Rugby Rekord am Rande

Einfach nicht zu halten: Die Spieler von Studentenstadt Rugby München (in Rot) haben einen Lauf, dem die Stadtrivalen vom MRFC nichts entgegenzusetzen haben.

(Foto: Johannes Simon)

Zweitligist StuSta besiegt den München RFC im Stadtduell 52:7 - so deutlich wie nie zuvor. Bald könnte es für die Studentenstädter in die erste Liga gehen.

Von Florian Bindl

Beim Wort Derby denkt der geneigte Sport-Fan meist an Fußball. An brisante Stadtduelle wie Bayern gegen Sechzig oder das Old Firm in Glasgow. Spiele, die die Massen begeistern, über die schon Wochen vorher die ganze Stadt spricht. Für die am Spieltag zigtausende Menschen auf den Beinen sind, schließlich geht es ja um die Vorherrschaft in der Stadt - zumindest im Mikrokosmos Sport. Und es gab am Sonntag ja ein solches Duell, auch wenn da nur die zweite Mannschaft des FC Bayern in der vierten Liga auf die Münchner Löwen traf.

Tags zuvor im Englischen Garten war die Stimmung nicht ganz so aufgeladen. An dessen westlichem Rand, umgeben von kahlen Laubbäumen, liegt die Heimspielstätte des Rugby-Klubs Studentenstadt. Und für den stand in der 2. Bundesliga Süd das Stadtderby gegen den München Rugby Football Club an. Für beide war es das Spiel des Jahres. Zum dritten Mal nacheinander ging der Sieg an die Studentenstädter. Vor rekordverdächtiger Kulisse - weit mehr als hundert Zuschauer - setzte sich die Heimmannschaft klar mit 52:7 durch und festigte dadurch Platz eins in der Tabelle.

Der MRFC hat die größere Tradition - und genießt die Vorzüge einer modernen Anlage

"Der Schlüssel war heute unsere Defense, da waren wir sehr stark", resümierte StuSta-Coach Umberto Re, "der Gegner hatte heute keine Chance." Nur einen einzigen Versuch brachte der MRFC zustande und der war, so Re, "eher Zufall". Gerade in der ersten Halbzeit dominierten die Gastgeber, zur Pause stand es 26:7. Im Gedränge wirkten die Studentenstädter stets präsenter, ging doch einmal ein Ball verloren, hielt die Verteidigungslinie dicht.

Georges Besenius, Präsident und aktiver Spieler bei StuSta, bescheinigte seiner Mannschaft "große Disziplin". Mit mehr als 50 Punkten gegen den großen Rivalen zu gewinnen, "ist schon krass". In der zweiten Hälfte legte StuSta rasch nach, wirkte aber nicht mehr ganz so konzentriert, ohne aber auch nur die leisesten Zweifel an der eigenen Überlegenheit zuzulassen.

Nach der Partie durften die Gastgeber ausgiebig feiern, inklusive La Ola mit dem begeisterten Anhang. "Ein bisschen stolz" sei er schon, sagte Re. Sam Cross vom MRFC musste anerkennen: "Der Gegner war heute sehr gut, wir haben verdient verloren." Die Rivalität der beiden Teams beschränkt sich jedoch auf das Sportliche: "Auf dem Platz, ja, aber dann hört es auf", sagt Teamkollege Julian Köhnlein. "Wir verfolgen ja auch die Spiele von StuSta und freuen uns, wenn sie gewinnen." Abgesehen vom Derby, versteht sich.

Tatsächlich unterscheidet die Teams gar nicht viel. Beide sind ambitionierte Zweitligisten. Beide freuen sich über stark steigende Mitgliederzahlen. Beide setzen auf konsequente Jugendarbeit. Was die Vereine trennt, ist die Historie. Der MRFC ist der wesentlich ältere Verein. 1977 wurde er von walisischen Gastarbeitern gegründet. Der Rugby-Klub Studentenstadt existiert erst seit 1999. Fortan hat sich der Verein - entstanden aus einer Abspaltung vom MRFC - rasant entwickelt. In Umberto Re steht ein ehemaliger italienischer Nationalspieler an der Seitenlinie. "Sportlich sind beide Mannschaften auf einem ähnlichen Niveau", sagt Besenius, "aber der MRFC hat die besseren Trainingsmöglichkeiten." Während die Studentenstädter auf einem von Kieselsteinen durchsetzten Rasen im Englischen Garten spielen und im Winter ob der einbrechenden Dunkelheit - Flutlicht gibt es keins - nur eingeschränkt trainieren können, genießt der MRFC die Vorzüge einer modernen Trainingsanlage. Samt Kunstrasenplatz in Großhadern.

"Ein exzellenter Trainer": StuSta hat bisher alle fünf Saisonspiele gewonnen

Ob die Mannschaften jedoch sportlich noch auf einer Ebene sind, darüber lässt sich nach dem Samstag streiten. Auf dem "Acker", wie Köhnlein den Platz der Studentenstädter nennt, setzte es für sein Team die höchste Derbyniederlage überhaupt. Derzeit läuft es bei StuSta deutlich besser. Die Formkurve zeigt steil nach oben. Das Team aus dem Münchner Norden distanzierte den großen Rivalen durch den Derbysieg auf elf Punkte, gewann alle fünf bisherigen Saisonspiele mit Bonuspunkt. Dass StuSta langfristig enteilen könnte, davor fürchten sie sich beim MRFC aber nicht: "Es gab immer wieder Phasen, in denen der eine oder der andere besser war", glaubt MRFC-Spieler Constantin Kuhl.

Lob für die Studentenstädter hat er trotzdem übrig: "Sie haben einen exzellenten Trainer und sind sehr eingespielt." Kontinuität lautet das Zauberwort. Der Mannschaftskern spielt seit Jahren zusammen. Seit dem Wiederaufstieg 2012 belegte StuSta immer einen der ersten drei Plätze. Die Bundesliga ist der nächste Entwicklungsschritt. Ob es schon nächste Saison so weit ist? "Dass wir die Liga gewinnen, ist denkbar. Was die Playoffs bringen, wird sich zeigen", sagt Besenius. Sollte es mit dem Aufstieg nicht klappen, bliebe als Trost immer noch die Gewissheit, dass bald wieder ein Spiel des Jahres ansteht.