Meisterehrung der Segler Kurs Richtung Zukunft

Tutzings Bundesliga-Mannschaft geht mit deutlich jüngerem Management in die neue Saison - und holt Ferdinand Gerz an Bord.

Von Raphael Weiss, Ottobrunn

Maximilian Weiss stand auf der Bühne und blickte zur Leinwand, von der gerade die Sieger der Segelbundesliga überlebensgroß zu ihm herab lachten. Szenen vom letzten Rennwochenende Anfang November 2017, als sich die Segler des Norddeutschen Regattavereins den Titel vor seinem Deutschen Touring Yacht-Club (DTYC) sicherten. Nun musste Weiss ihnen erneut beim Jubeln zuschauen. Warum der Bayerische Seglerverband ausgerechnet diesen Imagefilm der Segelbundesliga zeigte, ehe er den DTYC am vergangenen Samstag bei der Meisterehrung in Ottobrunn auszeichnete, war nicht ganz schlüssig. Immer wieder grinste die norddeutsche Crew in die Kamera und somit in Richtung Weiss und seiner Mannschaftskolleginnen Monika Linder und Mareike Weber, die als Vertreter des fast 20-köpfigen Bundesligateams die Auszeichnung entgegennahmen. Doch die drei ließen sich nichts anmerken, blickten geduldig nach oben und antworteten freundlich: "Wir haben in den letzten drei Jahren zwei Mal gewonnen und sind einmal Zweiter geworden. Ich denke, darauf können wir stolz sein", sagte Linder und erwähnte nicht mal den Champions-League-Sieg, der dem DTYC im vergangenen Jahr die Teilnahme am Nordstream Race ermöglichte.

Künftig liegt es besonders an Weiss, dass die gute Leistung der vergangenen Jahre fortgeführt wird. Denn er übernimmt zur neuen Saison zusammen mit Patrick Follmann das Team-Management der Tutzinger Bundesligamannschaft. "Wir müssen kaum etwas verändern, unsere Vorgänger Michael Tarabochia und Norbert Wagner haben uns erfolgreiche Grundstrukturen aufgebaut", sagte Weiss und fügte an: "Wir wollen vor allen Dingen die jüngere Generation fördern, ihr nach und nach die Bühne überlassen und unsere Erfahrung weitergeben." Weiss ist gerade einmal 29, Follmann 28. Dass er trotzdem von der jüngeren Generation spricht, könnte daran liegen, dass er schon seit der Gründung der Segelbundesliga 2013 für den DTYC antritt. Der Verein selbst spricht davon, dass man mit dem sehr jungen Team-Management die eigene Talentförderung weiter forcieren möchte. Zum Vergleich: Wagner ist 82, Tarabochia 57.

Ein paar andere Impulse wird es jedenfalls geben. Die künftigen Verantwortlichen wollen die Integration neuer Technologien vorantreiben. "Wir haben in unserem Beruf sehr viel mit digitalen Neuerungen zu tun. Unsere Aufgabe ist es, das in den Sport zu übersetzen", erklärte Weiss.

Für eine weitere Veränderung ist vor allem Follmann verantwortlich. Von der kommenden Saison an wird der Münchner Ferdinand Gerz das Bundesligateam des DTYC verstärken. Das Duo Follmann/Gerz trat 2012 in der 470er-Klasse gemeinsam bei Olympia an und belegte Rang 13. Follmann beendete noch im gleichen Jahr die Zusammenarbeit; einerseits, weil Leistungssport und Studium schwer zu kombinieren waren, andererseits, weil es innerhalb des Teams immer wieder zu Reibereien gekommen war. Gerz war Steuermann, Follmann Vorschoter - es habe immer wieder Diskussionen darum gegeben, wer von beiden Recht habe, sagte er damals. Follmann konzentrierte sich fortan auf den DTYC, Gerz wurde zweimal deutscher Meister im 470er, gewann 2015 die Europameisterschaft und trat 2016 erneut bei Olympia an. Nach einem, wie Gerz sagte, enttäuschenden elften Platz trat nun auch der 28-Jährige vom Profisport zurück und schließt sich jetzt seinem früheren Mannschaftskollegen an. Diesmal sollte es keine Diskussionen darum geben, wer von beiden Recht hat. Die Rollen sind klar verteilt.

Es wird sich zeigen, wie sich das Bundesligateam des DTYC in seiner ersten Saison unter dem jungen Teammanager-Duo schlagen wird. Weiss sagt: "Unter die Top Drei zu kommen, wäre schon ein großer Erfolg." Ein recht bescheidenes Ziel für den erfolgreichsten Bundesligisten der vergangenen Jahre. Vielleicht gelingt es dem DTYC ja auch, das Vorjahresergebnis zu verbessern. Dann müsste Weiss im nächsten Jahr nicht die anderen auf der Leinwand jubeln sehen.