Pferdesport "Die Rennbahn ist ein gefährlicher Ort"

Auch um den Grundstücksdeal geht es in dem Anwaltsschreiben, das auf Stadlers Tisch liegt und das an alle Mitglieder ging. Ehrenmitglied Otto Stumpf wirft dem Vorsitzenden darin mehrere Verstöße gegen die Satzung vor, von fehlenden Jahresberichten bis zu Krediten, die die Mitglieder nicht genehmigt hätten. Fast alle Punkte kann Stadler, ein erfahrener Sanierer, sofort widerlegen, er zieht Protokolle hervor. Dass der Vorstand im Dezember nicht entlastet wurde, weil eine Wirtschaftsprüfung fehlte, stimmt.

Die Vorwürfe sind wohl Ausdruck der Unzufriedenheit vieler Traber: mit der Gesamtsituation, aber auch mit Stadler, der ihnen zu viele Alleingänge unternimmt. 2007, erzählt Stadler, sei er bei einer Mitgliederversammlung derart kritisiert worden, dass er seinen Rücktritt anbot. Mehrere Anwälte, die dem Verein angeblich nur für diesen Abend beigetreten waren, hatten ihn auseinandergenommen. Doch als Nachfolger stellte sich nur einer der Kritiker zur Wahl - und bekam mehr Nein- als Ja-Stimmen. Diejenigen, die wohl gewählt worden wären, blieben stumm. Auch das sieht Stadler als Grundproblem: vermögende Mitglieder, die helfen könnten, es aber nicht tun.

"Die Rennbahn ist ein gefährlicher Ort, da hört man viele Gerüchte", erzählt ein Fahrer. Viele Freunde habe der Präsident nicht, aber es habe ihm noch nie einer irgendein Vergehen nachweisen können. Vor allem der Grundstücksverkauf ist manchen ein Dorn im Auge, selbst Mitgliedern, die dem Verkauf vor sechs Jahren zugestimmt haben. Schließlich wäre das Gelände, sollte es dereinst mit 950 Wohneinheiten bebaut werden, ein Vielfaches wert. Es sei auch nicht klar, ob die Rennbahn in Maisach künftig ihrem Verein oder dem Erbauer Karl gehören werde, und überhaupt stamme dieser aus derselben Ecke wie Stadler und habe den Zuschlag ohne Ausschreibung bekommen.

Stadler bestreitet jede Beziehung zu Karl. In dem Vertrag, den einige Mitglieder geprüft haben, heißt es tatsächlich: Sollte der Käufer, also Karl, den Grund in Maisach "zum Grünlandpreis" erwerben, geht die Rennbahn in den Vereinsbesitz über; andernfalls müsse der Käufer nur für 30 Jahre den Erbpachtzins für die Traber zahlen. Diese haben Angst, dass am Ende dem Investor alles gehören könnte, während sie in Maisach bankrott gehen. Stadler hält dagegen, Karl, von dem auch das jüngste Darlehen kam, sei der einzige Interessent gewesen, der Millionen für ein Grundstück ausgeben wollte, auf dem es noch gar kein Baurecht gibt. "Und das hier gehört immer noch uns", betont Stadler. Vor dem Fenster sieht es immer noch trist aus.

Stadlers Anwalt wird Stumpfs Anwälten antworten. Im letzten Satz werde stehen, dass der Vorstand gerne zurücktreten werde, falls sich ein seriöser Nachfolger finde. "Das wäre eine Erlösung."