Serie "Ost-Süd-Nord" Statt Abstieg Mittelklasse

Die Bilanz von Jürgen Wolke, 47, als Trainer des TSV Großhadern ist so beachtlich wie seine Frisur damals als 21-Jähriger im Trikot der Löwen.

(Foto: Imago)

Großhadern feiert erst Erfolg am grünen Tisch und dann in der Liga

Von Stefan Galler

Ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass bei den Fußballern des TSV Großhadern die große Wachablösung stattgefunden hat: Abteilungsleiter Herbert Sammer nahm seinen Hut, weil er sich bei der Organisation einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der angestrebten Universitätskinderklinik in Großhadern nicht ausreichend vom Hauptverein unterstützt fühlte. Sammer hatte die TSV-Sparte zwischen 1985 und 1994, zur erfolgreichsten Zeit in der Vereinsgeschichte, erstmals geleitet und war zuletzt von 2011 bis 2015 noch einmal zurückgekehrt, weil er spürte, dass es sonst für seinen Herzensverein womöglich nicht gut ausgehen könnte: Die Fußballer waren drauf und dran, ihre Abteilung aufzulösen.

Nun hat Sammer, der sich nur noch um die Betreuung der größtenteils von ihm selbst akquirierten Sponsoren kümmert, ein bestelltes Feld hinterlassen, was allerdings im Sommer zunächst gar nicht klar gewesen ist: Großhadern beendete die vergangene Saison auf dem Relegationsplatz, scheiterte dort - und blieb doch in der Bezirksliga Süd, weil dem Verband ein Formfehler unterlaufen war: Mitten in der Abstiegsrunde änderte er die Zahl der Absteiger, dadurch fühlte sich der TSV benachteiligt - und bekam Recht. Weil jedoch erst sehr spät feststand, dass die Männer aus dem Münchner Südwesten nicht den Gang in die Kreisliga antreten mussten, waren zahlreiche Leistungsträger bereits abgewandert - und neue Kräfte kaum mehr zu bekommen.

Umso erstaunlicher, dass der ehemalige Bayernligist in der neuen Spielzeit eine richtig gute Rolle spielt: Sechs Zähler liegt das Team des neuen Trainers Jürgen Wolke vor der Abstiegszone, immerhin drei Zähler beträgt das Polster auf die Relegationsplätze. Wolke, einst beim TSV 1860 München aktiv, folgte auf Hartmut Herold, der nach seiner Interimstätigkeit in Hadern nun Stützpunkttrainer beim Bayerischen Fußball-Verband geworden ist.

Der neue Mann an der Spitze der TSV-Fußballer ist von der Konstellation begeistert: "Wir sind von allen Bezirksligakonkurrenten als Absteiger Nummer eins gehandelt worden. Dass wir jetzt so gut dastehen, konnte wirklich niemand erwarten", sagt Günther Niebler. 22 Punkte weisen die Haderner schon auf, im Frühjahr haben sie im Vergleich zu den Konkurrenten noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. "Die Atmosphäre im Verein ist sehr gut", sagt Niebler, der darauf hofft, dass sich die Mannschaft in der Spielklasse etablieren kann: "Wir hatten im Sommer das Problem, dass wir als Absteiger am Markt kaum neue Spieler bekommen haben. Zu dem Zeitpunkt, als feststand, dass wir doch drinbleiben, waren die meisten Guten schon anderweitig vergeben." Das soll nach Möglichkeit im kommenden Sommer anders laufen, deshalb ist das Ziel, möglichst schnell den Klassenerhalt klar zu machen und dann frühzeitig in die Planung einzusteigen.

Dass angesichts der Kurzfristigkeit der Personalentscheidungen offenbar viele Dinge richtig gemacht wurden, zeigen die sechs Siege und vier Remis in den ersten 18 Spielen. Die Neuen haben allesamt eingeschlagen. Besonders gilt dies für Offensivmann Derrick Edebiri. Der Nigerianer kam aus der zweiten Mannschaft des SV Dornach nach Großhadern und träumt von einer Profikarriere. "Er hat es absolut drauf. Das konnte er auch schon mal bei einem Probetraining beim FC Augsburg zeigen", verrät Niebler. Das Problem sei allerdings, dass die Aufenthaltsgenehmigung des Afrikaners im Juli 2016 ausläuft und noch unklar ist, ob Edebiri in Deutschland bleiben darf.

Doch auch andere Zugänge wie Benjamin Zollo (Eintracht Karlsfeld), Alexander Gula (TSV Grünwald) oder Prabin Tsering Bhutia (BC Aichach) sind zu echten Stützen avanciert. "So konnten wir unsere offensiven Starspieler Daniel Wildgruber (zur SpVgg Feldmoching, d.Red.) und Khareem Zelmat (zum FC Schwabing) ersetzen", sagt Niebler.