Pferdesport Optimismus im Retro-Look

Münchens Trabrennverein erwartet von der neuen Saison in Daglfing, dass sich sportlich wie finanziell ein Aufwärtstrend fortsetzt. Entscheidende Fragen zu seiner Zukunft bleiben aber ungeklärt.

Von Raphael Weiss

Das Geläuf der Daglfinger Trabrennbahn hat den Winter gut überstanden. Mehr als zweieinhalb Monate hat kein Pferdehuf mehr die ein Kilometer lange Rennbahn betreten. An diesem Sonntag endet ihr Winterschlaf. "Das Geläuf muss für den Sonntag ein kleines bisschen aufgehübscht werden, aber es ist in einem Top-Zustand", versichert Angelika Gramüller, die Präsidentin des Münchner Trabrenn- und Zuchtvereins (MTZV). Eine gute Nachricht, denn das neue Rennjahr birgt schon genügend Baustellen. Die größte ist nach wie vor das Gelände selbst. Die Tribünen sind veraltet, teilweise unbrauchbar geworden, doch eine Sanierung lohnt nicht: "Wir sind schon sehr retro. Aber jeder Euro, den man hier reinsteckt, ist verschenkt", sagt Gramüller. Denn 2022 muss der MTZV endgültig das Gelände räumen, das er schon 2005 an einen Bauunternehmer verkauft hat. Wo seit 1902 Münchens einzige Trabrennbahn liegt, soll neuer Wohnraum entstehen, aber die Suche nach einem neuen Standort bleibt schwierig. Der MTZV wollte spätestens Ende dieses Jahres einen gefunden haben. Doch von diesem Plan müssen sich die Daglfinger wohl verabschieden. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat Ende 2017 beschlossen, einen Ideenwettbewerb für die Gestaltung des 600 Hektar großen Gebiets im Münchner Nordosten auszuschreiben, in dem auch der MTZV auf eine neue Heimat hofft. Erste Ergebnisse des Wettbewerbs erwartet die Stadt frühestens 2021 - zu spät für die Zukunftsplanung der Trabrennbahn.

Die Stadt sammelt erst mal Ideen für das neue Wohngebiet. Dem Verein läuft die Zeit davon

Der Verein steht unter Zeitdruck. In Maisach ist noch immer ein Standort für eine neue Bahn reserviert, allerdings nur bis Ende dieses Jahres. Doch dorthin möchte Gramüller auf keinen Fall ziehen: "Wenn wir nach Maisach gehen, sind wir tot. Das ist so weit weg von der Stadt." Die Zuschauer würden den weiten Weg nicht auf sich nehmen, außerdem könnte man das Gelände außerhalb der Renntage nur schwer vermieten: "Da ist keine Rahmennutzung möglich, kein Flohmarkt, keine Veranstaltungen, nichts." Dieses Jahr wird es voraussichtlich keine Lösung geben. "Wir müssen jetzt einfach abwarten, weiter präsent sein und mit einem wachsamen Auge die Entwicklung verfolgen", sagt Gramüller.

"Das Geläuf ist in einem Top-Zustand": Szenegrößen wie Rudolf Haller (vorne auf Tyrolean Dream) messen sich von Sonntag an wieder in Daglfing.

(Foto: Claus Schunk)

Finanziell scheint es hingegen weiter aufwärts zu gehen. Die Umstrukturierung der vergangenen Jahre zeigt Wirkung. Auch wenn 2017 noch rote Zahlen geschrieben wurden, eine Verbesserung ist zu erkennen. "Die Bilanz haben wir ziemlich gut im Griff", sagt Gramüller. Die Kooperation mit dem französischen Wettanbieter PMU füllt die Kassen. Im vergangenen Jahr erzielte der MTZV mehr als 80 Prozent der Wetteinnahmen durch PMU-Rennen. 2018 wird es sieben dieser Rennen geben, zwei mehr als im Vorjahr.

International und gehoben | Die Höhepunkte der neuen Trabrennsaison

Sonntag, 11. März, 14 Uhr:

Saisonauftakt

Mittwoch, 9. Mai, 11 Uhr:

Münchner Pokal / PMU-Lunch

Mittwoch, 13. Juni, 11 Uhr:

Amateurfahrer-Cup / PMU-Lunch

Sonntag, 22. Juli, 14 Uhr:

Münchner Stuten-Cup

Sonntag, 2. September, 14 Uhr:

Bayern Pokal und Amateurmeisterschaft

Auch die Zahl der gehobenen Rennen wird erhöht: Am 9. Mai wird der Münchner Pokal stattfinden. Das Ziel ist, dadurch wieder mehr Menschen an die Rennbahn zu locken, die Stimmung an der Bahn zu verbessern und das Interesse am Trabsport zu steigern. "In Deutschland gibt es drei Sportarten: Fußball, Fußball und Fußball. Wir wollen unbedingt zeigen, wie schön unser Sport ist", wirbt Gramüller.

In Planung ist eine Kooperation mit der traditionsreichen Trabrennbahn Baden bei Wien. Zwischen Wien und Daglfing soll künftig ein Amateurvergleichs-Cup ausgetragen werden, bei dem sich Fahrer beider Bahnen miteinander messen. Gramüller geht davon aus, dass ein erstes dieser Rennen noch in diesem Jahr stattfindet. "Der Trabrennverein Baden ist mit dieser Anfrage auf uns zugekommen. Es wäre für beide Seiten ein schöner Austausch", findet sie. Ihre Hoffnung ist, dass mit dieser Kooperation in Zukunft wieder mehr internationale Fahrer in Daglfing antreten.

19 Renntage sind aktuell für die neue Saison in Daglfing geplant. An diesem Sonntag beginnt das Rennjahr dennoch zunächst mit einem Blick zurück: Um 13.30 Uhr werden die besten Fahrer und Pferde des vergangenen Jahres geehrt. Rudi Haller war mit 35 Siegen der erfolgreichste Fahrer 2017, Marie-Galante wird als Daglfings Pferd des Jahres ausgezeichnet. Der gewinnreichste Züchter war Max Schwarz mit seinem Diamanten Stall. Um 14 Uhr beginnt das Programm mit neun Rennen und Pferden aus ebenso vielen Ländern. Dieses Starterfeld könnte ein Vorgeschmack sein auf die erhoffte Internationalisierung der Rennbahn.