Munich Mash "Mit Abstand die spektakulärste Strecke, die ich je aufgebaut habe"

Die Strecke ist eine Herausforderung, auch für die 25-jährige Nora Vasconcellos aus den USA.

(Foto: imago/Bildbyran)
  • Am Wochenende messen sich Actionsportler aus aller Welt beim Munich Mash.
  • Zum fünften Mal wird die Veranstaltung bereits im Olympiapark ausgetragen.
  • Besonders spektakulär soll in diesem Jahr das Skateboard-Event werden - allerdings muss dafür das Wetter halten.
Von Sebastian Winter

Am Dienstag begann es nachmittags im Olympiapark zu regnen, und der Regen ging irgendwann über in einen veritablen Wolkenbruch. Es schüttete, Wassermassen stürzten vom Zeltdach, auf dem Gelände bildeten sich kleine Seen. Oli Bürgin blieb also nichts anderes übrig, als in einen weißen Container am Rande des Coubertinplatzes zu flüchten. "Es darf nicht regnen", sagte Bürgin in dem schmucklosen Raum etwas besorgt. "Skateboardfahren im Regen gibt es eigentlich nicht." Trockenheit ist eine Voraussetzung für die Individualisten und ihr rollendes Brett beim Munich Mash. Und siehe da: Die Langzeitprognose verspricht für das nächste Wochenende heiteres Wetter und etwas mehr als 20 Grad.

Die Skateboarder und ihre neue Strecke Red Bull Roller Coaster sind das Herzstück des diesjährigen Munich Mash, der vom 22. bis 24. Juni in seiner fünften Auflage wieder mehr als 70 000 Zuschauer in den Park locken soll. Die achterbahnartige Strecke, die die Mash-Organisatoren um Frank Seipp und der Sportliche Leiter Bürgin zusammen mit dem Getränkekonzern entworfen haben, schlängelt sich 300 Meter vom Hang oberhalb des Coubertinplatzes in den Olympiasee hinab. Die Holzkonstruktion ist gespickt mit Rampen, Rails aus Granit, Kurven und Sprüngen.

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Bürgin, selbst früher Skateboard-Profi und dreimaliger Europameister auf der Miniramp, baut sie seit knapp zwei Wochen mit dem Passauer Rampenbauer Andreas Schützenberger und einem kleinen Team in den Park hinein. Nicht wenige der insgesamt 80 000 Schrauben hat er selbst ins Holz getrieben, um die Quer- und Längsbalken und die Hindernisse zu befestigen. Das Wetter machte ihm auch deshalb Sorgen, weil eben noch viel zu tun war Mitte der Woche. Aber eines weiß Bürgin, der Basler, schon jetzt: "Es ist mit Abstand die spektakulärste Strecke, die ich je aufgebaut habe." So ein Satz bedeutet schon etwas, immerhin plant Bürgin seit 20 Jahren internationale Skateboard-Events.

Es ist jedenfalls eine völlig neuartige Strecke, die verschiedene Skateboard-Stile wie Park, Street und Mega-Ramp miteinander verbindet. Die Schlüsselstellen heißen "Picnic Table", "Speed Slider Bank" oder "Watergap", beim Picknicktisch sei das Tricklevel hoch, findet Bürgin, beim Sprung kurz vor dem Ziel ist auch Athletik gefragt. "Fahrer, die gute Park-Fähigkeiten haben, sind aber im Vorteil", sagt Bürgin. Die also beispielsweise gut durch Steilkurven oder Mulden kommen.

Circa eine Minute dauert ein Lauf, der beste von drei Versuchen, die jeder Athlet hat, zählt. In jedem Lauf darf zweimal das Skateboard "verloren" beziehungsweise abgestiegen werden. Die Top Ten der Qualifikation am Freitag (14.30 Uhr) kommen ins Finale am Samstag um 17.30 Uhr. Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Kreativität und Qualität der Tricks.

Nur drei Frauen sind am Start

Der vielseitigste Fahrer wird im 18er-Feld also gesucht, das so international wie vielversprechend klingt. Der "Skater of the Year" 2017, Jamie Foy (USA), reist wie Alex Sorgente und das erst 19-jährige Talent Zion Wright aus den USA an, sie fordern Pedro Barros heraus, der in der Szene den hübschen Namen "Beast from Brazil" trägt. Drei Frauen sind auch am Start, neben der niederländischen X-Games-Expertin Candy Jacobs sind das die US-Amerikanerinnen Nora Vasconcellos und Fabiana Delfino.

Noch wird an der Strecke gebaut, bis sie von Donnerstag an Spielwiese für die Individualisten auf vier Rollen wird.

(Foto: oh)

Deutsche fehlen bislang, aber einer kann noch ins Feld rutschen. Denn der letzte freie Platz ist dem Gewinner der nationalen Qualifikation vorbehalten, die am Donnerstag stattfindet. Mit dabei sind dort auch die Münchner Joscha Aicher, Daniel Ledermann und Pacel Khachab. "Die Strecke ist auch ein Stück weit ein Wagnis", sagt Bürgin, was insbesondere für die Qualifikanten gelten dürfte.

Sie ist jedenfalls ein würdiger Nachfolger für die Street League, die 2017 in der Olympia-Eishalle das Publikum begeisterte. Weil sich die schillernde Weltserie und die Mash-Verantwortlichen nicht auf eine Fortsetzung im Olympiapark einigen konnten, gibt es nun eben die Achterbahnfahrt in den See. Sie könnte durchaus zum neuen Zuschauermagneten werden, die Euphorie ist jedenfalls riesengroß, seit entschieden wurde, dass die Skateboarder 2020 bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei sind.

Das Ziel befindet sich übrigens auf einer in den Olympiasee hineingebauten Plattform, die Fahrer erreichen es nur mit einem Sprung über das Wasser. "Theoretisch könnte man da auch reinfallen", sagt Bürgin, der Baumeister.

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