Segeln Nerven dick wie Taue

Meisterdämmerung: Der Deutsche Touring Yacht-Club (linkes Boot) hat die historische Chance auf den dritten Titel in Serie knapp verpasst.

(Foto: Lars Wehrmann/DSBL)

Der Münchner Yacht-Club verhindert mit einem Überraschungssieg den Abstieg aus der Bundesliga. Der Titelverteidiger patzt.

Von Ralf Tögel, Tutzing

Ein kurzer Blick in das Gesicht von Julian Stückl genügte, und es war klar, dass diese Segel-Regatta keinen positiven Niederschlag in der Historie des Deutschen Touring Yacht-Clubs (DTYC) finden wird. Und wer in Sachen Mimik weniger geübt ist, der bekam vom Steuermann des Tutzinger Bootes noch ein paar hilfreiche Worte: "Das war unter aller Sau, was wir hier gemacht haben." Eigentlich, fügte Stückl noch an, habe er mit der Regatta bereits abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Tutzinger, die als Führende in das finale Wochenende am Berliner Wannsee gegangen waren, auf dem dritten Platz in der Gesamtwertung der Segel-Bundesliga. Zwei Rennen standen noch aus, die Titelverteidigung war allerdings bereits perdu. Doch weil der Segel- und Motorboot Club Überlingen im letzten Flight noch patzte und Letzter wurde, belegte der DTYC in der Endabrechnung vor den Seglern vom Bodensee den zweiten Platz. Der Norddeutsche Regatta Verein, der als Zweiter ins Finale gegangen war und Vierter wurde, ist neuer deutscher Meister.

Mit dem Bayerischen Yacht-Club (BYC) als Gesamt-Siebter und dem Münchner Yacht-Club (MYC) als 13. in der Endabrechnung werden auch in der kommenden Saison drei Klubs aus der Münchner Region erstklassig segeln. Der Coup des Final-Wochenendes gelang allerdings der Crew vom Münchner Yacht-Club, die praktisch schon abgestiegen war und mit der Hypothek ins letzte Rennen ging, in diesem mindestens Zweiter werden zu müssen. Ganz offenbar haben die Segler vom Starnberger See Nerven so dick wie Taue, jedenfalls gewann das Team um Steuermann Kay Niederfahrenhorst das entscheidende Rennen sogar und rettete den 13. Platz ins Ziel. "Ich musste dreimal animiert werden", sagte Teammanager Michael Liebl hernach im Scherz, "das war an Spannung nicht zu überbieten." Für die kommende Saison will der MYC indes seine Linie beibehalten und den Fokus auf die Jugendarbeit legen, schon aus ökonomischen Gründen. "Wir sind reine Amateure", erklärt der Teammanager, weshalb die erfahrenen Segler früher oder später ins Berufsleben einsteigen und weniger Zeit für den Sport erübrigen könnten. "Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als das Risiko des Abstiegs zu fahren", sagt Liebl, wobei der dritte Platz der Junioren in der Bundesliga beweise, dass man auf dem richtigen Weg sei: Das wird sich am Ende des Tages auszahlen."

"Es gibt nichts schönzureden: In Berlin haben wir richtig auf die Nase bekommen."

Diese Strategie des Pragmatismus hat der MYC allerdings nicht exklusiv. Ilja Wolf, Teammanager des Konkurrenten Bayerischer Yacht-Club, bläst ins gleiche Horn: "Wir müssen die Jugend an das Niveau der alten Hasen heranführen", die aus beruflichen Gründen "nicht mehr so viel trainieren" könnten. Auch Wolf ist angesichts dieser Tatsache nicht bang, denn die BYC-Junioren belegten in der DM-Endabrechnung den zweiten Platz. Für die etablierten Segler des Klubs lief es nicht ganz so flüssig, der Vorjahresdritte hatte sich den vierten Platz als Ziel auserkoren, der neuerlich zur Teilnahme an der Champions League berechtigt hätte. Nach starkem Beginn aber reichte eine Serie von mittelmäßigen Rennen, um im Gesamttableau abzurutschen. "Man hat gesehen, wie eng es mittlerweile in der Liga ist", sagte Wolf, eine Erkenntnis, die seine Kollegen vorbehaltlos unterstreichen. Der Verein Seglerhaus am Wannsee ist bester Beleg dafür: Die Berliner hatten die vorletzte Regatta in Glücksburg gewonnen, im eigenen Revier am Wochenende wurden sie Letzte.

Eine noch größere Enttäuschung hatten zweifellos die Tutzinger zu verdauen, wie Teammanager Michael Tarabochia zugab: "Wir haben der nervlichen Belastung nicht standgehalten. Es gibt nichts schönzureden: In Berlin haben wir richtig auf die Nase bekommen." Gerade weil in den vergangenen Jahren mit zwei Meistertiteln und dem Champions-League-Triumph alles optimal gelaufen sei, sieht Tarabochia darin eine wichtige Erfahrung, denn Niederlagen gehörten zum Sport wie Siege. "Das lehrt uns Demut, wir werden die richtigen Schlüsse ziehen." Das klang schon wieder nach Entschlossenheit.