Segeln Zurück zum Ursprung

Wenn an diesem Wochenende die Segel-Bundesliga in Tutzing anlegt, blickt sie auf fünf erfolgreiche Jahre zurück. Das Format gilt längst als Erfolg - auch der zweimalige Meister DTYC will wieder vorne mitfahren.

Von Ralf Tögel, Tutzing

Ein bisschen Pathos ist in diesem Moment schon erlaubt: Die Segel-Bundesliga kehrt an ihren Ursprung zurück, an den Ort, an dem alles begann. Vor fast auf den Tag genau fünf Jahren kamen beim Deutschen Touring Yacht Club (DTYC) in Tutzing am Starnberger See 18 Segelvereine zusammen, um die Deutsche Segel-Bundesliga (DSBL) ins Leben zu rufen. An diesem Wochenende nun ist der DTYC zusammen mit dem Münchner Yacht-Club und dem Chiemsee Yacht Club Ausrichter des zweiten Spieltags der aktuellen Saison, der von diesem Freitag bis Sonntag die besten Crews der Nation fordert. Jenes einmalige Ereignis in der Geschichte des Segelsports hat sich zu einem erfolgreichen Format entwickelt, welches mittlerweile vielen Ländern ein Vorbild ist.

Aus ursprünglich 18 teilnehmenden Vereinen sind mittlerweile 36 geworden, aufgeteilt in die erste und zweite Bundesliga. Wie begehrt die Teilnahme an den beiden Topligen ist, zeigt allein die Tatsache, das sich 60 weitere Klubs vor der Saison für die Qualifikation angemeldet hatten. Es gibt moderierte Live-Übertragungen im Internet, die stets von einem Experten, nicht selten ein sehr erfolgreicher Segler, begleitet werden. Onboard-Kameras und herumschwirrende Drohnen liefern interessante und spektakuläre Bilder, beim Saisonstart in Friedrichshafen Ende April tummelten sich bis zu 500 Zuschauer pro Wettbewerbstag an der Uferpromenade, wie DSB-Pressesprecherin Julia Egge erinnert.

"Es hat sich wirklich viel verändert", bestätigt Wolfgang Stückl. Der Vorsitzende des DTYC ist an diesem Wochenende Wettfahrtleiter in Tutzing und Mann der ersten Stunde. "Wir freuen uns, dass wir an dieser Entwicklung teilhaben konnten und nun schon zum vierten Mal ein Event ausrichten", sagt Stückl: "Die Organisation steht, die Ligaboote liegen parat, alle ehrenamtlichen Helfer freuen sich, wenn es endlich losgeht." Der Lokalmatador setzt vor heimischem Publikum auf Julian Stückl, Tobias Bolduan, Sebastian Bühler und Laura Fischer als Crew, wie Teammanager Maximilian Weiss erklärt.

Heimvorteil? Immerhin könne man zu Hause schlafen, sagen sie beim Münchner Yacht-Club

Natürlich sei das Heimspiel ein Vorteil, sagt Weiss, allerdings müsse man erst einmal abwarten, was die doch unstete Wetterlage so bringe. Die Prognose kündige Wind an, "das werden wir nützen". Das Ziel beim Heimspiel? "Platz eins bis sechs", sagt Weiss, wie schon beim Saisonstart am Bodensee, den der DTYC als Neunter abschloss. Der zweimalige deutsche Meister und Champions-League-Sieger gibt sich in der aktuellen Saison bescheiden, schließlich gilt es, einen nicht unerheblichen Umbruch zu moderieren.

Ähnliches gilt für den Münchner Yacht-Club, wie Bundesliga-Sportwart Michael Liebl bestätigt. Rang 13 nach dem ersten Spieltag stellt ihn aber nicht sonderlich zufrieden, Liebl wünscht sich, dass "wir endlich einmal das aufs Wasser bringen, was wir können". Auch der MYC hat Heimvorteil, der sich aber vor allem darauf begründe, dass "wir zu Hause schlafen können und keine weite Anreise haben". Angesichts des Modus würden windspezifische Kenntnisse nicht besonders ins Gewicht fallen. Viel Arbeit habe es für die Ausrichter gegeben, ergänzt Liebl noch, allein 23 Motorboote würden die Wettkämpfe begleiten. Der MYC nominiert eine erfahrene Mannschaft, mit Steuermann Kay Niederfahrenhorst, Maximilian Adami, Caro Heine und Fabian Wunderle.

Der dritte Teilnehmer aus der Region, der Bayerische Yacht-Club (BYC) setzt ebenfalls auf Erfahrung: "Wir starten mit Philipp Hibler, Raoul Heraeus, Maximilian Hibler und Leopold Lindner", sagt Teammanager Ilja Wolf, der keine guten Windbedingungen erwartet. Ziel sei es, vorne mitzusegeln, "das wird schwer", sagt Wolf. Am ersten Spieltag ist dies indes gut gelungen, der BYC war hinter Meister Norddeutscher Regatta Verein Zweiter.