungen: Die ehemalige Eggenfabrik an der Paul-Gerhardt-Allee in Pasing soll in eine "Sport- und Freizeitstätte mit einem vielfältigen Angebot" umgewandelt werden, "deutschlandweit richtungsweisend", wie die Stadt mitteilt. Was in der Tat gelingen könnte, wenn man einen ersten Blick auf die Pläne wirft. Auf 4000 Quadratmetern soll eine ganze Landschaft für Menschen jeden Alters entstehen, deren sportliche Betätigung gerne über die üblichen Ballsportarten hinausgeht. "Das Sportangebot richtet sich an alle actionsportinteressierten Münchner, unabhängig vom sportlichen Leistungsvermögen, kultureller und sozialer Herkunft, Geschlecht und körperlichen sowie geistigen Voraussetzungen", ist zu erfahren, wichtigste Zielgruppe seien "Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren, gefolgt von den 18- bis 30-Jährigen".

Ein zentraler Punkt ist eine professionelle Betreuung, auch für Schulklassen und Jugendgruppen werde das Zentrum offen stehen. Der Bedarf in München sei zweifelsfrei vorhanden, sagt Beatrix Zurek, Referentin für Bildung und Sport: "Es gibt in München allein rund 6000 Skateboarderinnen und Skateboarder und 2000 Aktive im Bereich BMX. Für diese jungen Leute bauen wir das Actionsportzentrum. Die Eggenfabrik wird mit Sicherheit ein beliebter Treffpunkt für alle Actionsportbegeisterten werden."

Der Bau dürfte mindestens einen hohen einstelligen Millionenbetrag kosten

Das denkmalgeschützte Gebäude mit seinen 1000 Quadratmetern Fläche wird einem Street-Parcours für BMX und Skateboard Platz bieten, mit allem was dazu gehört, wie Rampen, Treppen oder Geländer. Die Aufbauten sollen für Anfänger wie Profis geeignet sein, was im Übrigen für alle Sportarten gelten wird. Auch für jene, die im angrenzenden zweistöckigen Neubau mit insgesamt 3000 Quadratmetern Nutzfläche eine Heimat finden werden. Es wird eine Trampolin-Area geben, Miniramp, Bowl, eine Jump Line für diverse Freerider, angeboten werden Parkouring, Freerunning, Tricking und Slacklining. Auch Freiflächen sind geplant unter anderem mit einer Pumptrack, einer Rundstrecke mit Wellen und Steilwänden für Mountainbiker. Die Hallenhöhe soll bis zu zwölf Meter betragen und Nebenräume wie Umkleiden beinhalten. Neben dem Breitensport wird es aber auch Wettbewerbe und Events geben wie Konzerte, Workshops oder Fortbildungen, ein wichtiger Teil der Actionsportszene. "Aber nicht in einer Größenordnung wie der Munich Mash", erklärt Strobl. Über die Kosten gebe es noch nichts Konkretes mitzuteilen, sagt die Dritte Bürgermeisterin, lediglich die Planungskosten wurden auf 600 000 Euro beziffert. Ein Bauvorhaben dieser Größe dürfte mindestens einen hohen einstelligen Millionenbetrag erfordern, angesichts stetig steigender Baukosten ist Strobl mit einer Prognose vorsichtig.

Nun gilt es zuvorderst einen Betreiber zu finden, der laut Strobl idealer Weise "eher ein Verein aus dem Jugendbereich" ist. In Verwaltungsdeutsch: "Der Betrieb des Zentrums soll einem geeigneten Verein übergeben werden, der die multifunktionale Sportstätte zielgruppengerecht und wirtschaftlich führen kann. Die Landeshauptstadt München bleibt Eigentümerin des Actionsportzentrums", wie die Stadt weiter mitteilt. Noch gäbe es nach Kenntnisstand der Sportbürgermeisterin keinen Interessenten, es erfolge ohnehin eine Ausschreibung. Kernpunkt werden "sozial verträgliche Eintrittspreise sein", weshalb Strobl sich einen kommerziellen Betreiber kaum vorstellen könne.

Bislang gibt es nur ein ähnliches Angebot in München: Das private "Gravity Lab"

Den gibt es bereits in Mittersendling: Das Gravity Lab nimmt nach Anlaufschwierigkeiten wegen des Brandschutzes und eines Wasserschadens langsam, aber sicher Fahrt auf. Dass man sich ins Gehege kommt, glauben weder Strobl noch Sabine Schmalschläger, die Betreiberin der ersten Actionsporthalle Münchens. Zum einen werde es wahrscheinlich noch eine gewisse Zeit dauern, bis das neue Areal steht. Zum anderen "bin ich ja mainstreamiger geworden", sagt Schmalschläger. Soll heißen: weg vom reinen Actionsport, hin zu Kursen für jedermann, vor allem Kinder und Jugendliche, die Trendsportarten kennenlernen wollen. "Ich freue mich, wenn in diese Richtung etwas Neues entsteht, das wird die Szene nur beleben."

Auch Strobl findet, dass es Bedarf in einer Metropole wie München gibt. Ob München nun eine Actionsportstadt wird? Strobl lacht: "Mal sehen."